Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Sauer" finden Zähne nicht lustig, neue Softdrinks bieten Ausweg

03.01.2005


Materialwissenschaftler der Universität Jena analysieren Zahnerosionen und testen mineralhaltige Getränke. Ergebnisse im "Journal of Oral Rehabilitation" publiziert.



Die stark ausgeprägte Vorliebe von Kindern für säurehaltige Getränke wie Zitrusbrausen, Cola oder Orangensaft kann ihren Zähnen zum Verhängnis werden. Denn der Zahnschmelz hat bei regelmäßigem starkem Konsum angesichts der Säure nichts zu lachen. Die Struktur des Zahnschmelzes wird so geschwächt, dass er weich wird und schließlich kleine Teile dieser natürlichen Schutzschicht herausbrechen. Materialwissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Bristol untersuchen seit längerem diese durch Säure ausgelösten so genannten Zahnschmelzerosionen. Aufgrund ihrer Erkenntnisse machen sie jetzt einen Vorschlag, wie Softdrinks durch den Zusatz natürlicher Mineralien zahnfreundlicher werden können. Ihren Ansatz untermauern die Wissenschaftler mit einer Studie, deren Ergebnis jetzt in der Januar-Ausgabe des britischen "Journal of Oral Rehabilitation" (Vol. 31/2005) nachzulesen ist.



"Wir haben Testgetränke eingesetzt, die Calcium und Phosphat enthalten, also Stoffe, die auch im natürlichen Zahnschmelz vorkommen", erklärt Prof. Klaus Jandt von der Universität Jena. Das Team des Lehrstuhlinhabers für Materialwissenschaft hatte in mehreren Vorgänger-Studien überprüft, ob sich die Zähne evtl. nach dem "Säureschock" wieder erholen. Mit ihrer sehr sensiblen Messmethode, der so genannten Nanoindentation, fanden sie heraus, dass solch ein Selbstreparaturmechanismus nicht einsetzt. "Eine natürliche Remineralisation des Zahnschmelzes findet nicht statt. Dieses ernüchternde Ergebnis hat uns nicht ruhen lassen", sagt Jandt. "Wir wollten einen materialwissenschaftlichen Ansatz für einen Soft-Drink finden, bei dem keine Schmelz-Erosionen zu befürchten sind", nennt er das Ziel.

In ihrer neuen Studie setzten die Materialwissenschaftler 120 verschiedene Zahnproben drei unterschiedlichen "Mustergetränken" aus: Einem Mineralwasser, bei dem aufgrund fehlender Säure keine Zahnerosion zu erwarten war, sowie ein zitronensäurehaltiges Getränk mit einem für viele bekannte Soft-Drinks typischen pH-Wert. Das dritte Getränk hatte auch den gleichen Säuregehalt und pH-Wert wie das zweite, enthielt aber zusätzlich geringe Mengen an Calcium und Phosphat. Die Zahnschmelzproben wurden für festgelegte Zeitabschnitte (1/2 bis 10 Minuten) den Getränken ausgesetzt. Anschließend wurde die Härte der Zahnschmelzproben mit dem erwähnten Nanoindenter untersucht, einer Diamantspitze mit einem Durchmesser von einem zehnmillionstel Meter. Unter der Leitung des Materialwissenschaftlers von der Universität Jena war die Methode im vergangenen Jahr erstmals zum frühen Nachweis der in-situ Zahnschmelz-Erosion eingesetzt worden.

Beim Wasser zeigte der Zahnschmelz erwartungsgemäß keinerlei Veränderung. Die säurehaltigen Getränke erweichten zwar beide den Zahnschmelz; bei dem Calcium und Phosphat enthaltenden Getränk dauerte dies aber etwa doppelt so lange, wie bei dem Getränk, das nur die Zitronensäure enthielt. "Anders ausgedrückt, das mineralienhaltige Getränk ist wesentlich weniger erosiv als viele herkömmliche Soft-Drinks", bringt Jandt das Ergebnis auf den Punkt. "Wenn schon auf Säuren in Getränken nicht vollständig verzichtet werden kann, da diese den Getränken ihren typischen erfrischenden Charakter verleihen, so wäre dies ein neuer Ansatz, der Zahnerosion gegenzusteuern", so der Jenaer Wissenschaftler. Er hofft, dass das erkannte Prinzip von der Getränkeindustrie aufgegriffen wird.

Hintergrundinformationen:

Die Ergebnisse der Studien zu den Mineralisierungszyklen von Zähnen finden sich in "Surface Science" (2004) Vol. 553, Iss. 1-3, S. 105-114 und im "Journal of Colloid and Interface Science" (2004) Vol. 280, Iss. 2, S. 442-448.

Kontakt:

Prof. Dr. Klaus Dieter Jandt
Institut für Materialwissenschaft und Werkstofftechnologie
der Universität Jena
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 947731
E-Mail: k.jandt@uni-jena.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.blackwell-synergy.com/links/doi/10.1111/j.1365-2842.2004.01365.x/abs/
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Calcium Phosphat Soft-Drink Softdrink Säure Vol Zahnerosion Zahnschmelz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen
23.04.2018 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

nachricht Ein Wimpernschlag vom Isolator zum Metall
17.04.2018 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics