Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Treibstoff sparen durch innovative Beschichtungen

14.05.2012
Flugmotorenbauteile könnten bald um 50 Prozent leichter werden. Das wiederum bedeutet geringeren Treibstoffverbrauch um etwa 1 Prozent.
Führt man die Rechnung fort für nur 10 Prozent aller Flugzeuge weltweit, würden jährlich 1,5 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) weniger Flugbenzin verbrannt werden. Das ist nun vorstellbar – dank der Ergebnisse aus der internationalen Gemeinschaftsforschung CORNET (Collective Research Networking), die am 10. Mai 2012 am Institut für Fertigungstechnik und Hochleistungs-Lasertechnik der Technischen Universität Wien präsentiert wurden.

Leichtere Motoren sind jetzt möglich, weil Forscher eine innovative Oberflächentechnologie für Titanaluminide (TiAl) entwickelt haben. „Dieser relativ neue Konstruktionswerkstoff ist aufgrund seiner guten mechanischen Eigenschaften und des geringen Gewichts in der Energie-, Luftfahrt- und Automobiltechnik von allerhöchstem Interesse“, betont der Projektleiter, Prof. Michael Schütze von der DECHEMA - Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. (Frankfurt a.M.) Allerdings im Betrieb bei hohen Temperaturen oxidiert er und wird spröde.
Dem deutsch-österreich-französischen Forschungskonsortium ist es gelungen, diese Versprödungsneigung mit einer stabilen Schutzschicht zu verringern und eine nahezu konstante Festigkeit und Zähigkeit auch bei Temperaturen um 900°C zu erhalten. Damit können Ingenieure auch Anwendungen konstruieren, die hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen müssen – und dabei beispielsweise in Turbinen Nickelbasiskomponenten durch die leichteren Titanaluminide ersetzen.

Bereits 15 Unternehmen, die die gesamte industrielle Technologiekette abbilden – ausgehend von den Legierungsherstellern bis zu den Flugtriebwerksherstellern – verfolgten die Forschungsarbeiten. Vor allem mittelständische Unternehmen (KMU) haben noch wenig Erfahrung mit der Verarbeitung dieser relativ neuen Materialien, brauchen aber dringend das Know-how, wenn sie sich als Zulieferer hochwertiger moderner Komponenten auf dem Markt behaupten wollen.
In den projektbegleitenden Ausschüssen wurden technische Fragen und Entwicklungen entsprechend den Anforderungen der KMU diskutiert und während der Forschungsarbeiten berücksichtigt. Die beteiligten mittelständischen Unternehmen konnten bereits während der Projektlaufzeit die gewonnenen wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse nutzen.

An dem CORNET-Projekt waren insgesamt acht Forschungsinstitute beteiligt. Die Koordination übernahmen zwei Forschungsvereinigungen aus dem Innovationsnetzwerk der AiF: die DECHEMA (federführend für das Gesamtprojekt) und die FVV – Forschungsvereinigung Verbrennungskraftmaschinen e.V. sowie von der österreichischen Seite die MCL – Materials Cluster Styria. „Mit dieser innovativen Beschichtungstechnologie sichern sich die europäischen Motorenhersteller ein Stück weiter die Spitzenposition im globalen Wettbewerb“, resümiert Schütze und betont den interdisziplinären Ansatz der Forschung: „Die Anwendung von Titanaluminiden in Triebwerken stimuliert auch andere Anwendungen, zum Beispiel Gasturbinen in Kraftwerken oder Hochtemperaturkomponenten im Automobilbau. Es lohnt sich auch hier weiter zu forschen, das Potenzial für mehr Effizienz und Einsparungen ist da.“

CORNET ist ein europaweites Netzwerk aus Ministerien und Organisationen, die Gemeinschaftsforschung für KMU fördern, und wird von der AiF koordiniert. In transnationalen Kooperationen aus Wirtschaft und Wissenschaft wird technologisches Know-how branchenorientiert weiterentwickelt. Dieses CORNET-Projekt wurde in Deutschland vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) durch die AiF und in Österreich vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF) durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG) finanziell gefördert.

Ansprechpartner zum Projekt
In Deutschland: Dr. Patrick J. Masset, Tel. +49 9661 908-472, masset@atz.de
ATZ Entwicklungszentrum, Sulzbach-Rosenberg
In Österreich: Prof. Peter Schumacher, Tel. +43 3842 431010, peter.schumacher@unileoben.ac.at
Österreichisches Gießerei-Institut, Leoben

Über die AiF
Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V. ist ein 1954 gegründetes, industriegetragenes Innovationsnetzwerk zur Förderung von Forschung und Entwicklung im Mittelstand. Es verknüpft die Interessen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Die AiF ist die führende nationale Organisation zur Förderung angewandter Forschung und Entwicklung für den deutschen Mittelstand. Aufgabe ist es, als Dachverband von rund 100 Branchenverbänden die Volkswirtschaft Deutschlands in ihrer Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Die AiF als gemeinnütziger Verein ist Träger der Industriellen Gemeinschaftsforschung und betreut gemeinsam mit der AiF Projekt GmbH und der AiF F∙T∙K GmbH, ihren einhundertprozentigen Tochtergesellschaften, weitere Förderprogramme der öffentlichen Hand. Im Jahr 2011 setzte die AiF rund 675 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln ein.

Pressekontakt
Anita Widera, Tel. +49 221 37680-114, anita.widera@aif.de

Anita Widera | idw
Weitere Informationen:
http://www.aif.de
http://www.cornet-era.net/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Mehr Sicherheit beim Fliegen dank neuer Ultraschall-Prüfsysteme
20.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS

nachricht VL- und VSC-Drehmaschinen von EMAG: Die Bremsscheiben-Produktion auf ein neues Level heben
16.11.2017 | EMAG GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften