Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Laserscanner der Universität Rostock entschlüsselt Geheimnis einer Kanone aus dem 16. Jahrhundert

08.06.2011
Der Historiker und Schiffsarchäologe Maik Springmann beschäftigt sich seit Jahren mit maritimer Archäologie.

Derzeit untersucht der Doktorand am Lehrstuhl für Hansegeschichte der Universität Greifswald drei Teile eines bronzenen Kanonenrohres, das Marinetaucher bereits 1985 in der Nähe von Mukran aus zweieinhalb Meter Tiefe aus der Ostsee bargen und das im Rostocker Schifffahrtsmuseum zu besichtigen ist.

Die durch Sandstrahlung freigelegten Initialen des Geschosses deuten darauf, dass es 1551 für den dänischen König Christian den III. gegossen wurde. „Auf der Welt gibt es nur noch etwa 20 solcher Geschütze, die durch Unterwasserfunde ans Tageslicht kamen“, sagt Springmann. Er will über den „Kunstgriff einer materialtechnischen Analyse“ eine Aussage über den damaligen Bau der Waffen treffen. Hier kommen die Spezialisten für Werkstoff- und Materialkunde an der Universität Rostock mit ihrer Spezialtechnik zum Einsatz und liefern einzigartige Ergebnisse, für die sich bereits Experten aus Venedig und Texas interessieren.

Als Spezialisten konnte Springmann für seine anspruchsvollen technischen Untersuchungen Mitarbeiter des Lehrstuhls für Werkzeugtechnik und Archäometrie der Universität Rostock gewinnen. Die entscheidende Bedingung: Die Kanonenrohre durften durch die Untersuchungen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. „Wir haben deshalb innerhalb und außerhalb der Universität Partner gefunden, die ebenfalls helfen konnten“, sagt Dr. Karl-Heinz Kutz, Experte für Werkstoffkunde an der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik der Universität Rostock. Prof. Dr. Christoph Wanner vom Lehrstuhl für Fertigungstechnik der Universität und sein Team haben die Kanone zur dreidimensionalen Darstellung von innen und außen scannen lassen. So wurden die Kaliber und Schussbahnen reproduziert. „Diese Untersuchung wurde nur möglich, weil die Uni Rostock seit kurzem über ein hochmodernes Laserscangerät verfügt“, erklärt Kutz.

Hilfe für die anspruchsvollen analytischen Untersuchungen kam ebenfalls aus der Wirtschaft. An der materialtechnischen Untersuchung beteiligte sich auch die Firma Jade Entsorgung Rostock. Mit Endoskopie und Videotechnik aus der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt ist das Rohr der Kanone sowie sein Innenleben gefilmt worden. „Wir haben Ausformungen entdeckt, die so bislang noch nirgendwo auf der Welt gefunden wurden“, ist Springmann stolz. „Fest steht jetzt auch, dass Kammergeschütze in ihrer Bedienung sehr gefährlich waren und auch explodierten. Damit es dazu möglichst nicht kam, haben die Besatzungen versucht, Unheil mit einem ledernen Dichtring zu verhindern. Überreste eines solchen Ringes wurden durch Prof. Dr. Peter Leinweber vom Institut für Landnutzung der Universität Rostock untersucht. Fest steht: „Diese Waffe macht den technischen Wandel von der Erfahrung im Waffenbau hin zur Wissenschaft im 16. Jahrhundert sehr deutlich“, sagt Springmann.

Im 16. Jahrhundert wurden Segler rein für Kriegszwecke gebaut. Deshalb mussten die Waffen so gefertigt werden, dass „ein Kampf auf Distanz“ möglich war, wie es Kanonen vermögen.

Kontakt:
Universität Rostock
Presse+Kommunikation
Dr. Ulrich Vetter
fon: +49 (0)381 498 1013
mail: ulrich.vetter@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Kanone Kanonenrohre Laserscanner materialtechnische Analyse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Bioabbaubare Polymer-Beschichtung für Implantate
06.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Studie InLight: Einblicke in chemische Prozesse mit Licht
22.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften