Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kamerasystem sagt menschliches Verhalten voraus

15.01.2010
Computer-Analyse auf drei Ebenen verspricht große Flexibilität

Europäische Forscher arbeiten mit HERMES (Human Expressive Graphic Representation of Motion and their Evaluation in Sequences) an einem kognitiven System, das Videokameras und Software nutzt, um menschliches Verhalten zu analysieren und vorherzusagen. Durch das Erkennen ungewöhnlicher Verhaltensmuster wäre es beispielsweise möglich, die Stationsaufsicht zu warnen, wenn in der U-Bahn eine Person den Gleiskörper betritt.

Das Projekt setzt zunächst auf statische Kameras für Aufnahmen eines großen Umgebungsbereichs. "Damit finden wir bei geringer Auflösung anomales Verhalten wie lauernde Bewegungsmuster ohne klare Richtung", erklärt Xavier Roca, Direktor des Fachbereichs Informatik an der Autonomen Universität Barcelona (UAB), im pressetext-Interview. Mit zusätzlichen Schwenk-Neige-Zoom-Kameras kann eine genauere Analyse auf drei Detailebenen erfolgen. Außerdem verfolgt HERMES das Ziel, das beobachtete Verhalten sprachlich zu beschreiben.

Lernfähiges Analysesystem

Überwachungslösungen mit Bildanalyse wurden zwar schon vielerorts erprobt und werden etwa von KiwiSecurity http://kiwi-security.com bereits kommerziell angeboten. "Der große Unterschied ist, dass solche Projekte zum Entdecken ungewöhnlichen Verhaltens bestimmte Marker nutzen und z.B. darauf achten, ob sich jemand in eine verbotene Richtung bewegt", sagt Roca. HERMES dagegen soll durch viele Beobachtungen im Laufe der Zeit lernen, immer genauer einzuschätzen, was normale und was auffällige Bewegungsmuster sind.

"Bei Auffälligkeiten versuchen die Algorithmen für ein besseres Bild heranzuzoomen", so der Informatiker. Dazu kommen die Schwenk-Neige-Zoom-Kameras zum Einsatz. Ziel ist es, einzelne Körperteile zu analysieren, um beispielsweise Schlagbewegungen zu erkennen. Als höchste Detailstufe soll das System auch den Gesichtsausdruck von Personen studieren und beurteilen, ob beispielsweise jemand beunruhigt wirkt. "Alle drei Ebenen liefern Warnsignale für mögliche Gefahrensituationen, die ein Operator dann bestätigen müsste", meint Roca.

Sprachliche Beschreibung

"Ein Ziel des Projekts ist auch, sprachliche Beschreibungen des beobachteten Verhaltens zu liefern", betont der Wissenschaftler. Dabei sollen Handlungen mit kurzen, präzisen Phrasen sprachlich abstrahiert werden. Die Textbausteine können dann in Echtzeit gemeinsam mit Informationen, zu welchem Video-Frame sie gehören, auf einem Bildschirm ausgegeben werden.

Außerdem streben die Forscher an, dass virtuelle Avatare die Situationsbeschreibungen auch ansagen und das möglichst mit einem jeweils passenden Gesichtsausdruck. "Ein weiteres Ziel sind Erklärungen in Bildsprache. Das bedeutet in unserem Fall eine virtuelle Umgebung zur Darstellung synthetisierter Verhaltensabläufe, welche die konzeptionellen Beschreibungen wiedergeben", so Roca abschließend.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.hermes-project.eu
http://www.uab.cat/english/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden
26.04.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Bergamoten – Verlockung und Verhängnis für Tabakschwärmer
21.04.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie