Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virtuelle Steinschläge in der Testphase

04.07.2013
Mit dem neuen Computermodell RAMMS::rockfall stellt die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL erstmals eine Software zur Verfügung, um Steinschläge im Gebirge realitätsnah zu simulieren.

Die Testphase wurde heute mit einem Workshop gestartet. In den kommenden Monaten können Fachleute aus der Praxis das Modell unter die Lupe nehmen, um es auf seine Praxistauglichkeit zu prüfen.


Das neue Computermodell RAMMS::rockfall berechnet Vorhersagen für Steinschläge im Gebirge. Ab 2014 soll es im Handel erhältlich sein.


Mit dem neuen Modell lassen sich erstmals reale Stein- und Geländeformen im Computer erzeugen.

Lautlos stürzt ein Stein über Wiesenhänge nach unten, prallt an einer steilen Felswand ab, springt mehrmals einige Meter in die Höhe und stürzt mit grosser Wucht auf eine Fahrstrasse im Tal. Ein zweiter, grösserer Stein folgt, bleibt jedoch bereits in einem dicht bewaldetem Hang weiter oben hängen. Dutzende weitere Steine rollen und springen hinterher – im neuen Computermodell RAMMS::rockfall.

Entwickelt wurde das Steinschlag-Modell von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Zusammenarbeit mit dem Institut für Mechanische Systeme der ETH Zürich. Es soll dabei helfen, Steinschlagprozesse besser zu verstehen und damit den Steinschlagschutz in der Schweiz zu verbessern.

Heute stellt die WSL das neue Steinschlag-Modell Fachleuten aus der Praxis vor. Bauingenieure, Geologen und Naturgefahrenexperten können es in den kommenden Monaten kostenlos testen. Zudem werden die Forschenden die mit dem Computer berechneten Daten mit realen Ereignissen aus der Vergangenheit wie etwa dem Felssturz im Wilerwald bei Gurtnellen UR oder den Felsstürze im Murgtal bei Murg SG vergleichen. Ziel der Testphase ist es, das Modell so weit zu verbessern, dass es Steinschläge realistisch vorhersagen kann. Ab 2014 soll RAMMS::rockfall im Handel erhältlich sein. Vor allem für Ingenieurbüros, die Dienstleistungen im Bereich Steinschlagschutz oder Gefahrenkartierung anbieten, kann das Modell ein wichtiges Arbeitsinstrument sein.

Wohin, wie hoch, wie schnell?

Mit dem neuen Modell lassen sich erstmals reale Steinformen im Computer erzeugen. Ein grosser Fortschritt, denn bis anhin konnten die Computerprogramme nur einfache Formen wie Kugeln oder Quader simulieren. Zudem kann RAMMS::rockfall die Geländeformen sowie die Vegetation realitätsnäher darstellen als bisher. Während des Steinschlags berechnet das Modell mit neu entwickelten Kontaktgesetzen jede Bodenberührung der Steine. Es simuliert, wie hoch und wie weit sie dabei springen, mit welcher Geschwindigkeit sie in Richtung Tal stürzen, wie das Relief die Flugbahn verändert und wo sie landen oder gestoppt werden.

Hat der Computer eine Vielzahl an Steinschlägen für ein Gebiet durchgerechnet, ergibt sich eine Verteilung der Einschlagsorte. Besonders interessant ist, wo die meisten Steine zu liegen kommen, denn dort ist das Steinschlagrisiko am höchsten. Solche Daten helfen, gefährdete Gebiete zu identifizieren und in den Gefahrenkarten der Kantone entsprechend aufzuzeigen.

Kontakt
Bärbel Zierl
baerbel.zierl@wsl.ch
Werner Gerber
werner.gerber@wsl.ch

Dr. Reinhard Lässig | Eidg. Forschungsanstalt WSL
Weitere Informationen:
http://www.wsl.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Forschende der Uni Kiel entwickeln extrem empfindliches Sensorsystem für Magnetfelder
15.02.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Getarntes Virus für die Gentherapie von Krebs
31.01.2018 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics