Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Textilien - virtuell veredelt

26.04.2001


Forschungsprojekt "Virtuelle Textilveredlung" an der FH Niederrhein gestartet

Ob rauh oder kuschelweich -
Computer simuliert Stoffoberflächen

Förderung durch das Land NRW

Eine edles Kleidungsstück wird durch Veredlung noch besser - durch chemische Behandlung wird es etwa knitterfrei oder wasserabweisend gemacht. Allerdings können sich dabei auch unangenehme Effekte einstellen, wenn zum Beispiel der vorher schöne glatte Stoff anschließend faserig erscheint. Umgekehrt werden solche Verfahren eingesetzt, um die Optik der Gewebeoberfläche aus Gestaltungsgründen bewusst zu verändern. Beides will eine Forschergruppe der Fachhochschule Niederrhein mit dem Projekt "Virtuelle Textilveredlung" in den Griff bekommen: sie erarbeiten Methoden, mit denen die Auswirkungen von Veredlungsprozessen auf das optische Erscheinungsbild von Geweben simuliert werden. Im Mittelpunkt steht dabei die digitale Bildverarbeitung.

Ein Informatiker (Prof. Dr. Klaus Hardt), ein Textilgestalter (Prof. Joachim Mittmann) , ein Veredlungstechniker (Prof. Dr. Hans-Karl Rouette) und ein Mathematiker (Prof. Dr. Rudolf Voller) haben sich im Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik zu dem Forschungsteam zusammengefunden. Ihre Entwicklungsarbeit wird seit Anfang dieses Jahres vom NRW-Wissenschaftsministerium finanziell gefördert - mit insgesamt 360.000 Mark. Die Zusage ging am gestrigen 25. April ein. Das Ziel ist eine schnelle, realistische und vor allem kostensparende Beschreibung und Vorhersage der Veredlung auf die Vorgänge auf textilen Oberflächen. Dabei werden erstmals Methoden der digitalen Bildverarbeitung eingesetzt, hebt Prof. Dr. Klaus Hardt, der Sprecher der Forschergruppe, hervor. Mittels digitaler Bilddaten sollen alle relevanten Prozesse simuliert werden.

Für die Textil- und Bekleidungsindustrie versprechen die Forschungsergebnisse erheblichen Nutzen: So können Stoffe in dreidimensionalen computergestützten Gestaltungssystemen künftig auch hinsichtlich der Gewebeoptik simuliert werden - eine drastische Kostenreduktion bei der Musterung. Durch die bisher nicht abschätzbaren Auswirkungen der Veredlung auf ein Rohgewebe wird nicht nur unnötig viel Material verschwendet, sondern auch das Abwasser unnötig belastet. Bei Simulation brauchen dagegen keine Produktionsmittel eingesetzt werden, was auch die Umwelt freut.

"Die Entwicklung und Veredlung eines Gewebes findet häufig in weit voneinander entfernten Unternehmen statt", so Prof. Hardt. Durch die über das Internet ausgetauschten digitalen Bilder können sich die Beteiligten künftig intensiver und schneller abstimmen. Durch exakte Voraussagen der Oberflächenveränderungen wäre auch eine permanente optische Kontrolle des fertigen Produkts möglich, quasi eine Online-Qualitätskontrolle. Prof. Hardts Vision: eine vollständig geknüpfte virtuelle textile Kette, in der jeder Produktionsschritt simuliert werden kann. Nur das fertige Kleidungsstück ist letztlich noch "echt". Mit dem Mönchengladbacher Forschungsprojekt wird der letzte "weiße Fleck" auf der Forschungslandkarte der textilen Simulation gelöscht. Die jetzt angelaufenen Forschungsarbeiten sind weltweit einmalig und haben auf der gerade beendeten Fachmesse "TechTextil" in Frankfurt bereits lebhaftes Interesse geweckt.

Von den Forschungsergebnissen profitieren kann später aber auch der Kunde beim Einzelhändler, wenn er die Oberfläche des ausgesuchten Kleidungsstücks nach eigenem Geschmack wählt: ob rauh, glatt oder filzig - die anschaulichen Muster lassen sich virtuell erzeugen.

Kontakt: Prof. Dr. Klaus Hardt, Tel. 02161-186-741, E-Mail: Klaus.Hardt@fh-niederrhein.de
Pressereferat der FH Niederrhein. Tel. 02151-822-505, E-Mail: rudolf.haupt@fh-niederrhein.de

M.A. Rudolf Haupt | idw

Weitere Berichte zu: Kleidungsstück Simulation Textil Veredlung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum
07.12.2016 | Technische Universität Graz

nachricht Bioabbaubare Polymer-Beschichtung für Implantate
06.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie