Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sensoren, die man drucken kann

01.03.2010
Elektronische Geräte, die sich per Fingerzeig mit einer Handbewegung steuern lassen, sollen künftig in jeder Wohnung stehen. Das ist die Vision des Forschungskonsortiums 3Plast. Es entwickelt spezielle Sensoren, die sich auf Folie drucken und auf Gegenständen anbringen lassen.

Das Handy ist ausgeschaltet. Doch ein Fingerzeig genügt, damit das Startmenü erscheint. Eine Berührung des Displays ist nicht erforderlich. Diese »Fernbedienung« ermöglicht ein auf dem Handy angebrachter Polymersensor, der wie die menschliche Haut auf kleinste Temperaturschwankungen und Druckunterschiede reagiert und den Finger bereits erkennt, wenn er sich nähert.


Der Sensor erkennt berührungslos das Wärmesignal, das vom Finger ausgeht. (© Joanneum Research Foschungsgesellschaft mbH)

Das Szenario ist fiktiv, könnte aber in einigen Jahren Realität sein. Dafür setzen sich Forscher des EU-Projekts 3Plast ein, kurz für »Printable pyroelectrical and piezoelectrical large area sensor technology«. Die beteiligten Unternehmen aus Industrie und Forschung haben es sich zum Ziel gesetzt, Druck- und Temperatursensoren herzustellen, die sich kostengünstig in Massenproduktion auf Folie drucken und flexibel auf unterschiedlichen Alltagsgegenständen wie elektronischen Geräten anbringen lassen.

Koordiniert wird das mit 2,2 Millionen Euro geförderte Projekt vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg. »Der Sensor besteht aus pyro- und piezoelektrischen Polymeren, die jetzt in massentauglichen Produktionsverfahren – etwa per Siebdruck – verarbeitet werden können. Der Sensor ist mit einem organischen Transistor kombiniert, welcher das Sensorsignal verstärkt. »Dort wo es am stärksten ist, befindet sich der Finger,« erklärt Gerhard Domann, der Leiter des Projekts. »Das Besondere an unserem Sensor: Der Transistor lässt sich ebenfalls drucken.«

Beim Herstellen der Polymersensoren sind jedoch noch Hürden zu nehmen: Um druckbare Transistoren anzufertigen, müssen die Isolationsmaterialien sehr dünn sein. Hier ist es den Experten vom ISC gelungen, einen Isolator mit einer Schichtdicke von lediglich 100 Nanometer zu fertigen. Die ersten Sensoren konnten die Forscher bereits auf Folie drucken. Derzeit arbeiten sie an optimierten Transistoren, die auch sehr schnelle Temperatur- und Druckänderungen verstärken können.

»Indem gewöhnliche Alltagsgegenstände mit Hilfe der Druck- und Temperatursensoren Informationen über ihre Umgebung erhalten – etwa, ob sich ein Mensch in unmittelbarer Nähe befindet – können wir neuartige Geräte realisieren und neue Märkte erschließen, die sich per Fingerzeig steuern lassen,« freut sich Domann. Der Forscher sieht weitere Einsatzmöglichkeiten für die Technik in der Automobil- und der Baubranche sowie in der Robotertechnologie. »Das Projekt läuft bis Januar 2011, wir gehen aber davon aus, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis die Sensoren großflächig gedruckt werden.«

Gerhard Domann | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/03/sensoren-drucken.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Flammschutzmittel – Verborgene Lebensretter in Kunststoffen
20.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

nachricht Wie man Stickstoff zwingt, sich zu binden
20.07.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie