Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die richtige Rohrbiege-Philosophie bietet viele Möglichkeiten bei niedrigeren Kosten

13.10.2009
Gebogene Rohre finden überall Anwendung. Mal sind es Einzelstücke, Kleinserien, meist aber Stückzahlen, die ein paar Hundert oder Tausend erreichen. Ein erster Schritt ist dabei meist die Prototypenerstellung. Darauf hat sich beispielsweise die Vilsmeier Maschinenbau GmbH spezialisiert. In Pfakofen wurde deshalb eine Rohrbiege-Philosophie entwickelt, die durch Investitionen in Soft- und Hardware unterstützt wird.

Inmitten einer ländlichen Idylle findet man am Ortsrand von Pfakofen das Unternehmen Vilsmeier Maschinenbau GmbH. Auf den ersten Blick reiht man das Unternehmen in die Kategorie „Schlosserei“ ein. Dieses Bild wird aber spätestens nach dem Betreten der Fertigungshalle korrigiert. Denn Vilsmeier ist auf die Rohrbiegetechnik spezialisiert.

Spezialisten für das Freiformbiegen

„Wir arbeiten praktisch alles ab, wenn es um gebogene Rohre geht“, sagt Peter Vilsmeier, Geschäftsführer der Vilsmeier Maschinenbau GmbH. „Eigentlich aus einem Landmaschinenbetrieb heraus entstanden, haben wir (damit meint er sich und seine rechte Hand Josef Köglmeier) uns zum Rohrspezialist entwickelt – und dabei spielt das Freiformbiegen eine entscheidende Rolle“, ergänzt Vilsmeier.

Der Markt kennt Vilsmeier und seine Spezialitäten der Rohrbiegetechnik. Die in den letzten Jahren steigenden Auftragseingänge veranlassten deshalb das Führungsteam des Zehn-Mann-Unternehmens, so richtig stark zu investieren – investieren in eine CNC-Rohrbiegemaschine Wafios B10, in eine Messeinrichtung von Faro und in eine Software von Tezet.

Rohrbiegemaschine, Messeinrichtung und Software arbeiten gut zusammen

Die einzelnen Bausteine sollten sich zu einer Prozesskette zusammenfügen lassen und praktisch Hand-in-Hand miteinander arbeiten. Das funktioniert offensichtlich gut, wie Köglmeier bestätigt.

„Meist kommen die Kunden hierher nach Pfakofen, mit einem Musterteil, das wir dann vermessen und mit dem wir dann eine Machbarkeitsstudie durchführen, wir gehen mit unserem Mobilsystem aber auch vor Ort zum Kunden“, sagt Köglmeier, der so nebenbei ein solches Rohr auf den Demmeler-Messtisch legt, an dem auch die Faro-Messeinrichtung angebracht ist. Mit der einen Hand führt er den Messkopf behutsam mit einem Abstand von wenigen Zentimetern an der Rohroberfläche entlang.

Software errechnet Biegeprogramm aus Musterteil

Die Daten die er dabei generiert, die werden sofort von der Tezet-Software, die auf einem danebenstehenden Notebook installiert ist, übernommen. Die Tezet-Software generiert daraus das Biegeprogramm mit den entsprechenden Vorschubparametern sowie den Verdrehungs- und Biegewinkeln. „Die Software hat bei uns eine lange Tradition“, sagt Klaus Leistritz, CEO bei der Tezet Technik AG im schweizerischen Zurzach.

Leistritz selbst hat schon seit Jahrzehnten mit Rohren und Rohrkonstruktionen zu tun. Als Konstrukteur hatte er die Idee, Rohrgeometrien leichter, besser und genauer zu erfassen als das mit dem Massstab und der Schätzungsgenauigkeit möglich war. Und somit hat sich die Tezet-Rohrsoftware aus der Praxis heraus entwickelt.

Automobilindustrie verlangt digitalisierte Rohre und Rohrteile

Erste Anforderungen wurden von der Automobilindustrie gestellt, die in der Vorausentwicklung die ersten Prototypen von Abgasanlagen entwickelte. „Da wurde immer wieder die Frage gestellt: Wie kann man solche Rohre oder Rohrteile sehr schnell digitalisieren“, verrät Leistritz.

Sind die Rohrgeometrien erfasst, dann ist es offenbar einfach diese Daten mit der Steuerung der CNC-Rohrbiegemaschine Wafios B10 in Einklang zu bringen und ein erstes Musterteil zu biegen. „Dabei kommen wir der Endgeometrie schon ziemlich nahe“, verrät Unternehmensleiter Vilsmeier. Früher war der Aufwand enorm größer und aufwändiger. „Ohne die Tezet-Software wäre das Freiformbiegen in der Form wie wir es betreiben kaum zu realisieren“, ergänzt Vilsmeier.

Software kann komplette Verrohrungen konstruieren

Doch mit der Tezet-Software ist noch vieles mehr möglich. Denn damit können komplette Verrohrungen auch in „unwegsamen“ Umgebungen wie in einem Motorraum konstruiert werden. „Sie müssen der Software nur den Anfang- und den Endpunkt nennen. Mit dem Hintergrund der 3D-CAD-Daten eines Einbauraumes verlegt die Software praktisch automatisch die Leitung“, erläutert Leistritz. Ähnlich würde es auch mit Versorgungsleitungen in Gebäuden funktionieren.

Doch bevor die gesammelten Daten an die Wafios B10 übergeben werden demonstriert Köglmeier am Notebook eine Simulation. Hier ist die Maschine abgebildet, ebenso das Rohr, das wie im Realen mit den entsprechenden Daten Vorschub, Verdrehung und Biegewinkel virtuell gefertigt wird.

Simulation analysiert Machbarkeit beim Rohrbiegen

Die Simulation verrät Köglmeier, ob das Rohr, die Biegungen und anderen Fertigungsdaten machbar sind oder nicht. Später in der Fertigung ist zu erkennen, wie die Wafios B10 exakt den vorgegebenen Daten folgt und aus dem gezeigten virtuellen Gabelstapler-Bügel ein Realteil entsteht.

Mit der kompletten Rohrfertigungslösung, von der Erfassung bis hin zum fertigen Produkt, das oft auch in Großserien von Vilsmeier gefertigt wird, hat sich das Unternehmen einen ordentlichen Wettbewerbsvorsprung gesichert. Mit der mehr als 300000-Euro-Investition kann das Kleinunternehmen vielfältige Rohrbiegelösungen auf dem Markt anbieten und das bei wesentlich geringeren Fertigungskosten und bei gleichzeitig gesteigerter Qualität. Die Kostenvorteile gibt Vilsmeier anteilgerecht und direkt an seine Kunden weiter.

Dietmar Kuhn | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/produktion/umformtechnik/articles/234048/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Gewicht von Robomotion-Greifer um 60 Prozent reduziert
31.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Assistenzsysteme für die Blechumformung
28.07.2017 | Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie