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Glas beruhigt die Haut und spendet Kalzium

06.03.2009
Bioaktives Glaspuder überzeugt in der Kosmetikindustrie

Der Traum von immerwährender Schönheit, Jugend und Gesundheit ist nicht neu. Im Gegenteil. Schon Lucas Cranach der Ältere hat Mitte des 16. Jahrhunderts diesen im Menschen tief verwurzelten Wunsch in seinem Gemälde „Der Jungbrunnen“ zum Ausdruck gebracht. Neu hingegen sind zahlreiche Rohstoffe und deren Weiterentwicklung für die Kosmetikindustrie, um dem Jungbrunnen einen Schritt näher zu kommen.


Quelle: SCHOTT

Für die Forschung setzt die Kosmetikindustrie jedes Jahr mehrere Milliarden Euro ein und Wissenschaftler rund um den Globus testen Pflanzen und ihre Wirkstoffe auf positive Eigenschaften für Körper und Haut. Oft genannt werden hierbei beruhigende Wirkstoffe wie Aloe Vera oder Kamille. Umso erstaunlicher ist die Erkenntnis, dass auch Glas eine positive, beruhigende Wirkung auf die menschliche Haut hat.

Verständlich, dass es sich dabei nicht um grobes Glas sondern um feinste Glaspartikel handelt. Pudrig gemahlenes Glas, bestehend aus Körnern, die 25mal so fein wie ein menschliches Haar sind, fühlen sich auf der Haut sanft und weich wie Babypuder an. Angenehm und wohltuend. Und dieser erste Eindruck täuscht nicht, wie Untersuchungen bestätigt haben: Bioaktives Glas hat auf die menschliche Haut eine positive Wirkung. Eine entscheidende Ursache für die hautverträgliche Wirkung liegt nach Ansicht von Wissenschaftlern darin, dass bioaktives Glas lediglich aus den vier Elementen Silizium, Kalzium, Natrium und Phosphor besteht. Es sind Grundstoffe, die ohnehin im menschlichen Körper in zahlreichen Verbindungen auftreten – keine Fremdstoffe also. Darüber hinaus – und das ist die eigentliche Besonderheit – haben die gläsernen Minikörner eine antimikrobielle und hautberuhigende Wirkung.

Glas als Kalziumlieferant

Genau diese Tatsache macht das weiße Puder, das der Mainzer Technologie Konzern Schott unter dem Namen Vitryxx vertreibt, für die Kosmetikindustrie so interessant. Erste Produkte sind bereits auf den Markt erhältlich, z.B. verschiedene Farbkosmetika wie Make-Up. In Nagelkosmetik wird die Wirkung von Glas ebenfalls genutzt, zum Beispiel in Produkten, die Nägel mit Kalzium anreichern, so führte die US-amerikanische Kosmetikmarke Sally Hansen im Herbst 2008 die neue Nagellackserie „Xtreme Wear“ ein und lobt das Produkt mit der Beschreibung „Bioactive Glass bonds to nail proteins to give a hard manicure that lasts up to 7 days!“ aus (siehe unter der folgenden Adresse: http://www.sallyhansen.com/product.cfm?product=75) Überzeugend wirkt Glas auch als Grundstoff in Deodorants. Es tötet die Geruch erzeugenden Bakterien und greift gegenüber den üblich eingesetzten Deodorant-Aktivstoffen nicht auf chemischem Weg in den Stoffwechsel der Bakterien ein. Die Wirkung des bioaktiven Glaspuders wird auf den pH-Mechanismus sowie osmotischen Druck zurückgeführt.

Neben Glas überraschen noch andere Rohstoffe wie beispielsweise Keramik durch ihre ungewöhnliche Verwendung in der Kosmetikindustrie. So wurde der keramische Rohstoff Bornitrid für vielfältige kosmetische Anwendungen weiterentwickelt. Durch die fein abstimmbaren Wechselwirkungen anorganischer Füllstoffe mit Lipiden tragen diese unter anderem zur besseren Verteilbarkeit, Faltenausfüllung, Trockenzeit und Deckkraft von Farbkosmetika und Cremes bei. Mit dem von ESK Ceramics GmbH & Co. KG entwickelten hochreinen Bornitrid für die Hautpflege lässt sich auch belegbar eine optische Faltenreduzierung erzielen. Darüber hinaus ist eine hautglättende Wirkung apparativ nachgewiesen. Das hexagonale Bornitrid ist ein Beispiel für einen synthetischen Füllstoff, der sehr gut abdeckt, die Haut aufhellt und leicht verteilbar ist.

Auch die Medizin setzt auf Glas

Mediziner wissen schon seit längerem um die positiven Eigenschaften anorganischer Stoffe. So setzten sie Glas bereits seit über zehn Jahren in pulverisierter Form zur Verbesserung der Knochen- und Wundheilung ein. Anders als die meisten anderen Implantatmaterialien wie Titan und Kunststoff scheint der menschliche Körper bioaktives Glas nicht als fremd zu empfinden. Es verbindet sich problemlos sowohl mit Knochenmaterial wie auch mit weichem Gewebe im Organismus.

Wenn Glaspulver im medizinischen Bereich eingesetzt wird, gelten bei der Produktion strenge Regeln. Bioaktives Glas beruht auf einer speziellen Mischung der vier Grundelemente, die ohne Verunreinigungen zusammengefügt werden müssen. Silizium, Kalzium, Natrium und Phosphor lassen sich in rund zweitausend verschiedenen Mengenverhältnissen zu unterschiedlichen Glasformen kombinieren, doch nur wenige Varianten weisen die erwünschten positiven Eigenschaften auf, erklärt Susanne Kessler, Technische Vertriebsleitung für bioaktives Glas bei Schott. „Das große Geheimnis ist das Gleichgewicht der Ausgangsmaterialien“. In einem als „hochrein“ bezeichneten Produktionsverfahren wird zunächst das Glas in der richtigen Kombination der Elemente in einem Schmelzofen gefertigt. Die unregelmäßig geformten Stücke, die nach dem Erkalten der Glasschmelze entstehen, sind so groß wie Postkarten und so dünn wie Papier. Diese Teile werden im letzten Produktionsschritt zu dem mikroskopisch feinen Puder zermahlen.

Gina Hardebeck | Storymaker
Weitere Informationen:
http://www.schott.com

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