Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit weniger Stahl zu höherer Festigkeit und Crashsicherheit

15.12.2008
Menschen, Material und Maschinen lauten die Themen der Westfalia Presstechnik GmbH & Co. KG, die auf den zunehmenden Innovations- und Preisdruck der Branche ausgerichtet sind. An seinem Standort im sächsischen Crimmitschau gibt der Automobilzulieferer Einblicke in eigene Entwicklungen und diskutiert mit Kunden, Lieferanten und Partnern generelle Trends und Anforderungen in der Umformtechnik.

Die Menschen waren ein wesentliches Kriterium für die Ansiedlung des Tochterunternehmens der Heitkamp-&-Thumann-Gruppe vor zehn Jahren in Sachsen. „Die Region ist von jeher Autogegend mit guten Fachkräften und einer kompetenten Hochschullandschaft“, sagt Mathias Schwarzendahl, Vorsitzender der Geschäftsführung des 160 Mitarbeiter zählenden Unternehmens, und verweist auf eine Vision zur Gründung: „Wir haben damals mit der Produktion von Sitzschienen begonnen und hatten von Anfang an das Ziel, die Kompetenz für alle Metallstrukturen am Autositz aufzubauen.“

Sieben Hochleistungs-Transferpressen in Betrieb

Genau diese Vision und noch etwas mehr ist Realität. Heute werden Sitzschalen, Lehnen und Seitenelemente auf sieben Hochleistungs-Transferpressen mit Presskräften zwischen 630 und 1600 t hergestellt und in einem modernen Roboterpark zu Baugruppen verschweißt.

Hinzu kommen Karosseriestrukturteile und Fahrwerkskomponenten, die mittlerweile rund ein Viertel des Umsatzes ausmachen, der 2007 etwa 64 Mio. Euro betrug. Die Produkte aus Crimmitschau sind in allen Automarken der Welt zu finden.

Das konsequente Erschließen von Innovationspotenzialen und der Aufbau von Kernkompetenzen sind wesentlich für den Unternehmenserfolg. „Das Material ist für uns eine solche Kompetenz“, erklärt Jens Mogdans, Geschäftsführer Vertrieb & Marketing.

Spezialist für das Umformen hochfester und höchstfester Stähle

Die Westfalia Presstechnik hat sich auf die Umformung von hoch- und höchstfesten Stählen mit einer maximalen Blechstärke von 3 mm spezialisiert. Mindestens 80% aller Produkte weisen diese hohen Festigkeiten auf.

„Nach vorn bringt uns hier die gute Zusammenarbeit mit Lieferanten wie Thyssen-Krupp Steel oder Bilstein“, betont Jens Mogdans. Mit Bilstein ist es der Westfalia Presstechnik beispielsweise gelungen, die Belastung für eine Sitzschiene zu verdoppeln und gleichzeitig die Materialdicke von 2 auf 1,5 mm zu reduzieren. An solchen Innovationen, die gleichermaßen zur Gewichtseinsparung und Crashsicherheit im Auto beitragen, wird konsequent gearbeitet.

Großes Potenzial sieht das Crimmitschauer Unternehmen in der Entwicklung der so genannten X-IP-Stähle, die bei hoher Festigkeit gute Umformeigenschaften besitzen und sich durch eine beträchtliche Energieaufnahme auszeichnen. Auch wenn diese Werkstoffentwicklung noch im Forschungsstadium steckt und Probleme wie eine Wasserstoffversprödung am Endprodukt zu lösen sind, arbeitet der Crimmitschauer Umformspezialist gezielt auf den Einsatz dieses Materials hin.

Komplizierte Umformwerkzeuge selbst hergestellt

Maschinen und Betriebsmittel sind eine weitere Kompetenz der Westfalia Presstechnik. Diese erwächst aus dem Verbund mit dem in direkter Nachbarschaft arbeitenden Schwesterunternehmen H&T Produktionstechnologie GmbH, einem Spezialisten für Werkzeug-, Sondermaschinen- und Prototypenbau. „Gemeinsam entwickeln wir beispielsweise komplizierte Werkzeuge, um das Know-how für hochfeste Werkstoffe im Haus zu halten. Einfachere Werkzeuge kaufen wir zu“, erklärt Mathias Schwarzendahl.

Die neueste Innovation ist eine Multiservopresse, die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Umformtechnik und Werkzeugmaschinen Chemnitz (IWU) und der Sibea GmbH Zwickau entstand und auf der letzten Euroblech 2008 im Oktober in Hannover erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die serientaugliche Presse mit einer Presskraft von 65 t schaffte im Test mit einem Serienwerkzeug bei Westfalia Presstechnik 110 Hübe pro Minute.

Die Presse selbst ist in der Lage, 300 Hübe zu realisieren und besitzt damit bei Präzisionen im Bereich kleiner ein Hunderstelmillimeter etwa die dreifache Leistungsstärke von vergleichbaren Anlagen. Eine Presse mit 400 t Presskraft befindet sich gegenwärtig in Entwicklung.

Multiservopresse kann unterschiedlich schnell umformen

Die Geschwindigkeit des Umformvorgangs ist innerhalb der Multiservopresse variierbar. Damit eröffnen sich beispielsweise Möglichkeiten zur Verarbeitung von Metallen und Kunststoffen in einem Arbeitsgang.

„Solche Innovationspotenziale tragen dazu bei, nicht nur mit den First-Tier-Lieferanten, sondern auch direkt mit den Automobilherstellern ins Gespräch und ins Geschäft zu kommen“, betont Mathias Schwarzendahl. Westfalia Presstechnik hat diese Direktverbindungen bereits zum VW-Konzern, zu BMW und Daimler aufgebaut.

Kompetenz in den Prozessen ist eine weitere Stärke des Automobilzulieferers. Optimierung steht ständig auf der Tagesordnung. Die Arbeitsteilung mit dem Presswerk im tschechischen Hustopece, für das Crimmitschau als Hauptsitz der Westfalia Seat Parts Group genauso Verantwortung trägt wie für eine Niederlassung in Frankreich, ist insbesondere eine Antwort auf den Preisdruck der Branche. Während in Tschechien vor allem Kleinteile gepresst werden, hat sich Crimmitschau auf Großteile spezialisiert.

Ina Reichel | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/produktion/umformtechnik/articles/157510/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Flexiblere Turbomaschinen entwickeln
23.05.2017 | FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur GmbH

nachricht WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen
23.05.2017 | Westsächsische Hochschule Zwickau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise