Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Ein Werkstoff mit Zukunftsperspektiven in der Automobil-Industrie

20.08.2002

Anzeige


BTU-Professor Wagner erhält einen von zwei "Honda German Grants"

Für den japanischen Großtechnologiekonzern Honda ist Prof. Dr. Lothar Wagner ein Hoffnungsträger. Der Inhaber des Lehrstuhls Metallkunde und Werkstofftechnik an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) bekam einen der beiden "German Initiation Grants", die die Japaner in diesem Jahr an deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen vergaben. 30.000 Euro erhält Prof. Wagner als Anschubfinanzierung für ein Projekt, das dazu beitragen soll, Autos leichter zu machen.

Wagner forscht mit Titan, einem Metall, das bisher überwiegend im Flugzeugbau und bei der Herstellung von Humanimplantaten benutzt wird. "Vor zehn Jahren hätte noch niemand daran gedacht, jemals Titan im Automobilbau zu verwenden", erklärt er. Das sehr feste und zugleich leichte Metall erschien für die Massenproduktion als zu teuer. Doch das könnte sich jetzt ändern.

Die US-amerikanische Firma TIMET hat einen neuen Werkstoff namens LCB, eine Titan-Legierung, entwickelt, dessen Kosten deutlich niedriger liegen. Im Automobilbau eignet sich LCB beispielsweise für die Herstellung von Fahrwerksfedern. "Damit lässt sich etwa 50 Prozent des Gewichts einsparen", beschreibt Prof. Wagner einen der Vorteile des neuen Materials. Außerdem zeichnen sich die LCB-Federn gegenüber konventionellen Bauteilen aus Stahl durch eine geringere Windungszahl und Baugröße sowie durch einen geringen Elastizitätsmodul bei hoher Dehngrenze aus. Zudem muss ihre Oberfläche nicht lackiert werden, weil Titan sehr korrosionsfest ist.

Prof. Wagners Arbeitsplatz, das interdisziplinäre Forschungszentrum für Leichtbauwerkstoffe PantaRhei auf dem BTU-Campus, wird aber nicht zur Produktionsstätte für Fahrwerksfedern umfunktioniert. Die Aufgabe des Professors und seiner Mitarbeiter besteht darin, den neuen Werkstoff zu testen und zu verbessern. "Wir werden das Material wärmebehandeln und umformen", erklärt Wagner. "Damit wollen wir den inneren Aufbau, das so genannte Gefüge, optimieren." Zudem werden die Wissenschaftler Ermüdungsversuche mit dem LCB unternehmen und seine Oberfläche durch Kugelstrahlen verfestigen.

Prof. Wagner hofft auf eine längere Partnerschaft mit dem japanischen Autohersteller: "Honda will auf Dauer mit deutschen Universitäten kooperieren." Falls die Ergebnisse des laufenden Projektes auf gute Resonanz stoßen, verlängert der Automobilbaukonzern die Förderung um zwei bis drei Jahre. Deshalb fliegt Wagner im Oktober nach Japan, um seinen Geldgebern persönlich über die Fortschritte seiner Arbeit zu berichten.

Bis Titan tatsächlich eine Rolle im Automobilbau spielen wird, werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen. Und die herkömmlichen Stahlfedern wird das neue Material vermutlich nie komplett verdrängen. Aus Kostengründen sollen LCB-Federn nur in Modelle der Oberklasse und Sportwagen eingebaut werden. Doch Prof. Wagner ist sich sicher, dass die Früchte seiner Forschungsarbeit zukünftig eine wichtige Rolle in Hondas Fabrikhallen spielen: "Wir glauben fest daran, dass Titan zum Einsatz kommen wird."

Weitere Informationen bei: Prof. Dr. Lothar Wagner, Tel. 0355/69 28 15
E-Mail: wagner@tu-cottbus.de.

Margit Anders | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Automobilbau LCB LCB-Feder Titan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Machines based on paper and driven by air have been created by scientists at Harvard University in the USA
09.02.2012 | Wiley-VCH

nachricht Datenspeicher mit Lachs-DNA und Nano-Silber
08.02.2012 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler machen Eisen durchsichtig


Erstmals gezeigt, dass Atomkerne transparent werden

Einem Team von DESY-Wissenschaftlern um Dr. Ralf Röhlsberger gelang es an der hochbrillanten Synchrotronlichtquelle PETRA III, Atomkerne mit Hilfe von Röntgenlicht transparent zu machen. Sie entdeckten dabei gleichzeitig ein neues Prinzip, um einen optisch gesteuerten Schalter für Licht herzustellen, also Licht mit Licht zu beeinflussen, ein wichtiger Baustein auf dem ...

Im Focus: Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert


Wissenschaftler beobachten, wie Oxytocin zentrale Schaltstellen im Gehirn erreicht und das Verhalten beeinflusst

Kuschelhormon, Treuehormon, Angstlöser – häufig gebrauchte Schlagwörter für das Neuropeptid Oxytocin, das sich in den letzten Jahren als ein Stoff erwiesen hat, der unser Verhalten in zentralen Regionen des Gehirns positiv beeinflussen kann. Was jedoch bisher völlig unklar war: Wie gelangt dieser Botenstoff aus dem Hypothalamus in die Hirnbereiche, die ...

Im Focus: Datenspeicher mit Lachs-DNA und Nano-Silber


Ein neuartiger Biopolymer-Film aus Lachs-DNA mit Silber-Nanopartikeln speichert Informationen kostengünstig und umweltverträglich.

Entstanden ist das organische System in fächer- und länderübergreifender Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des DFG-Centers for Functional Nanostructures (CFN) am KIT und des Institute of Photonics Technologies an der National Tsing Hua University in Taiwan. Der DNA-Datenspeicher eignet sich unter anderem für biotechnische Anwendungen, etwa als Bauteil in Biosensoren.

Das System ...

Im Focus: VLT liefert detailreichstes Infrarotbild des Carinanebels


Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO haben das bislang detailreichste Infrarotbild der Sternkinderstube des Carinanebels aufgenommen. Es zeigt vor dem spektakulären Hintergrund einer himmlischen Landschaft auf Gas, Staub und jungen Sterne zahlreiche nie gesehene Details und zählt zu den atemberaubendsten VLT-Bildern überhaupt.

Im Herzen der südlichen Milchstraße, im Sternbild Carina (Der Schiffskiel, [1]), befindet sich in einer Entfernung von etwa 7500 Lichtjahren die Sternkinderstube des Carinanebels. Diese ausgedehnte Wolke aus leuchtendem Gas und Staub ist von der Erde aus gesehen eine der nächstgelegenen Geburtsstätten massereicher Sterne.

Der Nebel beinhaltet einige der hellsten und ...

Im Focus: Automatisch Lücken im Funkspektrum erkennen


Auf der embedded world identifizieren Wissenschaftler der Fraunhofer ESK Lücken im Funkspektrum, um diese für zusätzliche Übertragungen zu nutzen.

Der in Halle 5, Stand 5-228, vorgestellte Prototyp zeigt das Funkspektrum in einem 3D-Spektrogramm, markiert die prognostizierten Lücken und prüft deren Eintreffen. Diese Methode, Cognitive Radio, verbessert die Übertragungsqualität in einem bereits vollen Funkspektrum ohne aufwändiges, statisches Koexistenzmanagement. Ziel ist eine höhere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Funk für die Automatisierung.
...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Kaltwasserkorallen als Anpassungskünstler?

09.02.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Wandel der Hochschulbildung in Deutschland und Professionalisierung

09.02.2012 | Studien Analysen

Ocean warming causes elephant seals to dive deeper

09.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

7. Mannheimer Arbeitsrechtstag am 14. März mit Experten aus Theorie und Praxis

09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

International Forum on Terahertz Spectroscopy and Imaging

09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Teams aus neun Ländern treffen sich an der Leibniz Universität zum 6th Hanover PreMoot

09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp