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Schluss mit „anhänglichen“ Schweissgeruch-Molekülen

13.12.2011
Kleidungsstücke, denen Schweißgeruch hartnäckig anhaftet, stellen für deren Träger, Hersteller und die Waschmittel- und Maschinenindustrie gleichermaßen ein Problem dar. Wissenschaftler der Hohenstein Institute in Bönnigheim haben untersucht, warum sich diese Geruchs-Moleküle in Verbindung mit bestimmten textilen Materialien zum Teil sogar nach dem Waschen als besonders „anhänglich“ erweisen.

Dazu entwickelten die Experten um Prof. Dr. Dirk Höfer zwei Testmethoden, mit denen sich die Schweiß-Moleküle, die in Textilien gebunden sind, quantitativ erfassen lassen. Mit Hilfe dieser Untersuchungen lässt sich bereits bei der Konstruktion von Textilien deren Neigung zur Annahme von Schweißgeruch überprüfen und in der Folge positiv beeinflussen. Neben Sport- und Businesskleidung sieht Prof. Höfer hier insbesondere bei Polstertextilien für öffentliche Verkehrsmittel sowie in der Automobil- und Luftfahrtindustrie noch Optimierungsbedarf.

Aber auch die Hersteller von Waschmitteln und –maschinen können mit Hilfe der Hohenstein Entwicklungen künftig sicherstellen, dass ihre Produkte insbesondere bei neuartigen textilen Materialkombinationen für eine zuverlässige Geruchsreduzierung beim Waschen sorgen.

Dass die Verhinderung von unangenehmem Schweißgeruch in Textilien und dessen Entfernung keine triviale Aufgabe ist, hängt in erster Linie mit dessen komplexer Zusammensetzung aus verschiedensten chemischen Substanzen zusammen.Verantwortlich für den typischen (unangenehmen) Schweißgeruch sind dabei u.a. spezifische Carbonsäuren. Bei ihren Untersuchungen „impfen“ die Hohenstein Wissenschaftler die verschiedenen textilen Materialien mit einer definierten Menge von Carbonsäure, die zuvor radioaktiv markiert wurde. Um eine volle Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu ermöglichen, werden jeweils gleiche textile Konstruktionen (Gestricke,Gewirke usw.) und Flächengewichte (g/m2) zugrunde gelegt – lediglich die zugrundeliegenden Faserarten (Baumwolle, Polyster usw.) unterscheiden sich. Nach einer Einwirkzeit (Inkubation) von 24 Stunden wird die Anzahl der radioaktiv markierten Carbonsäuren ermittelt und verglichen.

In ihrem zweiten Prüfszenario verwenden die Hohenstein Experten eine künstliche Schweißlösung (Schweißgeruchssimulat), die mehrere Leitsubstanzen des Schweißgeruchs in definierten Verhältnissen enthält und damit jederzeit reproduzierbar ist. Die textilen Muster werden mit einer festgelegten Menge des Kunstschweißes versehen und unter gleichbleibenden klimatischen Bedingungen aufbewahrt. Nach Ablauf der Inkubationszeit wird die Geruchsintensität der Textilien von speziell geschulten Testriechern in sogenannten Pannelist-Untersuchungen beurteilt.

Die Kombination von instrumentellen und Pannelist-Untersuchungen sind in dieser Form weltweit einzigartig. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Forscher verschiedener Fachgebiete stellen die Experten der Hohenstein Institute zudem sicher,dass nicht nur den Gründen für die Bindung von Schweiß in Textilien auf die Spur gegangen wird, sondern in Zusammenarbeit mit der Industrie auch Lösungswege für deren Eliminierung entwickelt werden können.

Warum Textilien unterschiedlich stark nach Schweiß riechen?
Wie stark ein Textil nach Schweiß riecht, hängt zum einen davon ab, wie viele Schweißgeruchsmoleküle das Textil aufnimmt und zum anderen wie viele dieser Moleküle im Zeitverlauf wieder freigegeben werden und damit als (unangenehmer) Geruch wahrnehmbar sind. Die quantitative Erfassung der Geruchsmoleküle durch die Hohenstein Wissenschaftler haben bestätigt, dass Baumwolle die Schweißmolekühle stärker und länger an sich bindet als z. B. Polyester. Von diesem können sich die Moleküle, die für den Geruch verantwortlich sind offenbar leichter lösen. Dieses Ergebnis wurde auch bei der Beurteilung durch Testriecher mit Hilfe von Kunstschweiß bestätigt. Die Geruchsprüfer bestätigten einen geringeren Geruch der T-Shirts aus Baumwolle im Vergleich zu Polyester.

Rose-Marie Riedl | idw
Weitere Informationen:
http://www.hohenstein.de

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