Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch über kosmetische Mittel können Verbraucher größere Mengen Cumarin aufnehmen

20.12.2007
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, die Gesamtaufnahme zu verringern

Der natürliche Aromastoff Cumarin kann bei besonders empfindlichen Personen Leberschäden verursachen. Die Wirkung ist allerdings reversibel, wenn kein Cumarin mehr aufgenommen wird. Der Pflanzeninhaltsstoff kommt in Waldmeister und Steinklee, in größeren Mengen auch in Cassia-Zimt vor. Verbraucher nehmen ihn vor allem über Lebensmittel auf, die viel Cassia-Zimt enthalten. Außerdem wird synthetisch hergestelltes Cumarin kosmetischen Mitteln als Duftstoff zugesetzt und kann über die Haut in den Körper gelangen.

Um zu beurteilen, in welchem Umfang kosmetische Mittel zur Belastung des Verbrauchers mit Cumarin beitragen, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Analysenergebnisse der Überwachungsbehörden der Bundesländer bewertet. Das Ergebnis: Allein durch den Gebrauch kosmetischer Mittel mit hohen Cumaringehalten könnten Verbraucher die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von Cumarin überschreiten. Bislang ist allerdings nicht abschließend geklärt, ob Cumarin, das über die Haut aufgenommen wird, die Leber ähnlich schädigt wie Cumarin, das über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen wird. Bis diese Frage abschließend geklärt ist, geht das BfR in seiner Bewertung vorsorglich davon aus, dass die lebertoxischen Wirkungen in beiden Fällen vergleichbar sind.

"Die Exposition der Verbraucher gegenüber Cumarin, zu der auch kosmetische Mittel beitragen, sollte reduziert werden", sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. Bei kosmetischen Produkten für Säuglinge und Kleinkinder sollte auf den Einsatz von Cumarin aus Vorsorgegründen verzichtet werden. Weitere Analysen kosmetischer Mittel sind erforderlich, denn das vorliegende Datenmaterial liefert noch keinen umfassenden Überblick über deren Cumaringehalte. Die Hersteller sind aufgefordert, die nötigen Daten zur Verfügung zu stellen.

... mehr zu:
»Cumarin »Cumaringehalt »Duftstoff »TDI

Cumarin kann bei besonders empfindlichen Personen die Leber schädigen. Im Tierversuch hat die Substanz in hohen Konzentrationen Krebs ausgelöst. Für Cumarin wurde auf der Basis der Lebertoxizität eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (Tolerable Daily Intake, TDI) von 0,1 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht abgeleitet, die längerfristig nicht überschritten werden sollte.

Cumarin kommt nicht nur in Lebensmitteln vor, sondern wird auch in kosmetischen Mitteln eingesetzt. Als synthetisch hergestellter Duftstoff verleiht Cumarin Parfüms, Duschgelen, Lotionen und Deodorants eine herbe, nach Lavendel oder Moos duftende Note. Während Lebensmitteln nicht mehr als zwei Milligramm Cumarin pro Kilogramm als Aroma zugesetzt werden darf, gelten für Cumarin in kosmetischen Mitteln keine Mengenbegrenzungen. Da Cumarin aber, wie viele andere Duftstoffe auch, bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen kann, muss es in kosmetischen Mitteln ab bestimmten Konzentrationen gekennzeichnet werden. Cumarin gelangt leicht durch die Haut in den menschlichen Körper. Kosmetische Mittel können damit zur Gesamtexposition von Verbrauchern gegenüber Cumarin beitragen.

Bisher lagen kaum Daten darüber vor, in welchem Umfang und in welchen Mengen Cumarin in Kosmetikprodukten enthalten ist. Die Überwachungsbehörden der Bundesländer haben daher stichprobenartig kosmetische Mittel auf ihren Cumaringehalt untersucht. Zu den Produkten zählten vor allem Parfüms, aber zum Beispiel auch Hautgele, Körperlotionen und Hautöle - also Produkte, die nach der Anwendung auf der Haut verbleiben. Legt man die maximal gemessenen Cumaringehalte der untersuchten Parfüms zugrunde ("worst-case"-Abschätzung), kann die Cumarinaufnahme den TDI deutlich überschreiten. Bei Kindern könnte bei regelmäßiger Anwendung von stark cumarinhaltigen Hautgelen, Körperlotionen und Hautölen der TDI bis zu 20 Prozent ausgeschöpft werden.

Bei der Ableitung des TDI wurde vor allem die Cumarin-Aufnahme über Lebensmittel zugrunde gelegt. Ob Cumarin, das über die Haut aufgenommen wird, auf die Leber genauso wirkt wie identische Mengen, die über die Nahrung aufgenommen werden, ist nicht geklärt. Es gibt Überlegungen, wonach dermal aufgenommenes Cumarin weniger lebertoxisch sein könnte als oral aufgenommenes. Bis diese Frage wissenschaftlich abschließend geklärt ist, legt das BfR vorsorglich vergleichbare Wirkungen zugrunde.

Das Institut empfiehlt, die Gesamtexposition gegenüber Cumarin, zu der auch kosmetische Produkte beitragen, zu verringern. Bei Pflegeprodukten für Säuglinge und Kleinkinder sollte ganz auf den Einsatz von Cumarin verzichtet werden. Weitere Analysen kosmetischer Mittel auf ihre Cumaringehalte sind notwendig, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass neben den untersuchten Proben auch kosmetische Mittel mit höheren Cumaringehalten auf dem Markt sind.

Dr. Irene Lukassowitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de

Weitere Berichte zu: Cumarin Cumaringehalt Duftstoff TDI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau