Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Impulse aus Forschung und Entwicklung für die Textilindustrie

14.09.2009
Bereits zum vierten Mal veranstaltete die Netzwerkorganisation "SwissTexnet" zusammen mit dem Textilverband Schweiz den Innovation Day an der Empa-Akademie, ein Impulsseminar für die Textilindustrie.

190 Teilnehmende aus Wirtschaft, Forschung und Weiterbildung erhielten am 1. September zum spannenden Thema "Adaptive Systeme - anpassungsfähig in die Zukunft" neue Einblicke.

Trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise konnte Manfred Bickel, Leiter der Geschäftsstelle St. Gallen des Textilverbandes Schweiz TVS, mehr Teilnehmende als in den Jahren zuvor begrüssen. Er rief die Unternehmen auf, antizyklisch zu handeln und gerade jetzt, in schwierigen Zeiten, innovative Ideen zusammen mit Partnern anzupacken und umzusetzen. Eine Chance, so Bickel, biete dazu das Konjunkturstabilisierungspaket der Förderagentur für Innovation KTI.

Entwicklung smarter Materialien - auch für die Textilindustrie

Edoardo Mazza, Professor an der ETH Zürich und Leiter der Empa-Abteilung "Mechanics for Modelling and Simulation" stellte das Empa-Forschungsprogramm "Adaptive Werkstoffsysteme" vor. Solche Systeme verbinden passive Materialeigenschaften wie Festigkeit oder Steifigkeit mit aktiven Funktionen. Zur Illustration diente ein Film, in dem sich ein an der Empa entwickeltes Luftschiff durch die Lüfte bewegt, angetrieben durch elektrische Akuatoren erzeugte fischähnliche Bewegungen.

Spektakuläre Bilder aus der Tier- und Pflanzenwelt benutzte der Empa-Textiltechniker Marcel Halbeisen zur Veranschaulichung, was sich alles von der Natur "abholen" lässt. Die Bionik sollte aber nicht einzelne Tiere oder Pflanzen betrachten, sondern deren Lebensraum einbeziehen, um erklären zu können, warum die Evolution eine spezielle Eigenschaft in einer bestimmten Umgebung hervorgebracht hat. Halbeisen plädiert daher für eine ganzheitliche Sichtweise, um Vorgänge und Strukturen in der Natur besser zu verstehen.

"Gibt es Materialien mit Intelligenz und - wenn ja - wie viele Intelligenzstufen gibt es?" fragte die Empa-Forscherin Ana-Maria Popa. Sie teilt die Intelligenzquotienten der Materialien in drei Stufen ein. In der ersten Stufe geht es um funktionalisierte Materialien: Mit Hilfe von Beschichtungen lassen sich die mechanischen Eigenschaften verändern oder die Benetzbarkeit anpassen. In Stufe 2 reagieren die Materialien auf externe Stimuli, etwa auf Licht, Feuchtigkeit, Druck und ändern dementsprechend ihre Eigenschaften. Komplexe Systeme, die funktionelle und reagierende Eigenschaften zusammenbringen, ordnet Popa der Stufe 3 zu. Diese Materialien sind imstande, bestimmte Aufgaben selbstständig zu erfüllen, wenn sie dazu angeregt werden.

Konkrete Beispiele von Materialien, die sich im Grad der Integration und Intelligenz unterscheiden, konnte Tünde Kirstein von der Schweizerischen Textilfachschule (STF) zeigen. Die STF hat sich auf interdisziplinäre Systementwicklungen spezialisiert und bietet Firmen Unterstützung und sogar massgeschneiderte Lösungen.

Früher Science Fiction - heute Realität

Textile Produkte mit der Umwelt kommunizieren lassen, war ein weiteres Thema am Innovation Day 2009. Etwa eine Handtasche, die durch Farbwechsel anzeigt, ob darin gerade das Telefon klingelt oder eine SMS eingegangen ist. Oder der Joggingdress, der durch Farbpunkte verrät, welche Leistung die Sportlerin oder der Sportler momentan erbringt.

Keine Zukunftsmusik, sondern eine konkrete Neuentwicklung sind schwarze Stoffe, die Wärmestrahlen nicht mehr absorbieren sondern reflektieren. Somit heizen sich die Stoffe weniger auf und schützen vermehrt vor Überhitzung. Der gleiche Effekt lässt sich auch bei weissen, lichtdurchlässigen Stoffen erreichen, zudem wird die Haut vor Sonnenbrand geschützt. Die Stoffe wurden von der Schöller Technologies AG, einem KMU, gemeinsam mit dem Grosskonzern Clariant AG entwickelt. Das Beispiel zeigte eindrücklich, wie KMU und Grosskonzerne durch gemeinsame Innovationen profitieren können.

Neue Materialien bedingen neue Methoden, zum Beispiel in der Verarbeitung. Unter dem Titel "Fashion meets Sports - Functional Prototyping" illustrierten mehrere Partner aus Industrie, Schule und Forschung, wie sich Schnitt und Verarbeitung anpassen müssen. So werden Textilien heute beispielsweise vermehrt geschweisst anstatt genäht, um die Funktionalität des Materials zu erhalten. Ganzkörperscanner, die die exakten Körpermasse einer Person liefern, ermöglichen die Individualisierung der Bekleidung, was einem Megatrend der Branche entspricht.

Spinnenseide - Geheimnis gelöst?

In der Natur gibt es viele Materialien, die durch ihre in Jahrmillionen optimierten Eigenschaften synthetische Produkte bei Weitem übertreffen. Seit Jahren wird beispielsweise auf der ganzen Welt an der Herstellung künstlicher Spinnenseide geforscht. Thomas Scheibel von der Universität Bayreuth und sein Team scheinen das Geheimnis der Spinnenseide nun gelöst zu haben; es gelang ihnen, Spinnenseide biotechnologisch herzustellen. Zurzeit arbeiten sie daran, das Verfahren in industrietaugliche Massstäbe umzusetzen. Anwendungsgebiete sind etwa in der Medizin und auch in der Industrie auszumachen.

Weitere Informationen
Marcel Halbeisen, Empa, Abt. Advanced Fibers, +41 71 274 78 67, marcel.halbeisen@empa.ch
Textilverband Schweiz TVS, Helen Schiess, Waldmannstrasse 6, CH-9014 St. Gallen
Tel.: +41 71 274 90 90,: helen.schiess@tvs.ch

Sabine Voser | idw
Weitere Informationen:
http://www.empa.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Perowskit-Solarzellen: Es muss gar nicht perfekt sein
15.01.2018 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

nachricht Fraunhofer IMWS testet umweltfreundliche Mikroplastik-Alternativen in Kosmetikartikeln
11.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Projekt "HorseVetMed": Forscher entwickeln innovatives Sensorsystem zur Tierdiagnostik

17.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt

17.01.2018 | Physik Astronomie

Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

17.01.2018 | Physik Astronomie