Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chinesische Pflanze gegen Malaria

28.05.2002


USA spricht sich gegen Anwendung in Afrika aus



Die Weltgesundheitsorganisation WHO will für Staaten in Afrika das chinesische Heilmittel Artemisinin gegen Malaria durchsetzen. Die amerikanische Agency for International Development spricht sich jedoch gegen dieses Mittel aus. Fest steht, dass rasches Handeln angesagt ist, denn die meisten Präparate gegen die Erkrankung sind mittlerweile wirkungslos und Malaria wird zur Todesursache Nummer eins in Afrika berichtet die New York Times.

... mehr zu:
»Malaria


"Artemisinin ist ein hervorragendes Mittel. Es ist nicht nur eine Behandlung, sondern es hemmt die Form der Infektion, daher führt es zu einer schwächeren Intensität der Epidemie", so David Nabarro, Vize-Direktor in der WHO-Generaldirektion. Der Wirkstoff Artemisinin stammt aus einer Heilpflanze, die in China seit 2.000 Jahren in Verwendung ist. Vor 30 Jahren wurde das erste Derivat aus der Pflanze "Artesmisia annua" gezogen. Das Rohmaterial stammt aus China und Vietnam, obwohl die Pflanze auch in Teilen der USA wild wächst. Das Hauptargument der US-Behörde gegen den Einsatz der pflanzlichen Medizin liegen in der angeblich zu wenig untersuchten Wirkung bei Kindern und in den hohen Kosten. Dennoch räumt Dennis Carroll, ein Berater der Agency for International Development ein, dass dieses Präparat auf lange Sicht wahrscheinlich die beste Option sei. Doch die Zeit sei noch nicht reif.

Kritiker meinen, dass zu langes Warten aber die Todesrate in die Höhe schnellen lässt, da die anderen herkömmlichen Anti-Malaria-Medikamente praktisch wirkungslos werden. Problematisch in diesem Zusammenhang scheint aber vor allem die Finanzierung der Gesundheit in Ländern Afrikas: ohne finanzielle Unterstützung der Weltbank kann es sich kein Land leisten auch nur annähernd die Kosten für eine effektive Malariabekämpfung aufzubringen. Carroll bestreitet aber die Eile und argumentiert mit der mangelnden Erfahrung des Wirkstoffes bei Kindern. Schließlich gebe es nach Ansicht der Agency for International Development noch Möglichkeiten altbekannte Medikamente einzusetzen. Argumente wie diese bringen Epidemiologen wie den ghanesischen Malaria-Spezialisten Fred Binka in Rage. "In armen Ländern wie Ghana gibt es für Kinder nur eine Chance: Wenn sie beim ersten Besuch in einer Klinik das falsche Medikament erhalten, sterben sie", so Binka. Auch Bernard Pecoul, Direktor der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", meint, dass die amerikanische Position hart zu verstehen sei.

Die Argumente der US-Behörde stoßen auch deshalb auf taube Ohren in Afrika, weil für Malaria in der Forschung zu wenig Geld ausgegeben wird. Im internationalen Vergleich wird für die Entwicklung von neuen Wirkstoffen 3.360 Dollar pro Aids-Toten an Forschungskosten aufgewendet, 840 Dollar für jeden Asthma-Toten und nur 42 Dollar pro Malaria-Opfer. Malaria ist aber in 90 Staaten der Welt eine Bedrohung. 300 Mio. Menschen erkranken jährlich daran, für eine Mio. endet die Krankheit tödlich. Kinder in ländlichen Gebieten Afrikas erkranken bis zu sechs Mal jährlich an Fieberschüben. In manchen Gegenden gibt es bis zu 60 Prozent Resistenzen gegen die herkömmlichen Medikamente. Experten sind sich mittlerweile einig darüber, dass nur eine Mischung aus verschiedenen Wirkstoffen ähnlich wie die Aids-Behandlung erfolgreich ist. Nach Expertenmeinungen gilt dies aber nicht für den Wirkstoff der Artemisia annua.

Der einzige Nachteil des Heilmittels liegt in seiner Erstdosis: Bis zu 12 Pillen sind über drei Tage bevorzugt mit Milch einzunehmen. Wer sich das nicht leisten kann, sorgt unfreiwillig dafür, dass die resistentesten Parasiten überleben und mit der nächsten Anopheles-Mücke auf einen anderen Menschen übertragen werden.

weitlaner@pressetext.at | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.who.org
http://www.usaid.gov

Weitere Berichte zu: Malaria

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise