Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Hobbit" hilft bei der Sturzvermeidung

14.03.2013
Pflegeroboter soll Senioren Lebensqualität daheim sichern

Das Haus der Barmherzigkeit (HB) und die TU Wien haben heute, Donnerstag, mit den ersten Prototypen des Pflegeroboters "Hobbit" präsentiert, der als mobiler Heimassistent älteren Menschen mehr Lebensqualität und Unabhängigkeit sichern soll. Er ist insbesondere darauf angelegt, das Sturzrisiko in den eigenen vier Wänden zu minimieren und im Notfall automatisch Hilfe zu rufen.

"Die häufigsten Gründe für Heimeinweisungen sind die Angst vor Stürzen beziehungsweise deren Folgen", erklärt Projektinitiator und HB-Institutsdirektor Christoph Gisinger den Hintergrund der Entwicklung. Damit der Hobbit http://hobbit-project.eu wirklich breite Anwendung finden kann, strebt das Team, dem auch internationale Partner angehören, für den Pflegeroboter letztlich einen Preis von unter 5.000 Euro an.

Unabhängigkeit statt Kosten

Gerade ältere Menschen erleiden oft Stürze, die ihre Lebensqualität zeitweilig oder dauerhaft mindern und zudem für die Allgemeinheit teuer sind. "International sind sechs Prozent der Gesundheitskosten auf Sturzfolgen von Seniorinnen und Senioren zurückzuführen", so Gisinger. Ein großes Problem sind zusätzliche Komplikationen, die oft dadurch entstehen, dass Sturzopfer länger unentdeckt bleiben und verspätet medizinische Hilfe bekommen. Bisherige Hilfsmittel zur Sturzerkennung stoßen aber auf wenig Akzeptanz, da sie entweder eine aufwendige Installation oder ein am Körper getragenes Gerät erfordern.

Der Roboter Hobbit soll Abhilfe schaffen, laut Gisinger als "ein Gerät, das man einfach kauft wie einen Staubsauger und das nicht mehr benötigt als eine Steckdose zum Aufladen". Bei der Entwicklung wurde die Zielgruppe von Anfang an mit einbezogen, um wirklich ihren realen Bedürfnissen zu entsprechen. "Das steigert die Akzeptanz", betont Alexandra Schmid, Leiterin der HB-Akademie für Altersforschung. So hat sich zum Beispiel gezeigt, dass Senioren, aber auch Betreuungspersonen eine annähernd humanoide Form mit Gesicht bevorzugen und auch, dass für die Außenhülle eher kuschelige Materialien sinnvoll sind.

Ausbaubar vielseitig

Schon die in einer wohnungsähnlichen Umgebung getesten ersten Prototypen sind vielseitig. So können Benutzer den Hobbit per Touchscreen, Sprachbefehl oder auch über Gesten steuern. "Letztere sind momentan noch sehr einfach", sagt Projektkoordinator Markus Vincze von der TU Wien. In einer Demonstration hat das Team gezeigt, wie der Roboter dank Greifarm Gegenstände vom Boden aufhebt. "Zur Vermeidung von Stürzen sollte der Boden in der Wohnung immer aufgeräumt sein", betont Vincze. Da der eigentliche Greifer leicht flexibel ist, kann er dabei auch zerbrechliche Objekte wie Tassen anfassen.

Der Roboter ist in der Lage, wichtige Gegenstände wie den Schlüsselbund des Nutzers durch 3D-Scan zu erlernen, um ihn dann auf Aufforderung hin zu suchen. Hier zeigt sich, dass es noch viel Verbesserungspotenzial gibt. Denn der aktuelle Greifarm kann zwar Objekte vom Boden und von Tischen holen, aber nicht von höheren Regalen - was für Senioren auch sehr hilfreich wäre. Damit der Hobbit kein reines Werkzeug ist, sondern wirklich ein Begleiter, bietet er aber auch diverse Zusatzfunktionen wie Unterhaltung durch Musik, Videos oder Spiele sowie Internetzugriff.

Hilfe wenn nötig, nicht nur für Senioren

Natürlich können Nutzer mit dem Pflegeroboter auch telefonieren - immerhin muss er in der Lage sein, bei Bedarf auch wirklich Hilfe zu rufen. Mittels Bildverarbeitungstechnologie Technologie des Projektpartners Foundation for Research and Technology Hellas http://www.forth.gr soll er erkennen, ob der Benutzer gestürzt ist. Gisinger betont, dass der Hobbit zur Vermeidung von Fehlalarmen praktisch nachfragt und der User zu verstehen geben kann, dass er eigentlich keine Hilfe braucht. Noch in Arbeit ist laut Vincze, dass der Roboter seinen Benutzer auch aktiv sucht, wenn er nicht zu sehen ist.

Den ersten Tests in Wien werden nun weitere in Griechenland sowie an der Universität Lund http://www.lunduniversity.lu.se folgen. Dabei stehen zwar insbesondere Nutzer über 70 Jahren im Vordergrund, doch könnten von der Entwicklung auch andere Risikogruppen wie beispielsweise Cerebralparetiker profitieren. "Alarm- und Alltagsnutzen sind ja unabhängig vom Alter", betont Gisinger gegenüber pressetext. Abzuwarten bleibt, ob der Hobbit letztlich auch gleich als Gehhilfe wird dienen können - bei den bisherigen Prototypen hat man darauf aus Kostengründen verzichtet.

Thomas Pichler | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.hausderbarmherzigkeit.at
http://www.tuwien.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Nano-CT-Gerät liefert hochauflösende Aufnahmen von winzigem Stummelfüßer-Bein
07.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Neues Verbundprojekt erforscht die neurodegenerative Erkrankung Morbus Alzheimer
12.09.2017 | Universitätsklinikum Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte