Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Boulevard-TV: Behinderte spielen erstaunlich große Rolle

17.08.2005


Mit dem Bild von behinderten Menschen im Boulevard-Fernsehen hat sich der Rehabilitationswissenschaftler Ingo Bosse von der Universität Dortmund im Rahmen seiner Dissertation beschäftigt. Insgesamt ein Jahr analysierte er die Magazin-Sendungen "Brisant" (ARD), "Explosiv" (RTL) und "taff." (Pro Sieben) und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: In etwa 70 Prozent der Sendungen sind Behinderte präsent, an vier von fünf Sendetagen wird über Behinderte berichtet. Und obwohl die "traditionelle" Sichtweise von Behinderung als körperliche Beeinträchtigung bei den Beiträgen überwiegt, spielen Ansätze zu einer modernen Sichtweise auf das soziale Konstrukt Behinderung im Sinne einer gleichberechtigten Teilhabe eine nicht unbedeutende Rolle.



Neben der häufigen Präsenz kann Bosse die Frage der Beteiligung von Behinderten ebenfalls positiv beantworten: "Es findet eine Berichterstattung mit ihnen und nicht über sie statt. Sie sind mit rund 30 Prozent die größte Gruppe der dominanten Aussage- und Handlungsträger." Ein Großteil der Berichterstattung bestehe zwar aus Beiträgen über Behinderte als "Heilungsbedürftige" oder als reine "Empfänger von Hilfen". Daneben existierten aber zahlreiche Beiträge, die Behinderte als "Experten in eigener Sache" zeigen, die selbstbestimmt und gleichberechtigt an den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Systemen mitwirken.



"Die Gleichstellung behinderter Menschen ist zum Teil bereits vollzogen und findet sich im Leitmedium Fernsehen wieder. Damit bietet diese Sozialisationsinstanz dem Teilhabegedanken entsprechende Identifikationsangebote", so Bosse. Den Fernsehzuschauern, die sich an medialen Darstellungen orientieren, würden alternative Vorstellungen zu traditionellen Rollenzuweisungen geboten. "Es werden Anstöße geliefert, die eigenen sozialen Reaktionen zu hinterfragen."

Stärkster Auswahlfaktor auf journalistischer Seite sei Sensationalismus. Relevant sei ein Thema auch, wenn es von Schaden, Kriminalität oder Ethnozentrismus handelt. Häufig aufgegriffene Aspekte im Bereich des größten Einzelthemas Medizin seien Rehabilitation und Therapie. Defizite in der Berichterstattung stellt Bosse beim Thema Liebe und Sexualität Behinderter fest. Auch über Arbeitslosigkeit werde nicht berichtet, obwohl sie für diesen Personenkreis besonders relevant sei.

Bosse empfiehlt Journalisten, Menschen mit Behinderung im Sinne einer gleichberechtigten Teilhabe im Fernsehen selbstverständlich in das allgemeine Programm zu integrieren und in allen möglichen thematischen Zusammenhängen über sie zu berichten. "Eine Behinderung sollte nur thematisiert werden, wenn sie für die Berichterstattung relevant ist. Warum sollten Menschen mit Behinderung nicht auch bei Straßenumfragen zu den Neuwahlen, bei Diskussionen über die Terrorgefahr in Europa oder in Unterhaltungsformaten vorkommen?"

Weitere Informationen:
Ingo Bosse
Tel.: 0231/ 586 33 30
Mobil: 0170 - 81 266 82
Email: ingobosse@versanet.de

Ole Lünnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-dortmund.de/

Weitere Berichte zu: Behindert Behinderung Berichterstattung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Warum wechseln Menschen ihre Sprache?
14.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie