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Der interaktive Bilderrahmen vernetzt Senioren besser mit Familienmitgliedern

20.04.2011
Ein interaktiver Bilderrahmen kann maßgeblich zur besseren sozialen Vernetzung und Internetkommunikation von Senioren mit ihren entfernt lebenden Familienangehörigen beitragen. Die Fachgebiete Kommunikationstechnik und Mensch-Maschine-Systemtechnik der Universität Kassel entwickeln ein Softwaresystem zur Unterstützung von Senioren.

Schließlich führen die hohe berufsbedingte Mobilität der erwerbstätigen Bevölkerungsgruppe und der demographische Wandel auch zu veränderter Kommunikation und Kontaktpflege im Familien- und Freundeskreis.

Die Entwicklungen der Informations- und Kommunikationstechnik der letzten Jahrzehnte, wie zum Beispiel Seniorenhandys und private Internetanschlüsse, unterstützen heute auch ältere Menschen bei der Kommunikation innerhalb der Familie und über größere räumliche Distanzen hinweg, haben aber auch noch einige Einschränkungen. Problematisch an bisherigen technischen Lösungen sind z. B. nicht vorhandene oder schlecht nutzbare Videokommunikation, hohe Kosten und Störungsanfälligkeit.

In einer Vorstudie mit Nutzern im Seniorenalter wurde festgestellt, dass diese die Perspektive ein technisches System zu nutzen, das die Möglichkeit bietet, mit entfernt lebenden Familienmitgliedern besser in Kontakt zu bleiben, positiv einschätzen.

Um das Bedürfnis älterer Nutzer nach intensiverem Kontakt auch mit weiter weg lebenden Verwandten aufzunehmen und auf ihre Anforderungen an technische Geräte einzugehen, entwickeln die Fachgebiete Kommunikationstechnik (Prof. Dr.-Ing. Klaus David) und Mensch-Maschine-Systemtechnik (Prof. Dr.-Ing. Ludger Schmidt) ein technisches System, das die Kommunikation von Senioren mit ihren Angehörigen erleichtert.

Die Vorteile der von den Fachgebieten der Universität Kassel entwickelten Lösung sind die unkomplizierte Nutzung durch eine einfache Bedienoberfläche, die Integration einer Videoübertragung in einen wohnzimmertauglichen Bilderrahmen und die Möglichkeit, die Gesprächsbereitschaft und aktuelle Situation, in der sich die Verwandten befinden mit zuverfolgen.

Damit ältere Menschen an dem Tagesablauf ihrer Verwandten oder anderer nahe stehenden Personen mittels des „Bilderrahmens“ teilhaben können, werden Informationen - so genannte Kontexte - über diese Personen mitgeteilt. Diese Kontexte geben dabei z. B. an, ob die betreffende Person gerade allein ist, an welchem Ort sich die Person gerade befindet, z. B. an der Arbeit, zu Hause oder beim Einkaufen, oder geben Auskunft darüber, ob die Person zurzeit ansprechbar ist oder nicht.

Die Kontexte werden dabei mit Hilfe so genannter Smartphones, die von den Personen mitgeführt werden und aus unserem jetzigen Leben kaum noch wegzudenken sind, automatisch erfasst. Konkret werden dabei in heutigen Smartphones befindliche Sensoren, wie z. B. GPS (Global Positioning System), WLAN und Kalenderdaten etc. abgefragt und deren Werte anschließend interpretiert. Somit ist es z. B. möglich, mit Hilfe des GPS-Sensors den aktuellen Aufenthaltsort einer Person aus den Längen- und Breitengradinformationen herzuleiten. Der interaktive Bilderrahmen, der Zugriff auf diese Informationen hat, zeigt den Kontext der Person anschließend an.

Um zu bestimmen, ob eine Person ansprechbar ist, wird auf das aktive Klingeltonprofil des Smartphones der Person zugegriffen. Ist dieses z. B.

auf lautlos gestellt, so wird der aktuelle Erreichbarkeitsstatus als nicht ansprechbar angegeben. Mit Hilfe eines Bluetooth-Sensors innerhalb des Smartphones und dem Kalender der Person, der ebenfalls über das Smartphone verfügbar ist, kann bestimmt werden, ob die entsprechende Person alleine oder in Gesellschaft ist. Befinden sich weitere Smartphones von anderen Personen mit Bluetooth in der Nähe oder ist zum aktuellen Zeitpunkt ein Meeting im Kalender der Person hinterlegt, so ist die betreffende Person aller Wahrscheinlichkeit nach nicht alleine und ein entsprechender Hinweis wird im Bilderrahmen angezeigt.

Als weiterer grundlegender Kontext kann durch die Person, die das Smartphone mit sich führt, eine Nachricht für den Senioren hinterlegt werden. Dabei tippt die Person einen freien Text in ein entsprechendes Feld im Smartphone. Anschließend erscheint die Nachricht neben dem Foto der Person im Bilderrahmen. Dies bietet die einfache Möglichkeit, weiterführende Statusmeldungen, wie z. B. „bin gerade im Stau und verspäte mich“, an die Senioren mitzuteilen.

Testpersonen gesucht
Um die Frage der Akzeptanz eines solchen Systems zu beantworten, werden von den Fachgebieten Kommunikationstechnik und Mensch-Maschine-Systemtechnik Senioren gesucht, die bereit sind an einer Studie teilzunehmen und die Gebrauchstauglichkeit zu testen. Der Zeitaufwand beträgt etwa eine Stunde. Die Veranstaltung findet in der Universität Kassel, Holländischer Platz, statt. Weitere Informationen erhalten Sie bei Sebastian Hoberg, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Mensch-Maschine-Systemtechnik.

Info Sebastian Hoberg, M. Sc.
tel (0561) 804 7081
fax (0561) 804 3542
Universität Kassel
Fachgebiet Mensch-Maschine-Systemtechnik Fachbereich Maschinenbau

Ruth Bippig | Universität Kassel
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

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