Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wer artikuliert wo und wann wie seine Einstellungen und Wertungen?

09.09.2005


Zur internationalen Augsburger Linguisten-Konferenz "Evaluation and Text Types"



Britische Politiker verpacken in Interviews ihre Wertungen und Einstellungen ganz anders als deutsche. Sehr ähnlich hingegen gehen französische und italienische Wissenschaftler vor, wenn sie in ihren Aufsätzen Wertungen und Einstellungen zum Ausdruck bringen wollen. Und wie sieht es aus, wenn man die entsprechenden Techniken vergleicht, auf die US-amerikanische und saudiarabische Journalisten in ihren Artikeln zurückgreifen? Solche Fragen und Einsichten prägten die jüngst vom Augsburger Lehrstuhl für Englische Sprachwissenschaft veranstaltete internationale Konferenz "Evaluation an Text Types".


"Es war eine in jeder Hinsicht gelungene Konferenz, die auch aus interkultureller und interdisziplinärer Sicht bemerkenswert war", bilanzieren Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Wolfram Bublitz und seine Mitarbeiterin Monika Bednarek im Rückblick auf das zweitägige Treffen, zu dem sie die Crème der internationalen Evaluationsforschung an die Universität Augsburg eingeladen hatten. Ziel der Konferenz war es, einen Überblick über die Forschungslage und über die allerneuesten Entwicklungen auf diesem "wiederentdeckten" Spezialgebiet der Linguistik zu schaffen.

Niemand kommuniziert im einstellungsneutralen Raum


Evaluation? "Linguisten", erläutert Monika Bednarek, "denken bei Evaluation nicht in erster Linie an die Bewertung ihrer Lehre oder Forschung, sondern viel eher an sprachliche Ausdrücke und Strategien der Sprechereinstellung. Schließlich kommunizieren wir ja nicht in einem einstellungsneutralen Raum. Wir geben beim Sprechen vielmehr stets kund, wie wir das, was wir und andere meinen, einschätzen, einordnen und beurteilen." Die Evaluationsforschung, die sich um diese Aspekte der Sprache und des Sprechens kümmert, lag eigentümlicherweise lange Zeit brach. "Erst seit kurzem, nun aber umso heftiger wird dieses Feld wieder beackert", so Wolfram Bublitz.

Manifestation der Sprechereinstellung im Text

Auf dem Programm der Augsburger Konferenz standen 17 Vorträge von Linguistinnen und Linguisten aus Spanien, Großbritannien, Holland, Argentinien und Deutschland, die allesamt zur Avantgarde der internationalen Evaluationsforschung zählen. Sie befassten sich auf der Grundlage unterschiedlichster Ansätze und aus verschiedensten Perspektiven mit der Manifestation der Sprechereinstellung im Text, also mit Wörtern, Strukturen und auch nicht-sprachlichen Mustern, die offenkundig oder unterschwellig Einstellungen und Wertungen vermitteln.

Textsortenabhängige Eignung der diversen Ansätze

Im Zentrum der Konferenz stand auch die Frage nach der Adäquatheit der konkurrierenden Erklärungsansätze. Aus der Warte so unterschiedlicher Teildisziplinen wie der Linguistischen Pragmatik, der Kognitiven Linguistik oder der Systemisch-Funktionalen Linguistik wurden mehrere Beschreibungsmodelle auf den Prüfstand gestellt - darunter ’corpus-driven approach’, ’appraisal approach’, ’parameter approach’, ’stance’ und ’positioning theory’. Datengrundlage waren akademische Rezensionen, Zeitungs- und TV-Interviews, Zeitungsreportagen, wissenschaftliche Aufsätze, Websites, Dokumentarfilme und TV-Talkshows. Bei der Anwendung der verschiedenen Ansätze auf diese unterschiedlichen Textsorten wurde klar, dass nicht jeder Ansatz in gleicher Weise zur Analyse jeder Textsorte taugt.

Kontext- und kulturbedingter Einsatz evaluativer Mittel

Die interkulturelle Perspektive kam dadurch ins Spiel, dass die analysierten Texte nicht nur in englischer, sondern auch in französischer, italienischer, spanischer, russischer, arabischer und deutscher Sprache verfasst waren. So zeigten sich beispielsweise Unterschiede in den evaluativen Mitteln, die deutsche und britische Politiker in Interviews verwenden, während sich italienische und französische wissenschaftliche Aufsätze im Ausdruck ihrer Evaluation sehr ähneln. Auch interkulturelle Unterschiede zwischen Inhalt und Art der Evaluation in saudi-arabischen gegenüber US-amerikanischen Zeitungen wurden diskutiert. Durch den stetigen Perspektivenwechsel machten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit alternativen und ergänzenden Ansichten zur Evaluation vertraut, die sie fortan in ihren Forschungen berücksichtigen können.

Die Konferenz "Evaluation and Text Types" wurde von der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg e. V. gefördert.

Kontakt und weitere Informationen:
Lehrstuhl für Englische Sprachwissenschaft
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-5754
monika.bednarek@phil.uni-augsburg.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-augsburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wissenschaftler entschlüsseln das „perfekte Selfie“
26.06.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie