Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zukunftsfragen der Gesellschaft

14.03.2002


VolkswagenStiftung richtet neue Förderinitiative ein zu "Zukunftsfragen der Gesellschaft" - als erster Baustein unter diesem Dach wird ein "Brückenprogramm zwischen Wissenschaft und Praxis in der Transformation des Sozialstaates" ausgeschrieben

Die Menschheit steht vor einer Fülle von Herausforderungen, wenn es darum geht, Lösungen für die ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Probleme zu finden. "Zukunftsstreit" hieß im Expo-Jahr 2000 eine Veranstaltungsreihe der VolkswagenStiftung, bei der sich namhafte Wissenschaftler mit entsprechenden Fragenstellungen beschäftigten. Dass die VolkswagenStiftung sich auf diesem Gebiet engagiert, entspricht ganz ihrem Selbstverständnis. Denn als größte private wissenschaftsfördernde Einrichtung in Deutschland mit starker internationaler Ausrichtung sieht sie sich gerade auch dort in der Pflicht, wo Politik, Wissenschaft und Gesellschaft mit Recht Unterstützung von der Wissenschaft erwarten können.

Aus diesem Grund richtet die Stiftung anlässlich ihres 40. Arbeitsjubiläums eine neue Förderinitiative ein: das Programm "Zukunftsfragen der Gesellschaft - Analyse, Beratung und Kommunikation zwischen Wissenschaft und Praxis".

Hinter der Initiative steht die Erkenntnis, dass Entwicklungen im Großen und notwendige Strukturen zu deren Bewältigung im Kleinen nicht immer harmonieren: So ist etwa in Deutschland im Unterschied zu vergleichbaren Ländern der Durchfluss von Wissen als auch der Austausch von Personen zwischen den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung zu schwach entwickelt. Diese Mängel wirken sich umso ungünstiger aus, als Lösungen für zum Beispiel gesellschaftspolitische Probleme einerseits schwer zu finden sind, zum anderen aber auch deren Umsetzung nicht zuletzt bei der Vielzahl widerstreitender Interessen nicht immer leicht ist. Ziel der neuen Förderinitiative ist es, auf der Grundlage anwendungsorientierter Forschung gesellschaftlich-politische Lernprozesse unter Einschluss von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit anzuregen und neu zu organisieren. Es gilt, Kooperationen anzustoßen zwischen Wissenschaft und Praxis, die wechselseitiges Verständnis schaffen und als Lern und Kommunikationsprozesse dauerhaft Wirkung entfalten. "Institutionelles Lernen" lautet hier das Schlüsselwort.

Die Initiative zielt insbesondere auf jüngere Personen, um so die Basis zu schaffen für ein dauerhaftes wechselseitiges Verständnis zwischen Wissenschaft und Praxis und deren unterschiedlichen "Kulturen". Oder anders gesagt: Es geht darum, der wachsenden "Versäulung" und gegenseitigen Abschottung von Karrieremustern ein Stück weit abzuhelfen.

Das Rahmenkonzept ist thematisch und instrumentell offen, entsprechende Brückenschläge zwischen Wissenschaft und Praxis sind also nicht von vornherein festgeschrieben. Einige mögliche Beispiele zum besseren Verständnis: So wäre bei der Bearbeitung gesellschaftspolitischer Fragen etwa an die "klassischen" Systeme der sozialen Sicherung zu denken. Zu den Zukunftsfragen in alternden Gesellschaften gehören auch die Bildungs-, die Familien- und die Zuwanderungspolitik. Neben solchen Politikfeldern können auch der Wandel in Entscheidungsstrukturen und dem Institutionensystem Untersuchungsgegenstand sein: Beispiele dafür sind die Politikverflechtung zwischen der EU und den einzelnen Mitgliedsstaaten oder das Potenzial an Selbstkoordinierung, das sich entwickelt, wenn der Staat einzelne Leistungen nicht mehr selbst anbietet und an seiner Stelle private Dritte - etwa in der Daseinsvorsorge oder im sozialen Bereich - öffentliche Verantwortung übernehmen (müssen).

Im Rahmen der neuen Förderinitiative wird als Erstes ganz konkret ein "Brückenprogramm zwischen Wissenschaft und Praxis in der Transformation des Sozialstaates" ausgeschrieben. Hier geht es gerade darum, die überkommene Abschottung zwischen den Karrieremustern von jungen Wissenschaftlern auf der einen und jungen "Praktikern" auf der anderen Seite bereits in frühen Jahren zu Gunsten von "Schnittstellen-Biografien" aufzulockern. Daher richtet sich das Angebot einmal an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nach ihrer Promotion Erfahrungen etwa in der Ministerialverwaltung oder entsprechenden Großorganisationen sammeln wollen. Andererseits sollen sich Praktiker im Alter von etwa 30 bis 40 Jahren projektbezogen in Einrichtungen der problemorientierten Grundlagenforschung eine vertiefte oder neue Orientierung erarbeiten können.

Arbeitsgegenstand dieses Brückenprogramms sind die Probleme der Sozialstaatstransformation mit Blick insbesondere auf den deutschen Sozialstaat, der sich seit Ende der 1980er Jahre starken Zerreißproben ausgesetzt sieht.

Den Grundbaustein des Brückenprogramms bilden in der Regel einjährige Fellowships für die beiden Zielgruppen. Angesprochen sind Betriebs- und Volkswirte, Politologen, Soziologen, Juristen, aber auch Historiker, Sozialpsychologen oder Sozialpädagogen sowie Praktiker mit entsprechenden wissenschaftlichen Abschlüssen. Je Gastaufenthalt werden einschließlich Personal-, Reise- und anderen Sachmitteln circa 70.000 bis 80.000 Euro pro Jahr bereitstehen. Eine erste Ausschreibung des Brückenprogramms soll Mitte 2002 erfolgen.

Kontakt VolkswagenStiftung

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 05 11/83 81 - 380, E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

neue Förderinitiative
Dr. Alfred Schmidt
Telefon: 05 11/83 81 - 237, E-Mail: schmidt@volkswagenstiftung.de

Christian Jung | idw

Weitere Berichte zu: Abschottung Förderinitiative Sozialstaat Zukunftsfrage

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Bergamoten – Verlockung und Verhängnis für Tabakschwärmer
21.04.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt
19.04.2017 | Forschungszentrum Jülich GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung