Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Interdisziplinäre Onkologie am Frankfurter Universitätsklinikum

13.02.2008
Bei onkologischen Patienten setzt das Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt in Zukunft noch mehr auf interdisziplinäre Zusammenarbeit. Erste Schritte sind mit strukturellen, baulichen Maßnahmen und einer konsequenten Berufungspolitik vollzogen.

Erstmals wird in Deutschland ein onkologisches Zentrum für Jugendliche und junge Erwachsene eingerichtet.

Onkologische Schwerpunktbildung und interdisziplinäre Kooperation der verschiedenen Fachdisziplinen sind angesichts der Komplexität von Krebserkrankungen und jährlich circa 425.000 Neuerkrankungen ins Zentrum des medizinischen Interesses gerückt. Um onkologischen Patienten eine optimale Behandlung zu gewährleisten, bedarf es der fächerübergreifenden und strukturierten Zusammenführung der Kompetenzen aller onkologischen Fachabteilungen in Diagnostik, Therapie und Nachsorge.

Der Fachbereich Medizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität und das Universitätsklinikum fördern den Bereich Onkologie als einen ihrer profilbildenden Schwerpunkte. Aktuell sieht das Hessische Onkologiekonzept die Einrichtung noch näher zu bestimmender onkologischer Zentren vor, die im Sinne eines allumfassenden Versorgungsangebotes das gesamte Spektrum onkologischer Erkrankungen gemäß den aktuellen Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft versorgen und dabei auch spezielle neue Diagnose- und Therapieformen einsetzen. In den Zentren soll zudem eine Zusammenarbeit mit Kooperationskrankenhäusern stattfinden, um diese bei der Behandlung von Krebspatienten zu unterstützen. Intensive medizinisch-wissenschaftliche Forschung und die Teilnahme an Therapie-optimierungsstudien runden das Profil der geplanten Zentren ab.

... mehr zu:
»Onkologie

Mit seiner integrierten Onkologieplattform und der Expertise in allen onkologischen Fachdisziplinen ist das Frankfurter Universitätsklinikum prädestiniert, diese Funktion im Versorgungsbereich zu übernehmen. Baulich-strukturelle Maßnahmen und die konsequente Berufungspolitik von Klinikum und Fachbereich Medizin in der onkologischen und tumorspezifischen Schwerpunktbildung sind deutliche Akzente in diese Richtung.

Interdisziplinäre Versorgung am Universitätsklinikum

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen onkologischen Fachbereiche in Diagnostik, Therapie und Nachsorge hat entscheidend zur Optimierung der Behandlungen am Universitätsklinikum beigetragen. Bei der engen Kooperation der Kliniken und Institute sind insbesondere fachübergreifende Tumorkonferenzen von zentralem Stellenwert, da sie als Schnittstelle der Disziplinen fungieren und ein strukturiertes, interdisziplinär vernetztes Vorgehen möglich machen. Dabei stehen die Individualisierung von Diagnostik und Therapie und das Bestreben, dem Patienten eine auf dem neuesten Stand der Forschung fußende Behandlung zukommen zu lassen, im Vordergrund.

Wie wichtig die Erstellung fachübergreifender Behandlungskonzepte ist, verdeutlicht Prof. Dr. Claus Rödel, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Onkologie, am Beispiel des Rektumkarzinoms: "Während Chirurgen erkrankte Patienten früher zunächst primär operierten, diskutieren wir heute in wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Tumorkonferenzen jeden Krankheitsfall individuell, um eine bestmögliche Versorgung mit individueller, präoperativer Therapie festlegen zu können." In Bezug auf die Strahlentherapie betont Prof. Dr. Claus Rödel, dass diese nicht mehr ausschließlich als schmerzlinderndes oder palliatives Therapieverfahren in der Tumorbehandlung eingesetzt, sondern gleich zu Beginn kurativ in den Behandlungsprozess integriert und mit der Chemotherapie kombiniert wird. So besteht in vielen Fällen die Möglichkeit eines Funktions- und Organerhalts. "Die guten Behandlungserfolge zeigen die Effektivität der fachübergreifenden Zusammenarbeit von Chirurgie, Strahlen- und Chemotherapie", resümiert Prof. Dr. Claus Rödel.

Die Erforschung neuer, innovativer Behandlungsmethoden zur Therapie des Rektumkarzinoms stellt zudem ein Beispiel für die Rolle des Frankfurter Universitätsklinikums als Initiator großer klinischer Studien dar. Unter der Leitung von Prof. Dr. Claus Rödel und des Universitätsklinikums Erlangen wird derzeit an 50 Einrichtungen in Deutschland eine Phase-III-Studie mit bislang 400 Patienten durchgeführt, deren Ergebnisse im Klinikum in neue Therapieformen umgesetzt werden sollen.

Auch Prof. Dr. Hubert Serve, Direktor der Medizinischen Klinik II für Hämatologie, Onkologie, Rheumatologie, Infektiologie und HIV, ist ein renommierter Spezialist in der Krebsforschung und Tumorbehandlung. So ist er maßgeblich an der Entwicklung gezielt agierender molekularer Therapien beteiligt, mit deren Hilfe zellbiologische und molekulare Mechanismen gehemmt werden, die das Tumorwachstum verursachen oder befördern. Die neuen Therapieformen, die hier in Frankfurt maßgeblich untersucht werden, sollen den Patienten eine schonendere und vor allem effektivere Behandlung ermöglichen. Das Universitätsklinikum Frankfurt ist seit Jahren einer der weltweiten Schrittmacher für die Diagnostik und Therapie Akuter Leukämien, einer besonders bösartigen Erkrankung des blutbildenden Systems. Frankfurt ist bei diesen Erkrankungen nicht nur Teilnehmer, sondern koordinierendes Zentrum für eine Vielzahl von Therapie-Optimierungsstudien, die es zum Ziel haben möglichst vielen Patienten die beste erhältliche Therapie zukommen zu lassen.

Modellprojekt: Onkologiezentrum zur Behandlung Jugendlicher und junger Erwachsener

Im Hinblick auf die Bildung einer zentralen onkologischen Plattform geht das Frankfurter Universitätsklinikum nun einen in Deutschland bisher einmaligen Schritt weiter. Auf Initiative von Prof. Dr. Hubert Serve und Prof. Dr. Thomas Klingebiel, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin Klinik III (Onkologie, Hämatologie und Hämostaseologie), plant das Frankfurter Universitätsklinikum als erste Klinik in Deutschland, sich in Zukunft mit seiner interdisziplinären onkologischen Betreuung auch auf die so genannte "vergessene Gruppe" der krebs- und leukämiekranken Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 29 Jahren zu spezialisieren. "In dieser Gruppe treten neben Leukämien und Lymphomen auch alterstypische Tumoren auf, die sich von denen im höheren Lebensalter unterscheiden und Überschneidungen zum Jugendalter aufweisen", erklärt Prof. Dr. Thomas Klingebiel. Ein Onkologiezentrum zur Behandlung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen soll den speziellen Bedürfnissen von Patienten dieser Altersgruppe gerecht werden. "Bislang sind junge Menschen entlang einer künstlichen Altergrenze entweder in die Kinderklinik oder die internistische Onkologie eingewiesen worden und wurden dann eher zufällig ausschließlich von Pädiatern oder Internisten behandelt", erläutert Prof. Dr. Hubert Serve das Problem der in Deutschland üblichen Strukturen. Mit dem neuen Konzept einer spezialisierten, kooperativen Versorgungseinheit wird das Klinikum diesem Zufallscharakter der Betreuung entgegenwirken und die "vergessene Altersgruppe" in den Vordergrund der interdisziplinären onkologischen Zusammenarbeit stellen, um so für jeden einzelnen Patienten eine individualisierte Betreuungssituation auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft zu gewährleisten.

Die Bedeutung und Aufgabe des Zentrums gehen jedoch über die medizinisch-somatische Versorgung hinaus: "Bei Patienten dieser Altersgruppe fällt die Erkrankung in eine besondere psychologische und sozioökonomische Situation. Hier spielen die Entwicklung von Eigenständigkeit, Ausbildung, beruflicher Orientierung und erster Partnerschaft eine zentrale Rolle", erklärt Prof. Dr. Hubert Serve. Die medizinische Versorgung in einem interdisziplinären Team soll daher durch eine psychosoziale Betreuung ergänzt werden, die auf die besonderen Bedürfnisse und Schwierigkeiten dieser Altersgruppe eingeht. Zudem wird das Team interdisziplinäre Nachsorgekonzepte erstellen und klinische Studien durchführen, um an der Einführung neuer innovativer Substanzen für Jugendliche und junge Erwachsene zu arbeiten. Das umfassende Behandlungs- und Forschungsprogramm soll durch weitere Angebote ergänzt werden: "Das Versorgungszentrum wird ein breites Informationsangebot für Erkrankte, Angehörige und Freunde zur Verfügung stellen und auch die fächerübergreifende Ausbildung von Ärzten der Inneren Medizin und der Pädiatrie möglich machen", erklärt Prof. Dr. Thomas Klingebiel das Konzept des Zentrums. "Zudem streben wir enge Kooperationen mit den epidemiologischen Registern, dem Kinderkrebsregister und den verschiedenen Kompetenznetzen an."

Tag der Gesundheitsforschung 2008

Um der Bevölkerung Einblicke in die ganze Bandbreite der onkologischen Behandlungsformen und der Krebsforschung am Frankfurter Universitätsklinikum zu geben, und dem großen öffentlichen Informationsbedarf zu entsprechen, veranstaltet das Klinikum am 17. Februar im Hörsaalgebäude, Haus 22 und 23, den Tag der Gesundheitsforschung. Mit allgemeinverständlichen Vorträgen, Vorführaktionen und Laborführungen werden die onkologischen Fachbereiche des Frankfurter Universitätsklinikums zwischen 13.00 und 18.00 Uhr das gesamte Themenspektrum der Krebsbehandlung erläutern und dabei modernste Forschungs- und Therapieansätze präsentieren. Die Besucher haben die Gelegenheit, auch kontroverse Fragestellungen in der Krebsforschung zu diskutieren und mit Ärzten und Forschern direkt ins Gespräch zu kommen.

Für weitere Informationen:

Ricarda Wessinghage
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J. W. Goethe-Universität Frankfurt/M.
Fon (0 69) 6301-77 64
Fax (069) 6301-83 222
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Berichte zu: Onkologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten