Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antibiotika-Resistenzen – eine zunehmende Gefahr

14.05.2014

Experten des HZI geben eine Einschätzung der Lage

In einem kürzlich veröffentlichten Bericht warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor der Gefahr zunehmender Antibiotika-Resistenzen. WHO-Vizechef Keiji Fukuda sprach sogar von der Gefahr einer "Post-Antibiotika-Ära", in der eigentlich besiegt geglaubte Infektionskrankheiten wieder tödlich enden könnten.


Chemiker und Mikrobiologen des HZI entlocken unscheinbaren Bodenproben Wirkstoffe.© HZI


Wissenschaftler am HZI arbeiten an Methoden, mit denen man die Antibiotikaresistenzen von Bakterien schneller bestimmen kann. © HZI/BIOCOM AG

Doch was kann man dagegen tun? Wie ernst ist die Lage in Deutschland? Ist es noch möglich, die Situation zu retten? Prof. Gérard Krause, Leiter der Abteilung „Epidemiologie”, und Prof. Mark Brönstrup, Leiter der Abteilung „Chemische Biologie“, am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) sowie Prof. Rolf Müller, Geschäftsführender Direktor des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und Leiter der Abteilung „Mikrobielle Naturstoffe“, äußern sich zur aktuellen Lage und ordnen den Bericht der WHO ein.

Seit der Entdeckung des Penicillins im Jahr 1928 sind Antibiotika zu einem der wichtigsten Instrumente in der Behandlung von Infektionskrankheiten geworden. Sie galten gar als Wunderwaffe, die das Zeitalter der Infektionskrankheiten endgültig beenden würde. Doch diese Zeiten sind vorbei, denn Antibiotika-Resistenzen von Bakterien nehmen weltweit zu.

„In Deutschland ist die Lage nicht so dramatisch wie in vielen anderen Teilen der Welt, aber auch keineswegs entspannt. Die Zahl der nicht oder zumindest nicht mit den üblichen Medikamenten therapierbaren Infektionserkrankungen nimmt gerade durch die multiresistenten Keime zu“, sagt Müller. Diese sind gegen mehrere verschiedene Antibiotika unempfindlich. Das größte Problem sind den HZI-Experten zufolge dabei die Gram-negativen Erreger, wie beispielsweise die im WHO-Bericht untersuchten Escherichia coli und Pseudomonaden, die Harnwegsinfektionen beziehungsweise Lungenentzündungen hervorrufen können. „Es befinden sich erschreckend wenige Substanzen gegen Gram-negative Bakterien in der Entwicklungsphase, weil es schwierig ist, Stoffe zu finden, die die Zellwand dieser Bakterien durchdringen können und nicht gleich wieder ausgeschleust werden“, sagt Brönstrup.

„Es sollte unbedingt mehr getan werden, um einen andernfalls drohenden signifikanten Rückgang des Therapiestandards zu vermeiden“, sagt Müller. Ansatzpunkte für eine Lösung des Problems gibt es jedoch. „Die wirksamste Maßnahme zur Eindämmung des Problems ist, Antibiotikaverordnung und -einnahme zielgerichtet zu betreiben“, sagt Krause. „Es ist wichtig, dass Antibiotika von Ärzten nicht unnötig verschrieben werden, dass immer die für eine Krankheit sinnvollsten Antibiotika verordnet werden und dass Antibiotika von den Patienten so eingenommen werden, wie von den Ärzten angeordnet.“

Ebenso wichtig sind aus seiner Sicht die Präventionsmaßnahmen, mit denen sich Infektionen vermeiden lassen: „Gute Hygiene in Krankenhäusern und in der Lebensmittelproduktion sind dabei genauso entscheidend wie Impfungen.“ Darüber hinaus sind die Forschung und die Suche nach neuen Medikamenten wesentliche und unabdingbare Elemente im Kampf gegen Resistenzen.

„Die Forschung sollte den Erregern immer einen Schritt voraus sein. Es ist keine Frage, ob Resistenzen auftreten, sondern wann. Deshalb sind Grundlagenforschung und die Überführung der Ergebnisse in die medizinische Anwendung in diesem Bereich so wichtig“, sagt Müller. Vor allem auch, weil der mangelnde Nachschub an neuen Antibiotika in den letzten Jahren strukturell bedingt ist. „Zum einen sind nur noch wenige Pharmafirmen auf dem Gebiet tätig und zum anderen ist die Naturstoff-Forschung als ergiebigste Quelle neuer Antibiotika in den letzten Jahren vernachlässigt worden“, so Brönstrup.

Seine Arbeitsgruppe hat es sich zum Ziel gesetzt, neue Wirkstoffe zu entdecken, ihre Funktionsweise zu charakterisieren und ihre Eigenschaften zu optimieren. „Durch Forschung wie diese versucht das HZI, aktiv in den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen einzugreifen“, sagt Brönstrup.

Dabei werden die HZI-Wissenschaftler auch von der Politik unterstützt. Das 2011 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gegründete Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) ermöglicht eine enge Kooperation von Forschungseinrichtungen mit einem Schwerpunkt auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten. Das erleichtert es den Forschern, die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die medizinische Anwendung zu überführen.

Denn in einem Punkt sind sich die Experten weltweit einig. Um die Rückkehr bereits besiegter Krankheiten zu verhindern, muss schnell und an verschiedenen Fronten etwas bewegt werden. Warnungen wie die von der WHO ausgesprochene können dabei nur von Vorteil sein.

Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Informationen:

http://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/ansicht/article/complete/antibioti... - Diese Pressemitteilung auf der Seite des HZI

Rebecca Winkels | Helmholtz-Zentrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen