Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selbsttest hilft Frühgeburten zu verhindern

03.03.2008
In der Bundesrepublik kommen fast zehn Prozent aller Kinder zu früh und mit Untergewicht zur Welt.

Durch die moderne Medizin haben sich die Chancen für sie in den letzten Jahrzehnten zwar gravierend verbessert, dennoch ist eine Frühgeburt zumeist eine große Belastung für die Familie und stellt hohe Anforderungen an die betreuenden Mediziner und Pflegekräfte: Die Frühgeborenen sind oft nicht fähig, die wichtigsten Lebensfunktionen aufrecht zu erhalten.

In manchen Fällen müssen deshalb medizinische Hilfsmittel wie Brutkästen, Sauerstoffbeatmung oder künstliche Ernährung eingesetzt werden. „Ernsthaft gesundheitlich gefährdet sind alle Babys, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden“, erklärt Darius Michna, Leitender Arzt der neonatologischen Intensivstation des Elisabeth-Krankenhauses Essen. „Diese Neugeborenen wiegen zumeist weniger als 1.500 Gramm. Wir können sie heute zwar am Leben halten, doch ca. 30 Prozent dieser Frühchen sind von bleibenden Störungen betroffen. Seh- und Hördefizite sind nicht selten und auch Epilepsie, Entwicklungs- und Konzentrationsstörungen treten bei diesen Kindern später häufiger auf.“

Dabei könnte die Zahl der Früh- und Fehlgeburten durch gezielte Prävention drastisch gesenkt werden. Gynäkologen klären werdende Mütter deshalb über individuelle Risikofaktoren auf: Dazu gehören das Rauchen, psychische Belastung, Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung oder ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes. „Man geht derzeit allerdings davon aus, dass etwa 70 Prozent aller Früh- und Fehlgeburten durch aufsteigende Genitalinfektionen bei der Mutter ausgelöst werden“, erklärt Prof. Dr. Stefan Niesert, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Elisabeth-Krankenhauses. „Um erste Anzeichen einer Infektion in der Scheide rechtzeitig diagnostizieren zu können, gibt es heute einen einfachen Test, den die Schwangern – unabhängig vom Arzt – zu Hause durchführen können.“

... mehr zu:
»Fehlgeburt »Frühgeburt

Säuregehalt entscheidend

Normalerweise herrscht in der Scheide ein saurer – also niedriger – pH-Wert, der von Milchsäurebakterien aufrecht erhalten wird. Diese Bakterien unterstützen die körpereigene Abwehr, indem sie Milchsäure produzieren. Die Säure sorgt dafür, dass sich krankmachende Keime nicht so leicht ausbreiten können. Wenn dieser natürliche Schutz aus irgendeinem Grund gestört ist, steigt der pH-Wert und infektionsauslösende Keime können sich in der Scheide vermehren. „Oft wird eine solche Scheideninfektion von den Frauen gar nicht bemerkt und daher auch nicht behandelt. Die Keime können dann in die Gebärmutter aufsteigen und dort Wehen oder einen vorzeitigen Blasensprung hervorrufen“, so Prof. Niesert.

„Um eine Störung des Säuregehaltes frühzeitig zu erkennen, können Schwangere heute mit einem speziellen Einmalhandschuhe eine Messung des ph-Werts ihrer Scheidenflüssigkeit durchführen. Diese Messung ist einfach und ungefährlich. Der Zeigefinger mit dem Handschuh wird etwa drei Zentimeter in die Scheide eingeführt. Auf der Fingerspitze des Handschuhes befindet sich ein Messfeld, das entsprechend des Säuregehaltes seine Farbe verändert. Anhand einer Vergleichsskala kann dann der pH-Wert abgelesen werden.“

Die Verfärbung bietet also Aufschluss über eine eventuell vorliegende Infektion. Ist der Säuregehalt der Scheidenflüssigkeit zu niedrig, sollte der behandelnde Frauenarzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und ggf. mit einer Behandlung zu beginnen. „Je später bei einer Infektion therapeutisch eingegriffen wird, umso schwieriger wird es, eine Frühgeburt zu vermeiden,“ erklärt der Gynäkologe. „Deshalb ist es wichtig, öfter zu kontrollieren als nur einmal im Monat bei der ärztlichen Vorsorgeuntersuchung.“

Verschiedene wissenschaftliche Studien in Deutschland haben den Nutzen des Handschuhtests belegt: Bei den untersuchten Frauen ist es gelungen, die Zahl der Frühgeburten vor der 32. Schwangerschaftswoche fast zu halbieren. Die Testhandschuhe gibt es in der Apotheke. Ein Set kostet etwa 50 Euro und reicht für eine ganze Schwangerschaft aus. Einige Krankenkassen übernehmen für ihre Versicherten bereits die Kosten dieses Selbstvorsorgetests.

| EKE
Weitere Informationen:
http://www.elisabeth-essen.de

Weitere Berichte zu: Fehlgeburt Frühgeburt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie