Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hightech-Maßanzug für die Wurst

07.05.2002


Im Labor läuft der aus Celluloselösung geblasene Schlauch über eine Rolle und taucht in das Fällbad. Mit den hier gewonnenen Erfahrungen produziert eine Pilotanlage auch Wursthüllen mit maßgeschneiderten Eigenschaften
© Fraunhofer IAP


Wurst ist beliebt: Rund siebzig Gramm der Fleischrollen verleibt sich der Durchschnittsdeutsche täglich ein. Fleisch behält seine Form selbst - die gehackte Wurstmasse hingegen muss in Natur- oder Kunstdärme gestopft werden. Viele dieser synthetischen Umhüllungen bestehen aus regenerierter Cellulose, einem naturidentischen Kunststoff, der als Cellophanfolie oder faserförmig als Kunstseide und Viskose bekannt ist.

Ausgangsmaterial ist Cellulose, der Hauptbestandteil von Holz. Da sich diese watteartige Zellwolle nicht einfach schmelzen und als Folie vergießen lässt, schlägt das alte Viskoseverfahren einen Umweg ein: Die Cellulose wird chemisch umgewandelt, in eine viskose Lösung überführt und in einem Fällbad regeneriert - also in der neuen Form wieder fest. Beim neueren Lyocell-Verfahren entfällt dieser Umweg und die Anzahl der Verfahrensschritte ist geringer. Es ist umweltfreundlicher, denn das Lösemittel wird nahezu vollständig zurückgewonnen. Wasser und der Stoff N-Methylmorpholin-N-oxid lösen die Cellulose direkt und setzen sie im Fällbad wieder frei. Nicht nur faserförmig: Mit einer neuen und patentierten Verfahrensvariante des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP lassen sich nun auch Folien und Schläuche kostengünstig herstellen.

Projektleiter Dr. Peter Weigel erläutert den Ablauf: »Die Celluloselösung tritt kontinuierlich aus einer Ringdüse aus. Der Clou unserer Variante ist, dass der Schlauch aus zähflüssiger Celluloselösung nicht sofort in das Fällbad eintritt, sondern einen Luftspalt durchläuft. In dieser kurzen Zeit stellen wir über den inneren Luftdruck die Eigenschaften des Schlauches ein. Wesentlich sind die Quer- und Längs-festigkeit.« Später, wenn die Würste gebrüht, gekocht oder geräuchert werden, treten weitere Eigenschaften der Hüllen in den Vordergrund, wie Bereichsleiter Dr. Hans-Peter Fink weiß: »Mit der Porosität der Wursthülle legen wir fest, wie schnell Geschmacksstoffe hindurchtreten können. Und von der Struktur der inneren Oberfläche hängt es ab, wie stark der Inhalt an der Hülle haftet.«

Vor drei Jahren begann die Kooperation mit dem belgischen Unternehmen Teepak NV, Marktführer für Wursthüllen aus Cellulose. Nach Untersuchungen im Labor wurde eine halbindustrielle Pilotanlage aufgebaut, die Ende vergangenen Jahres in Betrieb ging. Nicht nur Wursthüllen - auch Verpackungsfolien und Membranen mit maßgeschneiderten Eigenschaften lassen sich darauf herstellen.

Dr. Peter Weigel | Mediendienst

Weitere Berichte zu: Cellulose Folie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen
15.06.2018 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

nachricht Turbolader für den Lithium-Akku
08.06.2018 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics