Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fraunhofer IDMT prüft Technologien für das »Internet der Zukunft« im THESEUS-Forschungsprogramm

01.12.2011
Als einer von 60 Partner im BMWi-Forschungsprogramm »THESEUS« bringt das Thüringer Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT seit 2007 sein Know-how in die Entwicklung und Erprobung einer intelligenten und internetbasierten Infrastruktur für digitale Inhalte ein.

Die in THESEUS entwickelten Technologien und Services sollen verfügbare Daten und Wissensbestände im WorldWideWeb besser vernetzen und nutzbar machen. Ob die Technologien und Anwendungen genau das in der Praxis leisten können, prüft das Fraunhofer IDMT. Die Ergebnisse der Arbeiten werden bei der Abschlussveranstaltung des Core Technology Clusters am 8. und 9. Dezember 2011 in Berlin vorgestellt und diskutiert.

Im THESEUS-Forschungsprogramm werden zukunftsträchtige Technologien und Anwendungen entwickelt, die digitale Inhalte erfassen, einordnen und verknüpfen können. Auf diese Weise sollen Computer selbständig logische Schlüsse und Zusammenhänge aus verschiedenen Informationen herstellen. Im Ergebnis entstehen neue Dienstleistungen und Tools, die die Internetrecherche und Suche nach spezifischen Inhalten erheblich vereinfachen werden.

Dass die im Rahmen von THESEUS entwickelten Basistechnologien auch in verschiedenen Anwendungsszenarien zum Einsatz kommen können und in der Praxis das leisten, was man sich von ihnen verspricht, dafür sorgt das THESEUS Core Technology Cluster (CTC). Als Teil des CTC übernimmt das Ilmenauer Fraunhofer IDMT seit 2007 die Evaluation der grundlegenden Technologiebausteine im Audio-, Video- und Multimediabereich, die von den Partnern im THESEUS CTC entwickelt wurden. Die Fraunhofer-Forscher überprüfen und bewerten beispielsweise, ob Algorithmen zur Sprach- und Bilderkennung, Nutzerschnittstellen oder die automatische Zuordnung von Metadaten die zuvor definierten Anforderungskriterien erfüllen und in der Praxis zu verlässlichen Resultaten führen.

»Im Verlauf der fünfjährigen Laufzeit des Forschungsprogramms haben wir in Ilmenau über 90 Evaluationen durchgeführt«, so Prof. Dr. Thomas Sporer, der für die Evaluation am Fraunhofer IDMT verantwortlich ist. Die Ergebnisse der Evaluation fließen anschließend wieder in den Design- und Entwicklungsprozess der Basistechnologien ein.

Wie diese objektive Qualitätsbewertung am Fraunhofer IDMT tatsächlich funktioniert, erklärt Thomas Sporer anhand der getesteten Algorithmen zur Erkennung von Texten und Handschriften in Bilddaten: »Verfahren zur Text- oder Schrifterkennung spielen vor allem in solchen Bereichen eine Rolle, in denen man Dokumente automatisch einscannen, also digitalisieren möchte. Auf diese Weise können bestimmte Inhalte in Datenbanken, wie z. B. Patientenunterlagen einer Klinik, ganz unkompliziert gefunden werden. Sucht ein Arzt etwa nach geeigneten Therapiemöglichkeiten für einen Patienten, sollen zukünftig Computerprogramme automatisch vergleichende Krankheitsbilder, Röntgenaufnahmen oder Behandlungsformen in wenigen Minuten anzeigen können. Das System muss dabei so intelligent sein und unterscheiden können, ob die Röntgenbilder eines Erwachsenen oder eines Kindes in der Datenbank vorliegen.

Dazu müssen PC-Programme neben Texten auch handschriftliche Vermerke auslesen können. Zur Überprüfung dieser Techniken haben wir beispielsweise eingescannte Karteikarten genutzt. Das Erkennungssystem sollte in der Lage sein, handgeschriebene Zeichen, Druckbuchstaben, Schriftarten oder auch mathematische Zahlen zu unterscheiden. Darüber hinaus haben wir getestet, wie gut die Software arbeitet, wenn z. B. das Dokument verfärbt ist oder schräg im Scanner lag. Diese verschiedenen Szenarien haben wir simuliert und geprüft. Die Erkennungsrate der Software war dabei überaus positiv. Besonders überrascht hat uns die Erfolgsquote beim Erkennen von schief eingescannten Dokumenten sowie bei kursiver Schrift – hier hat die Software durchweg gute Resultate erzielt«.

Daneben untersuchen die Ilmenauer Forscher auch die intelligente Verknüpfung von Daten. So erfordern bestimmte Anwendungsszenarien, wie der beschriebene computergestützte Vergleich von Krankendaten, auch die Unterscheidung medizinischer Fachwörter von alltagssprachlichen Formulierungen oder Personendaten. Ebenso müssen verschiedene Begriffe für Arzneimittel oder Synonyme für Krankheiten entsprechend zugeordnet werden – z. B. »blauer Fleck«, »Hämatom« oder »Bluterguss«.

»Mit den in THESEUS entwickelten Basistechnologien und technischen Standards wird es möglich, Daten systematisch zu erfassen, zu speichern und gezielt nach Inhalten in Datenbanken zu suchen. Statt vieler Verweise erhält der Anwender zukünftig eine konkrete Antwort – ob bei der Recherche im Internet oder beim Durchsuchen von Datenbanken. Das verkürzt Prozesse erheblich und Nutzer finden intuitiv genau die Informationen, die sie benötigen. Nach Abschluss des THESEUS-Forschungsprogramms werden derartige Technologien und Anwendungen in neuen Services und Diensten auch für Privatnutzer, Unternehmen und Einrichtungen zur Verfügung stehen«, zieht Thomas Sporer eine positive Bilanz.

Das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau (Thüringen) betreibt angewandte Forschung im Bereich digitaler audiovisueller Anwendungen. Entwickelt werden neben Lösungen zur virtuellen Akustik für Heim- und Profianwender (z. B. die IOSONO® Wellenfeldsynthese-Technologie) auch Softwaretechnologien zur Analyse und Charakterisierung von multimedialen Inhalten sowie audiovisuelle Anwendungen für die Medizintechnik. Des Weiteren gehören die Konzeption interaktiver Anwendungsszenarien für Entertainment und Wissensmanagement und der Entwurf von Architekturen für den digitalen Online-Vertrieb zum Forschungs-Portfolio.

In Kooperation mit seinen Partnern und Kunden aus Wirtschaft, Kultur und Bildung setzt das Ilmenauer Institut zukunftsorientierte wissenschaftliche Erkenntnisse in alltagstaugliche Komplettlösungen und Prototypen um, die auf spezifische Problemstellungen der Nutzer und die Anforderungen des Marktes zugeschnitten sind.

Seit 2008 hat das Fraunhofer IDMT zwei Außenstellen. Die Abteilung Kindermedien mit Sitz in Erfurt arbeitet an der Entwicklung innovativer computergestützter Programm- und Edutainmentformate für Kinder und Jugendliche. Die neue Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie mit Sitz in Oldenburg forscht an Themen der Audio-Systemtechnik für die Bereiche Gesundheit, Verkehr, Multimedia und Telekommunikation.

Ansprechpartner:
Stefanie Theiß
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie
Ehrenbergstraße 31
98693 Ilmenau
Telefon: +49 (0) 36 77/4 67-3 11
Fax: +49 (0) 36 77/4 67-4 67
stefanie.theiss@idmt.fraunhofer.de

Stefanie Theiß | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.idmt.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Warum wechseln Menschen ihre Sprache?
14.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie