Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einfach umgekippt

02.09.2009
Tragende Opern-Rolle für Sicherheits-Stoßdämpfer
Für Theatermacher zählt es zu beliebten szenischen Effekten, große, glatte Wände auf ebenen Böden in Zuschauerrichtung kippen zu lassen - Stoßdämpfer von ACE sorgen dabei für eine gelungene Vorstellung.

Das zunächst bedrohlich aussehende Kippen endet dank des zwischen Wand und Boden entstehenden Luftpolsters im sanften Auflegen der Wand in der Horizontalen. Von Anschub und Sicherungsmaßnahmen abgesehen benötigt dieser Effekt wenig technische Vorrichtungen.

Komplizierter - und damit für die Konstrukteure unter den Theaterprofis interessanter - wird es, wenn eine Requisitenwand Absätze und Gesimse hat, auf einem Podest steht und mit der Wandoberkante auf dem Bühnenboden aufsetzen soll: Dann klappt das mit dem Luftpolster nicht. Das Bühnenbild für die Oper "Die Bassariden" in Hannover erforderte jedoch diesen Effekt. Damit das Umkippen einer solchen Konstruktion in der praktischen Theaterrealität tatsächlich funktioniert, erhielt das Hamburger Unternehmen That den Auftrag der technischen Umsetzung. Dabei holte es Sicherheits-Stoßdämpfer von ACE mit auf die Bühne.

Die Aufgabe war knifflig: Die zu kippende Wand sollte nach dem Sturz rückseitig eine Schräge bilden, die einem 70-Personen-Chor als Spielfläche dient. Das Kippen sollte naturgetreu aussehen - also wie beim freien Fall mit zunehmender Umfangs- beziehungsweise Winkelgeschwindigkeit. Für die Reproduzierbarkeit des Vorganges wurde den Konstrukteuren eine Verzögerungsrampe zugestanden - die Wand durfte, wenn sie die Waagerechte fast erreicht hatte, abgebremst werden. Dadurch konnte eine etwas verringerte Fallgeschwindigkeit entstehen. Der zum Erreichen dieses Ziels errechnete Bremsweg entsprach immerhin einer Strecke von 140 Zentimetern.

Gegen Ende der Inszenierung sollte sich die Wand wie von Geisterhand wieder aufrichten. Die Anforderung an die szenische Bewegung ist komplex: Nach einer Beschleunigungsphase mit nichtlinearer Beschleunigung erfolgt eine Verzögerung mit Maximalgrenze auch im Störfall, um die Tragkonstruktion der Wand nicht zu überlasten.

Die Konstrukteure wählten die Möglichkeit, die Wand tatsächlich kippen zu lassen und die Bewegung über Industrie-Stoßdämpfer abzubremsen. Um die maximal auftretende Geschwindigkeit beim Kippen in handhabbarer Größenordnung zu halten, wurde im unteren Bereich der Wand ein Gestell für Kontergewichte von 1.500 bis 2.100 Kilogramm vorgesehen; damit sollte die Dauer des Kippvorgangs verlängert werden. Auch in dieser so genannten Slow-Motion-Variante betrug die maximale Umfangsgeschwindigkeit rechnerisch noch sieben Meter pro Sekunde und die darauf folgende Verzögerung 16 Meter pro Quadratsekunde. ACE hatte die den Anforderungen entsprechenden Dämpfer parat: Sicherheits-Stoßdämpfer vom Typ SCS38-300-F.

Sie können bei einem Hub von 300 Millimeter beeindruckende 21.600 Newtonmeter pro Hub abbauen. Üblicherweise sind Dämpfer wie diese speziell für Not-Stopp-Aufgaben konzipiert und schützen die Endlagen von Konstruktionen, etwa bei Portal-Anlagen. Wie ihre noch leistungsfähigeren Verwandten, die Industrie-Stoßdämpfer, sind diese Maschinenelemente drückend wirksam. Beim Abbremsen, also dem Beaufschlagen der Kolbenstange, wird diese in den zylinderförmigen Körper eingeschoben. Dabei wird Hydrauliköl durch Drosselbohrungen verdrängt. Proportional zum verfahrenen Hub nimmt die Anzahl der noch wirksamen Drosselbohrungen ab, die Einfahrgeschwindigkeit wird geringer.

Bei optimaler Größe und Anzahl der Bohrungen bleiben der Staudruck und damit die Gegenkraft während des gesamten Hubes nahezu konstant. Um aber in der speziellen Opern-Anwendung der Geometrie des Wandaufbaus zu entsprechen, wurde über ein Zuggestänge aus dem drückend wirkenden ein ziehend wirkendes System konstruiert.Die Zuschauer staunen bei jeder Aufführung nicht schlecht, wenn die große Wand umkippt, dann dem Chor Spielfläche dient und sich am Ende wieder aufrichtet. ACE hatte außer der Hauptrolle in Hannover noch zwei Nebenrollen zu besetzen: Die Verriegelung der Wand war in Form einer mit einem elektrischen Linearantrieb versehenen Sonderkonstruktion gelöst worden, und der Hebel zum Anschieben des Kipp-Mechanismus war mit einer Industrie-Gasfeder bestückt.

ACE | handling
Weitere Informationen:
http://www.handling.de/xist4c/web/Einfach-umgekippt_id_882__dId_452750_.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Stresstest über den Wolken
21.06.2017 | Hochschule Osnabrück

nachricht 3D-Druck im Mittelstand etablieren
20.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie