Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Robbie, bitte übernehmen Sie!

19.07.2010
Schwere Kisten transportieren, Getränke anbieten und die geleistete Arbeit zuverlässig dokumentieren – Serviceroboter, die in stationären Pflegeeinrichtungen Transportaufgaben und Routinetätigkeiten übernehmen, können das Personal signifikant entlasten. Ein erster Praxistest mobiler Serviceroboter im Altenheim zeigt, dass sowohl Pflegekräfte als auch Bewohner die Unterstützung durch Roboter akzeptieren.

Als Pflegekraft im Seniorenheim kümmert sich Nadine Petrova seit 12 Jahren um die Bewohner: Sie wäscht die Senioren, füttert sie, wechselt Verbände und versorgt sie im Notfall. Regelmäßig dokumentiert sie ihre Tätigkeit. Obwohl die Arbeit körperlich sehr anstrengend ist, kann sie sich nicht vorstellen, einen anderen Beruf auszuüben.


Der Care-O-bot® 3 holt frische Getränke vom Wasserspender und bietet sie dann den Bewohnern des Pflegeheims an. (© Fraunhofer IPA)

Bisher gehören auch einfache Routinetätigkeiten zu ihren Aufgaben, die nicht direkt mit den Bewohnern zu tun haben, wie zum Beispiel Hol- und Bringdienste. Entlastung schaffte im vergangenen Monat ein Roboter zur Pflegeunterstützung. Mit Hilfe seines Navigationssystems fährt er zielsicher von Station zu Station und übernimmt lästige Transporte wie die Lieferung von Post, Wäsche oder neuer Getränke. Bedienen lässt sich der Helfer einfach über den am Roboter angebrachten Touchscreen oder über das Smartphone von Frau Petrova.

Auch bei der Versorgung der Senioren mit Getränken unterstützt der Roboter das Pflegepersonal: In den Aufenthaltsräumen verteilt er regelmäßig Wasser an diejenigen Bewohner, die noch nicht ausreichend Flüssigkeit zu sich genommen haben. Die notwendigen Informationen zur Identifikation einzelner Senioren und deren bisheriger Flüssigkeitsaufnahme lädt er dabei über eine verschlüsselte Funkverbindung aus einer Datenbank, in der sowohl der automatische Helfer als auch das Pflegepersonal die bisher ausgegebenen Flüssigkeitsmengen protokollieren.

So oder ähnlich könnten Serviceroboter in Zukunft zur Pflegeunterstützung eingesetzt werden. Welche Aufgaben die Roboter übernehmen könnten, haben Forscher in dem Projekt »WiMi-Care« auf Basis einer Bedarfsanalyse in der stationären Altenpflege herausgefunden. Daraus haben sie beispielhaft zwei Szenarien abgeleitet – den Transport und das Verteilen von Getränken – und in einem ersten Praxistests im Stuttgarter Altenpflegeheim »Parkheim Berg« untersucht. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert Projekt »WiMi-Care« arbeiteten die Universität Duisburg-Essen, die User Interface Design GmbH, die MLR System GmbH und das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA zusammen. Das im November 2008 gestartete Forschungsvorhaben hat eine Laufzeit von drei Jahren. »Primäres Ziel der ersten Testphase war es, die technische Machbarkeit der ausgewählten Szenarien zu verifizieren und ein erstes Feedback bezüglich der Benutzerakzeptanz zu bekommen. Dieses Ziel haben wir erreicht«, erläutert Dr. Birgit Graf, die am Fraunhofer IPA die Gruppe Haushalts- und Assistenzrobotik leitet.

Die Erprobung der Transportfunktion fand dabei auf dem fahrerlosen Transportsystem »CASERO®« der MLR System GmbH aus Ludwigsburg statt. Der Roboterassistent »Care-O-bot® 3«, den Forscher des Fraunhofer IPA entwickelt haben, versorgte die Bewohner des Altenheims mit Getränken. »Der Roboter verfügt über eine mobile Basis, einen Arm und Greifer. So kann er auch für komplexe Handhabungsaufgaben wie zum Beispiel die Bedienung eines Wasserspenders eingesetzt werden«, erläutert Graf. Für die Tests kam eine neue Care-O-bot® 3-Variante zum Einsatz, die in dem EU-Projekts »BRICS« aufgebaut wurde.

Auf Care-O-bot® 3 wurde für die erste Testphase ein vereinfachtes Szenario implementiert, in dem der Roboter einen im Wasserspender befindlichen Becher durch Drücken des Wasserknopfs befüllt, diesen auf seinem Tablett abstellt, über einen Gang in den Aufenthaltsraum fährt und das Wasser an verschiedenen Positionen am Tisch anbietet. »Die Bewohner haben durchweg positiv auf den Roboter reagiert und schnell verstanden, dass sie den Becher vom Tablett nehmen sollen«, erläutert Graf. Einziges Manko: Tatsächlich daraus getrunken haben sie nur selten. Eines der Ziele für die nächste Projektphase besteht nun darin, »den Roboter überzeugender auftreten zu lassen, so dass er nicht nur als Zeitvertreib angesehen, sondern seine Aufforderungen zum Trinken von den Bewohnern auch ernst genommen wird«.

Die nächste Testphase ist für Anfang 2011 angesetzt. Neben der verbesserten Interaktion mit den Benutzern soll bis dahin das Szenario weiter ausgearbeitet und optimiert werden, so dass der Roboter auch mehrere Interaktionszyklen eigenständig, das heißt ohne Steuerung und Überwachung durch die IPA-Mitarbeiter durchführen kann. Außerdem wollen die Forscher bis dahin ein zusätzliches Szenario zur Unterhaltung und Animatation der Bewohner entwickeln, in dem zum Beispiel auf dem Touchscreen Gesellschaftsspiele oder Programme zum Gedächtnistraining gestartet, Musik abgespielt oder Gedichte vorgelesen werden können.

Birgit Graf | Fraunhofer
Weitere Informationen:
http://www.wimi-care.de
http://www.care-o-bot.de
http://www.care-o-bot.de/Videos/Care-O-bot3_Altenheim.wmv

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

nachricht Wie Coronaviren Zellen umprogrammieren
28.04.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten