Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschliche Kognition wird per Roboter erforscht

06.04.2009
Gewonnene Erkenntnisse können Künstliche Intelligenz verbessern

Forscher am Imperial College London haben sich zum Ziel gesetzt, mithilfe des humanoiden Roboters "iCub" die menschliche Kognition besser zu verstehen. Das ist der Erkenntnisprozess, der Bewusstsein, Wahrnehmung, Denken und Entscheidungsfindung umfasst. Doch die Forschung ist auch für die technische Entwicklung sehr interessant.

"Ich bin der Ansicht, dass eine ausreichend gute Kognitions-Theorie für eine Umsetzung mit Computern und Robotern zugänglich sein sollte", meint Murray Shanahan, Professor für Informatik an Imperial College London, gegenüber pressetext. Langfristig dürften die mithilfe von iCub gewonnen Erkenntnisse über den menschlichen Verstand also auch Künstlichen Intelligenzen zugute kommen.

"Ich denke, dass wir Roboter wie in der Science Fiction bislang nicht fertigen können, liegt im Wesentlichen daran, dass wir keine adäquate Kognitions-Theorie haben", sagt Shanahan. Genau das könnte sich durch das Projekt ändern, das er mit Kollegen in Angriff genommen hat. Die Idee der Forscher ist, dass der Roboter iCub zum Studium des menschlichen Verstandes geeignet ist, weil er Hände, Arme, Finger, Beine und Augen ähnlich wie ein Mensch bewegen kann. Denn die Kognition erleichtert in der Natur dem Menschen die Interaktion mit seiner Umwelt. "Wenn wir die Natur der Kognition besser verstehen wollen, müssen wir sie also im Kontext von etwas verstehen, das sich bewegt und mit Objekten interagiert", erklärt Shanahan.

Konkret werden die Forscher das Gehirn im Computer simulieren und dabei die Kommunikation der Neuronen durch kurze elektrische Signale nachstellen. Diese Gehirn-Simulation wird mit dem iCub verbunden. Der Roboter kann damit Information über seine Umwelt verarbeiten und seine Extremitäten für einfache Aufgaben wie das Heben oder Bewegen eines Balles ansteuern. So wollen die Wissenschaftler ihre Theorien über die Kognition überprüfen. "Wenn wir das mithilfe von Robotern schaffen, sind wir wohl einen Schritt näher daran wirklich ein Verständnis zu entwickeln, wie wir funktionieren", betont Shanahan.

Mit einem besseren Verständnis des menschlichen Erkenntnisprozesses dürfte die Möglichkeit einhergehen, ausgereiftere Roboter zu entwickeln. Das könnte etwa intelligentere Fabriksysteme umfassen, die vielseitiger für verschiedene Aufgaben eingesetzt werden können. Doch auch die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine steht bei der Forschung im Vordergrund. So sollen Programme entwickelt werden, damit iCub gemeinsam mit einem Menschen Aufgaben wie etwa den Zusammenbau eines Lego-Schlosses ausführen kann. "Wir sind sehr daran interessiert, Roboter einfühlender zu machen", betont der Robotiker Yiannis Demiris. Die aktuelle Forschung könne dazu beitragen, langfristig Roboter zu schaffen, die etwa erkennen, wenn ein Mensch Hilfe beim Heben schwerer Lasten braucht oder zu krank ist, Hausarbeiten selbst zu erledigen.

Bis solche Roboter Realität werden, wird es aber noch dauern. In drei bis fünf Jahren rechnen die Briten mit ersten aussagekräftigen Resultaten aus den iCub-Experimenten und auch diese könnten nur einen ersten Schritt darstellen. "Wann die wissenschaftliche Gemeinschaft- ob mit iCub oder zukünftigen Robotern - die Art Kognitions-Theorie findet, die ich mir vorstelle, bleibt abzuwarten", meint Shanahan abschließend.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.imperial.ac.uk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Mit Nanopartikel-Tandems gegen den Herzinfarkt
01.12.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Virtuelle Realität für Bakterien
01.12.2017 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik