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"Wasserzeichen" als Kopierschutz für Digitale Medien

03.05.2004


Vor dem weiteren ungehemmten Einsatz von Kopierschutzmechanismen warnt jetzt Dr. Martin Steinebach vom Fraunhofer-Institut IPSI in Darmstadt die Musikindustrie. "Es macht keinen Sinn, die legale Nutzung von digitalen Medien immer komplizierter zu gestalten und damit den ehrlichen Käufer zu bestrafen, wohingegen der illegale Raubkopierer einfach und ohne Einschränkungen alles auf jedem Endgerät abspielen kann." Die Fraunhofer-Wissenschaftler sehen in der Verbindung von Medien, die mit digitalen Wasserzeichen geimpft sind, und Geschäftsmodellen auf Basis des XML-Abkömmlings BOL (Business Offer Language) eine sinnvolle Alternative für die Musikindustrie und andere Mediendienstleister, die mit Audiodaten umgehen. Mit Wasserzeichen versehene Daten können ohne Kopierschutz und die damit verbundenen Ärgernisse verwendet werden, doch wer dies illegal tut, ist über das Wasserzeichen identifizierbar und kann zur Verantwortung gezogen werden.




In seinem Vortrag auf der diesjährigen DGI-Online-Tagung am 16. Juni in Frankfurt am Main wird Steinebach gemeinsam mit seinem Kollegen Andreas Wombacher vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme Modelle vorstellen, die bereits im Labormaßstab erfolgreich getestet wurden. Digitale Wasserzeichen sind seit Jahren auch als "fingerprinting", "data embedding" oder "data hiding" bekannt und als solche nicht neu. Entscheidend ist jedoch ihre Einbindung in Geschäftsmodelle, die im produktiven Einsatz stabil bleiben und gleichzeitig das Musikstück nicht unakzeptabel beeinträchtigen. Auch Micropayment-Lösungen wurden im Prototypen dabei erfolgreich eingebunden, so dass sich sogar pay-per-listen-Modelle realisieren lassen: Bezahlt wird für das Anhören eines Musikstücks.



Die Verknüpfung mit einem Business-Offer-Language-Modell schliesslich erlaubt es, genau die relevanten Daten aus dem BOL-System als Wasserzeichen in das Musikstück einzubetten - ein entsprechender Interpreter kann also erkennen, wie das zugrunde liegende Geschäftsmodell spezifiziert ist und dem Anwender die Beteiligung an diesem Model vorschlagen - zum Beispiel im Rahmen eines provisionsbasierten Affiliate-Marketings. Hänschen Müller kann dann bei entsprechenden Geschäftsmodellen der Industrie in Zukunft für das Verteilen von Musikkopien an seine Freunde sogar noch eine Prämie bekommen; vorausgesetzt, diese hören überhaupt hinein und akzeptieren die paar Cent, die ihnen das BOL-basierte System als Micropayment abverlangt. Kopierer werden dann belohnt, Raubkopierer gibt es nicht mehr. Denn das Wasserzeichen kann nicht mehr entfernt werden, ohne das Musikstück erheblich zu beschädigen.

Michael Kip | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ipsi.fraunhofer.de

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