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50 Jahre Forschungskuratorium Textil

12.12.2001


Das Forschungskuratorium Textil, Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke", feiert heute sein 50-jähriges Bestehen. Dem Kuratorium ist mit rund 1.000 Unternehmen die gesamte deutsche Textilbranche verbunden; es kooperiert zudem eng mit dem Textilmaschinenbau, der Chemiefaserindustrie und der Textilreinigung.

Das Forschungskuratorium Textil bündelt den kompletten Forschungsbedarf dieses mittelständisch geprägten Industriezweiges. In seinem dichten Netz von mittlerweile knapp 20 Forschungs- und Kompetenzzentren bundesweit entstehen seit einem halben Jahrhundert die Grundlagen für Produktinnovationen in neuen textilen Einsatzbereichen. Damit konnten die kleinen und mittleren Unternehmen der Branche zukunftsorientierte Produktionsschwerpunkte schaffen, etwa mit technischen Textilien, die heute rund 40 Prozent der Gesamtproduktion umfassen. Durch die Arbeit des Forschungskuratoriums haben textile Anwendungen in so unterschiedliche Sektoren wie Bau, Energie, Gesundheitswesen, Umweltschutz und Verkehrswesen erfolgreich Eingang gefunden. Damit hat das Kuratorium den Strukturwandel in der Textilbranche von traditionellen Techniken und Materialien hin zu einer innovativen Hightech-Industrie ermöglicht.

AiF-Präsident Hans Wohlfart, selbst ehemaliger Vorsitzender des Forschungskuratoriums Textil, würdigt "die maßgebliche Rolle, die der mittelständisch geprägten Textilindustrie im Innovationsnetzwerk der AiF zukommt," mit dem Hinweis auf die "bahnbrechende Pionierarbeit" des Forschungskuratoriums. Mit rund 34 Mio. DM pro Jahr investiert es beträchtliche Eigenleistungen der Unternehmen für die industrielle Gemeinschaftsforschung zu Gunsten kleiner und mittlerer Firmen. Zusätzlich entfielen von den rund 170 Mio. DM, die das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Jahr 2000 insgesamt über die AiF für Vorhaben der industriellen Gemeinschaftsforschung eingesetzt hat, 25 Mio. DM auf Projekte des Kuratoriums. Allein im Jahr 2000 waren über 160 Vorhaben der Gemeinschaftsforschung im Bereich Textil in Arbeit, deren Ergebnisse als Gemeingut der gesamten Branche zur Verfügung stehen.

Gegenwärtig eröffnen intelligente Textilien der Branche völlig neue Perspektiven. Angesichts immer mehr chronisch Kranker bergen sie gerade im Gesundheitssektor ein riesiges Marktpotenzial. Kontrollierende Telemedizin, wie sie der Einbau elektronischer Geräte in "Smart Clothes" ermöglicht, ist eine Variante: Die Kleidung wird Medium, Träger und Schnittstelle zugleich für die unterschiedlichsten Mikrosystemanwendungen und erlaubt es, stationäre Aufgaben aus der Klinik in den häuslichen Bereich zu verlagern. Aber auch die Stoffe selbst werden immer "schlauer". Transfer-Textilien, die Wirkstoffe aufnehmen und abgeben können, versprechen Linderung bei chronischen Hautkrankheiten, an denen hierzulande mindestens zehn Millionen Menschen leiden. Winzige Wirtsmoleküle, die dauerhaft in Textilien verankert werden, können Düfte und Schweiß, aber auch Medikamente binden und kontrolliert freisetzen.

Pigmente in der Kleidung, die UV-Strahlung absorbieren, veredelte Fäden zur Abschirmung von Elektrosmog und Wundauflagen mit keramischen Beschichtungen, die die Feuchtigkeit im Wundmilieu aktiv steuern - die Anwendungsmöglichkeiten des Werkstoffs Textil in der Medizin sind durch seine Material- und Verarbeitungsvielfalt fast unbegrenzt. Kürzere Behandlungszeiten durch schnellere Heilungserfolge und weniger Arzneimittel durch ihre effizientere Anwendung sind die unmittelbaren Vorteile für den Patienten. Textilien in der Medizin nützen aber auch der Umwelt und der Volkswirtschaft. Innovative Mehrwegprodukte, wie sie bei OP-Kleidung und Inkontinenzhilfen gegenwärtig intensiv erforscht werden, können die Umwelt nachhaltig entlasten und sorgen zugleich für neue Dienstleistungen und Arbeitsplätze.

Silvia Behr | idw
Weitere Informationen:
http://www.aif.de/

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