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Die Welt der Informationen erleben - virtuell und interaktiv

28.11.2002


Auf der Suche nach den neuesten Nachrichten vom Tage erkundet der Themen-Nutzer die virtuelle Zeitungswelt, eine von einladenden Pavillons gekennzeichnete Hügellandschaft. Im Nachrichten-Gebäude diskutiert er mit anderen Besuchern über die letzten Meldungen. Sie alle werden auf dem Bildschirm vertreten durch sogenannte Avatare, computeranimierte personalisierte Figuren in schwarzen Anzügen. Anschließend im Automobil-Pavillon erhält er z.B. Informationen über einen neu auf dem Markt befindlichen Geländewagen. Auch dort trifft er andere interessierte Anwender, die sich aus dem gleichen Grund eingefunden haben, und bespricht mit ihnen das neue Modell.



Über aktuelle Nachrichten, Neuerscheinungen auf dem Automobil-Sektor und viele andere Themen werden sich Internet-Nutzer in solch einer virtuellen Zeitungslandschaft künftig informieren können. Mit der auf Virtual Reality-Technologie basierenden "Electronic Newspaper Initiative" (ELIN) wird diese Vision umgesetzt. Das Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt und weiterer europäischer Forschungseinrichtungen will die technischen Möglichkeiten schaffen, sämtliche Sparten von Printmedien auf eine Plattform zu kombinieren und zusätzlich mit multimedialen Inhalten anzureichern.



Hier können die Nutzer Nachrichten und Inhalte in Form von Texten, Videos, Ton und Bild interaktiv erleben, besondere Inhalte auch als dreidimensionale Modelle, die sich zusätzlich noch drehen und farbig verändern lassen. So sollen zum einen die Informationen für den Besucher emotionaler erlebbar werden. Zum anderen kann sich der virtuelle Zeitungsleser mit "Gleichgesinnten" vor Ort austauschen.

Forscht also beispielsweise ein User, der sich für den Geländewagen interessiert, nach ausführlicheren Auskünften über Maße und Innenausstattung des Wagens, so kann er seinen Avatar zu einer Projektionsfläche navigieren und die gewünschten Informationen abfragen. Auf einem Sockel in der Mitte des Pavillons baut sich daraufhin das gefragte Auto auf und bietet für sämtliche anwesenden Personen ein neues Gesprächsthema.

Im Angebot an die Nutzer, mit den Informationen zu interagieren und diese direkt mit vielen weltweit verteilten Nutzern gemeinsam zu erleben und zu besprechen, liegt laut Projektleiter Martin Einhoff die Innovation des Projekts. "Der wesentliche Vorteil unserer Plattform sind die neuen Interaktionsmöglichkeiten der Nutzer untereinander und den Neuigkeiten selbst ", betont der Wissenschaftler von der Abteilung "Kommunikation und Kooperation" am Fraunhofer IGD. Indem der Nutzer auf dem Bildschirm ein Fenster öffnet, kann er - vergleichbar mit einem Chatroom - mit anderen Besuchern seines Pavillons in Kontakt treten. Darüber hinaus ist je nach vorhandener Computerausstattung auch eine Videokonferenz über Webkameras mit mehreren Partnern möglich.

Als Basis für dieses Kommunikationsangebot gestalten die Forscher des IGD die virtuelle Grundlandschaft, auf der später die Anbieter ihre Gebäude errichten können und entwickeln die Community-Umgebung für die Mehrbenutzerkommunikation. Während dessen arbeiten die Projektpartner in Frankreich, Spanien und Schweden unter anderem an einer speziellen Nutzeroberfläche für mobile Endgeräte. Außerdem entsteht ein System, das dem Nutzer bei der Orientierung in der virtuellen Zeitungswelt hilft. Dieses Personalisierungssystem "lernt" die Informationsgewohnheiten des Besuchers und bietet ihm beim nächsten Login eine Auswahl von gleichartigen oder artverwandten Themen. Selbstverständlich kann der Nutzer auch über die gängigen Suchoptionen Informationen finden und die betreffenden Orte ansteuern.

Welche Orte es sein werden, die später bestimmte Informationsblöcke bereithalten werden, ist laut Einhoff eine Frage der Landschaftsgestaltung. Möglich ist beispielsweise eine Gliederung nach Verlagsgebäuden. So steuert der Nutzer zielorientiert das Haus des jeweiligen Anbieters an. Denkbar ist auch eine Gliederung nach Themen. In dieser Variante kann ein Besucher unter anderem zwischen einem Besuch im Nachrichtenhaus, in der Sporthalle oder im Autopavillon wählen.

Wie die Pavillons im Detail gestaltet werden, bleibt den Verlagen beziehungsweise den anderen Informationsgebern überlassen. In der fertigen Zeitungswelt wird dem Nutzer die ganze Informationspalette zur Verfügung stehen, von Nachrichten über Sport und Boulevard bis hin zur Werbung. Denn ebenso wie bei gedruckten Zeitungen können Anzeigenkunden ihre Produkte oder Dienstleistungen in interaktiver Weise präsentieren.

Das von der Europäischen Union geförderte Projekt startete im Oktober 2001 und wird voraussichtlich Mitte 2004 auslaufen. Im Laufe des kommenden Jahres wollen die ELIN-Projektpartner einen ersten Testlauf mit schwedischen und spanischen Online-Verlagen starten. "In einen späteren Testlauf können auch deutsche Verlage eingebunden werden", erklärt Martin Einhoff abschließend zu dem zukunftsweisenden Projekt seiner Abteilung.

Kurzprofil INI-GraphicsNet:
Das internationale Netzwerk der Graphischen Datenverarbeitung (INI-GraphicsNet) besteht aus dem Fraunhofer-Institut fuer Graphische Datenverarbeitung IGD, dem Zentrum fuer Graphische Datenverarbeitung (ZGDV) e.V., beide in Darmstadt und Rostock, und dem Fachgebiet Graphisch-Interaktive Systeme (GRIS) der Technischen Universitaet Darmstadt. Weitere Institutionen des Netzwerkes sind das Fraunhofer-Anwendungszentrum fuer Computergraphik in Chemie und Pharmazie (AGC) in Frankfurt, das Fraunhofer Center for Research in Computer Graphics (CRCG) in Providence, Rhode Island (USA), das Centre for Advanced Media Technology (CAMTech) in Singapur, das Centro de Computaç"o Gráfica (CCG) in Guimar"es (Portugal), das Centre for Visual Interaction and Communication Technologies (VICOMTech) in San Sebastian (Spanien), das Institute for New Media Technology (NEMETech) in Seoul (Sued-Korea) und das Center for Advanced Computer Graphics Technologies (GRAPHITech) in Trento (Italien).

Innerhalb des Netzverbundes sind an den neun Standorten ueber 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie rund 560 wissenschaftliche Hilfskraefte beschaeftigt. Bei einem Haushalt von ueber 41 Millionen Euro bildet das INI-GraphicsNet weltweit den groeßten Forschungsverbund auf dem Gebiet der Graphischen Datenverarbeitung.


Bernad Lukacin | idw
Weitere Informationen:
http://www.elin-enp.nu

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