Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Augenhornhauttransplantation: Neuer Test erkennt Antikörper, die zur Abstoßung führen

28.09.2012
Zwei Wissenschaftler der halleschen Universitätsmedizin haben einen Test entwickelt, der Antikörper erkennt, die zur Abstoßung einer transplantierten Augenhornhaut führen können.

Antikörper, die gegen Gewebeverträglichkeitsmerkmale (HLA-Moleküle) eines Spenderorgans gerichtet sind, stellen die Hauptursache für die Abstoßung von transplantierten Organen dar.

Obwohl die Augenvorderkammer als „immunprivilegiertes“ Organ gilt und 80-85 Prozent aller Augenhornhauttransplantationen unter Nicht-Berücksichtigung der Übereinstimmung von HLA-Merkmalen ohne immunologische Abstoßungsprozesse erfolgreich verlaufen, existiert eine Empfänger-Risikogruppe von 15-20 Prozent, bei denen dieses immunologische Privileg durch Verlust der immunologischen Barriere nach Verätzungen, Herpesinfektionen etc. nicht mehr vorliegt.

Sind bei diesen Patienten Spender-spezifische Antikörper gegen HLA-Merkmale der implantierten Cornea (Hornhaut) nachweisbar, so besteht ein stark erhöhtes Risiko, dass dieses Transplantat abgestoßen wird.

Die Mitarbeiter des HLA-Labors am Universitätsklinikum Halle (Saale), Dr. Wolfgang Altermann und PD Dr. Gerald Schlaf, haben in Zusammenarbeit mit der Universitätsaugenklinik, einen immunchemischen Test entwickelt und validiert, der diese Antikörper nachweist. Somit kann eine Spendercornea für die Transplantation ausgewählt werden, gegen deren HLA-Merkmale der potentielle Empfänger keine Antikörper gebildet hat. Die Methode und eine erste Patientenstudie wurden jüngst in der Fachzeitschrift „Journal of Immunological Methods“ publiziert.

45 Empfänger eines Corneatransplantates wurden unter Verwendung des ELISA-basierenden Testsystems auf den Nachweis von Antikörpern untersucht, die gegen HLA-Merkmale des Spenders gerichtet sind (Spender-spezifische Antikörper). Allgemein wird dieser Test, der im HLA-Labor des Universitätsklinikums auf eine völlig neue methodische Basis gestellt wurde, als HLA-Verträglichkeitsprobe bezeichnet und gehört zu den Routinetätigkeiten eines jeden HLA-Labors. Die Krankheitsursachen, die zur Hornhauttransplantation führten, waren dabei vielfältig und für die diagnostischen Untersuchungen der Gewebeverträglichkeit ebenso unwichtig wie das Alter der Patienten, das sich zwischen 13 und 87 Jahren bewegte.

Zur Testvalidierung wurden von den 45 untersuchten Empfängern 19 nach der Transplantation auf Spender-spezifische anti-HLA Antikörper untersucht, die gegen abgestoßene und explantierte Corneatransplantate gebildet worden waren. Das eigentliche Novum der entwickelten Verträglichkeitsprobe, so die Mitarbeiter des HLA-Labors, liegt darin, dass als Spendermaterial nicht wie sonst üblich Blutlymphozyten des Spenders vorhanden sein müssen, sondern der nicht implantierte äußere corneale Ring, die sogenannte Sclera, als Spendermaterial Verwendung findet. Gerade im Fall der Hornhauttransplantationen liegt in der Regel zum Zeitpunkt des chirurgischen Vorganges kein anderes zelluläres (lymphozytäres) Spendermaterial vor, da das zu transplantierende Corneagewebe für eine Transplantation bis zu 30 Tage nach der Entfernung aus dem Spenderkörper unter sterilen Bedingungen aufbewahrt werden kann. Somit kann erstmalig genau das Spendermaterial für die Verträglichkeitsprobe verwendet werden, welches ohnehin zur Verfügung steht.

Die prospektive Patientenstudie unter Einbeziehung des gesamten Empfängerkollektivs von 45 Patienten ergab, dass innerhalb eines Folgezeitraumes von 18 Monaten 75 Prozent der Empfänger mit nachweisbaren Spender-spezifischen anti-HLA Antikörpern unter teilweise irreversiblen immunologischen Komplikationen mit Verlust der Hornhautfunktion litten. Dagegen zeigten 77 Prozent der Empfänger ohne zum Zeitpunkt der Transplantation nachweisbare Antikörper einen immunologisch komplikationslosen Verlauf.

Jens Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften