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Dezentrale Teilereinigung sichert Wertschöpfungsprozesse

27.01.2010
Um eine fehlerfreie Montage oder Lackierung sicherzustellen, ist bei Serienteilen eine vorgeschaltete Teilereinigung erforderlich, die wirtschaftlich in Fertigungslinien für hohe Bauteilsauberkeit sorgt. Das setzt im Landmaschinenbau mehr als eine zuverlässige Reinigungstechnik voraus.

Im Landmaschinenbau wird viel Wert auf die Teilereinigung gelegt. Sie sichert die Wertschöpfung, die in der mechanischen Fertigung geschaffen wird. Aufgrund der Wirtschaftlichkeit ist die Integration der Reinigungsanlagen in vorhandene Fertigungslinien erforderlich.

Sonderanfertigungen zur Teilereinigung

Daher sind beim Traktorhersteller Agco/Fendt in Marktoberdorf keine Standardanlagen installiert. Der Anlagenhersteller BVL Oberflächentechnik konzipierte für den Kunden spezielle Systeme: unter anderem für die Reinigung der Schleppergrundrahmen und unterschiedlicher Getriebegehäuse.

Vor der Montage werden die Schleppergrundrahmen bei Agco/Fendt gereinigt und phosphatiert. Das geschieht in einer Rhönradanlage mit schwenkbarem Aufnahmegestell. Vor der Reinigung wird jeder Rahmen im Gestell hydraulisch gespannt und um 360° in die Reinigungsanlage gedreht.

Die komplette Reinigung umfasst die Schritte Anlagenbeschickung, Reinigung und Phosphatierung, zwei Spülvorgänge und die Trocknung. Alle Prozessschritte laufen automatisch ab.

Reinigung von Getriebegehäuse erfordert aufwändige Badpflege

Die Reinigung von Gehäusen für Differenzialgetriebe findet in einer Durchlaufanlage statt. Aufgrund des hohen Späneeintrags – in Kombination mit Emulsion und Gussstaub – ist eine aufwändige Badpflege erforderlich. So wurde für den Späneaustrag ein Magnetförderer installiert. Außerdem sind in den Druckleitungen der Waschwasserpumpen automatische Rückspülfilter mit einer Filterfeinheit von 70 µm eingebaut.

Zusammen mit der Tankspülung sorgt der Rückspülfilter dafür, dass sich kaum Ablagerungen auf dem Tankboden befinden. Für den Ölaustrag aus dem Wasch- und Spülbad sind große Plattenphasentrenner verantwortlich.

Grundsätzlich erfolgt im Traktorenwerk Marktoberdorf bei Getriebegehäusen eine Endreinigung vor der Montage. Sie erfordert nicht nur eine teilespezifische Anlagenbeschickung, sondern auch eine Reinigungstechnik, die stark an der Werkstückgeometrie ausgerichtet ist, wie sich anhand der Reinigung von Schwenklagergehäusen für einen späteren Zusammenbau zeigen lässt: Eine pneumatische Ein- und Ausschubvorrichtung be- und entlädt die Anlage.

Waschkammer wird bei der Teilereinigung unter Vakuum geflutet

Die Waschkammer wird unter Vakuum geflutet. Das Injektionsfluten mit 16 bar sorgt für saubere Teile – auch in Hohlräumen und Hinterschneidungen. Eine integrierte Vakuumtrocknung verhindert, dass noch feuchte Werkstücke die Anlage verlassen und somit korrodieren können.

Werkstückträger und Vorrichtungen zur Aufnahme von Schwenkgehäusen unterschiedlicher Traktortypen werden am Ende der Ablaufrollenbahn entladen. Mit Hilfe eines manuellen Querverschiebetischs gelangen die Werkstückaufnahmen wieder zur Beladung an den Anfang der Zuführrollenbahn vor der Anlage.


Komplexe Formen erfordern spezielle Waschanlagen zur Teilereinigung
Aufgrund der komplexen Form von Gehäusen für Achsgetriebe ist eine spezielle Waschanlage erforderlich. Bei der Endreinigung dieser Teile liegt der Reinigungsschwerpunkt im Innern der Gehäuse.

Gereinigt wird mit einer Lanze, die mit Spritzdüsen bestückt ist und in den Achstrichter eingefahren wird. Während des Waschvorganges wird die Lanze auf und ab bewegt. Voraussetzung dafür ist die optische Ausrichtung der Gehäuse.

Fotozelle sorgt für richtige Ausrichtung der Gehäuse bei der Teilereinigung

Das geschieht auf einem Messtisch mit Hilfe einer Fotozelle: Ein in der Tischmitte fixierter Reflektor „wirft“ einen Lichtstrahl durch das Gehäuse zurück auf die Fotozelle. Verfehlt der reflektierte Lichtstrahl das Ziel, startet die Anlage nicht.

Die Reinigung selbst erfolgt leicht alkalisch mit temporärem Korrosionsschutz. Die Gehäuse müssen am Ende absolut fettfrei sein, um eine hohe Lackhaftung zu erreichen. Nach der Endreinigung sind die Achstrichter montagefertig.

Edelstahlzentrifuge und Tankspülung sichern kontinuierliche Badpflege

Ohne eine effiziente Badaufbereitung arbeitet eine Reinigungsanlage in der mechanischen Fertigung heute nicht mehr wirtschaftlich. Sie sichert eine hohe Bauteilsauberkeit über eine lange Badstandzeit hinweg. Daher wurden bei Agco/Fendt die Waschanlagen mit einer Zentrifuge in Edelstahlausführung und einer Tankspülung ausgerüstet, um eine kontinuierliche Badpflege zu ermöglichen.

Die Ölabscheidung erfolgt mit Hilfe eines Schwimmers, der kontinuierlich die Badoberfläche absaugt. Die Zentrifuge separiert Öl und Feststoffe, das saubere Waschwasser gelangt wieder zurück in den Vorratstank.

Anlage zur Teilereinigung reinigt sich automatisch

Zur Abscheidung von Feinverschmutzung wie Gußstaub reinigt die Anlage sich automatisch. Das geschieht, indem die maximale Förderleistung der Waschwasserpumpe auf einen im Tank befindlichen Düsenrahmen gegeben wird.

Dadurch werden Verunreinigungen aufgewirbelt, in die Zentrifuge gesaugt und abgeschieden. Eine Badstandzeit von mindestens sechs Monaten bis zu einem Jahr kann gewährleistet werden. Das ist ein Beleg für die Wirksamkeit dieser automatischen Selbstreinigung.

Dipl.-Ing. Bernd Kirchner ist Vertriebsleiter bei der BVL Oberflächentechnik GmbH in 48488 Emsbüren.

Bernd Kirchner | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/produktion/oberflaechentechnik/articles/247559/

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