Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Silber in der Waschmaschine

30.06.2014

Silber-beschichtete und somit antibakterielle Textilien sind bei Sportlern und in der Medizin beliebt. Ein Empa-Team hat nun untersucht, ob und wie sich unterschiedliche Silberbeschichtungen in der Waschmaschine verhalten und dabei Interessantes entdeckt: Textilien mit Nano-Beschichtung verursachen weniger Nanopartikel im Waschwasser als normal beschichtete.

Wo Nano drin ist, kommt nicht primär Nano raus: Für Silber-beschichtete Textilien trifft das jedenfalls zu, erklärt Bernd Nowack von der Empa-Abteilung «Technologie und Gesellschaft». Bei jedem Waschgang wird eine gewisse Menge der Silberbeschichtung aus den Textilien ausgewaschen und landet im Abwasser.


Prozentualer Anteil der Silberbeschichtung, der in einem Waschgang ausgewaschen wurde (blau) und Nanopartikel-Anteil (rot).

Dieses Wasser hat die Empa analysiert; es stellte sich heraus, dass nano-beschichtete Textilien kaum Nanopartikel freisetzen. Ganz im Gegensatz zu herkömmlichen Beschichtungen, aus denen eine Vielzahl verschiedener Silber-Partikel entstanden sind.

Ausserdem verlieren nano-beschichtete Silbertextilien generell weniger Silber beim Waschen. Dies, weil bei einer Nano-Beschichtung deutlich weniger Silber ins Textil eingearbeitet wird und dieses für die antibakterielle Wirkung dosierter freigesetzt wird als bei herkömmlichen Beschichtungen. Eine überraschende Erkenntnis, die die künftige Analyse und den Umgang mit Silber-Textilien verändert.

«Alle Silbertextilien verhalten sich ähnlich – ob nun nano-beschichtet oder herkömmlich», so Nowack. Daher sollten Nano-Textilien nicht strikter als Textilien mit konventionellem Silber reguliert werden, was in der gegenwärtigen Diskussion um eine mögliche spezielle Regulierung von Nano-Silber berücksichtigt werden sollte.

Was aber bedeuten Silberpartikel im Abwasser? Silber wandelt sich bei Kontakt mit Luft und dem darin (in geringen Mengen) enthaltenen Schwefel in Silbersulfid um, der gleiche Prozess findet in der Kläranlage statt. Das schwer lösliche Silbersulfid setzt sich im Klärbecken am Boden ab und wird dann mit dem Klärschlamm verbrannt.

Es bleibt also kaum etwas vom Silber aus dem Waschwasser in der Umwelt zurück. Für den Menschen ist Silber relativ ungiftig und somit ungefährlich. Selbst wenn sich bei hohem Schwitzen Silberpartikel aus dem Textil lösen, werden diese von gesunder Haut nicht aufgenommen.

Welches Waschmittel für welche Beschichtung

Als nächstes will Nowacks Team Silbertextilien mit verschiedenen herkömmlichen Waschmitteln waschen. Es hat sich nämlich gezeigt, dass bestimmte Inhaltsstoffe von Waschmitteln die Form des Silbers verändern können. So kam es beispielsweise vor, dass die Forschenden vor dem Waschen im Textil Silberionen, also gelöstes Silber (eine konventionelle Form von Silber) detektierten, nach dem Waschen allerdings elementares, also metallisches Nano-Silber oder andere Formen wie (schwer lösliches) Silberchlorid. 

Silbertextilien bestehen also letztlich aus einer Vielzahl von Silbermaterialien, die sich laufend verändern und umwandeln. Und das nicht nur beim Waschen, wie Nowack betont. «Selbst beim Herstellungs- und Beschichtungsprozess können äussere Einflüsse bereits Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Silberpartikel im Textil haben, noch bevor der Kunde das Produkt bei sich zu Hause im Schrank hängen hat.»

Weitere Informationen:

http://www.empa.ch/plugin/template/empa/3/148896/---/l=1

Cornelia Zogg | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Der gestapelte Farbsensor
17.11.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht Gefragtes Werkstoff-Knowhow: Fraunhofer LBF baut Elastomer-Forschung aus
16.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte