Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wolkenwirbel mit Bergen und Schluchten

01.02.2007
Am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen der Universität Heidelberg werden aus zweidimensionalen Aufnahmen des aktuellen Wettergeschehens dreidimensionale Bilder und kurze Filme - Orkantief Kyrill zeigt sich so als äußerst strukturiertes Wolkengebilde

Die Wettervorhersage im Fernsehen besteht schon längst nicht mehr nur aus Karten, welche die Verteilung der Hoch- und Tiefdruckgebiete zeigen. Bilder oder kurze Filme zur rasanten Ausbreitung von Sturmtiefs oder Wirbelstürmen gehören schon seit einiger Zeit zum Repertoire einer guten Wetterprognose. Und der Zuschauer bekommt dadurch natürlich einen viel besseren Eindruck über die Größe und Kraft eines Orkans.

Was aber bei der zweidimensionalen Darstellung der Bilder und Filme fehlt, ist die Ausdehnung der Wolken in der Höhe. Das gelingt eigentlich erst durch eine dreidimensionale Darstellung, doch dafür liefern die Wettersatelliten bisher keine Daten. Deshalb hat Somporn Chuai-Aree vom Interdisziplinären Zentrum für wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg die Bildverarbeitungs-Software "Virtual Cloud 3D" entwickelt, die es ermöglicht aus den zweidimensionalen Bildern, die beispielsweise Meteosat alle 15 Minuten liefert, dreidimensionale Darstellungen in Form einzelner Bilder oder ganzer Filme zu zaubern.

Dazu benutzt der aus Thailand stammende Mathematiker die Farben der Wolken, die Auskunft geben über die Wolkendichte beziehungsweise deren vertikale Ausdehnung. Je heller ein Wolkenfeld auf dem Bild erscheint, desto dichter ist es und dementsprechend dehnt es sich weiter in der Höhe aus. Insgesamt werden so bis zu 50 Lagen in unterschiedlicher Höhe berechnet. Selbstverständlich ist damit keine exakte dreidimensionale Darstellung von Wolken möglich, jedoch ist es eine kostengünstige und schnelle Möglichkeit sich zusätzliche Informationen über kommende Wetterereignisse zu verschaffen.

... mehr zu:
»IWR »Orkan »Schlucht »Wolke »Wolkenwirbel

So wird beispielsweise deutlich wie sich allmählich ein riesiger Wolkenwirbel über eine tiefer liegende Wolkendecke schiebt oder wie vielschichtig das erst kürzlich über Deutschland hinwegfegende Orkantief Kyrill (http://www.schuai.net/VirtualWave3D/Kyrill) aufgebaut war. Da werden innerhalb des Wolkenwirbels steile Wolkengipfel oder Täler und Schluchten sichtbar. Einzelne Bereiche können vergrößert werden und so lässt sich erahnen wie beispielsweise Nordbaden von immer neuen Orkanböen durchzogen wurde. Durch das Drehen der Bilder ist es zusätzlich ein Leichtes einen Orkan wie Kyrill von allen Seiten zu betrachten.

Eine Vorhersage ist damit natürlich nicht möglich. Da die Erstellung der dreidimensionalen Bilder und Filme aber nur wenige Sekunden in Anspruch nimmt, lässt sich zumindest eine Vorstellung darüber gewinnen, was in den nächsten Stunden etwa bei einem Orkan auf einen selbst zukommen wird.

Für Somporn Chuai-Aree ist das Programm Virtual Cloud 3D eher ein Hobby, denn in seiner wissenschaftlichen Arbeit widmet er sich in der Abteilung von Professor Willi Jäger am IWR der Modellierung, Simulation und Visualisierung von Pflanzenwachstum. Das Hobby Wetter und alles was damit zusammen hängt nimmt im Leben von Somporn Chuai-Aree aber schon einen größeren Raum ein, denn neben der dreidimensionalen Darstellung von Wolken hat Chuai-Aree etwa eine 3D-Software zur Ausbreitung von Wellen im Golf von Thailand entwickelt. Diese Software findet schon ihre Anwendung beim Thai Marine Meteorological Center. "Die Informationen über die Wellenhöhe sind für die dortigen Fischer sehr wichtig", erläutert der junge Wissenschaftler Chuai-Aree. Vielleicht gibt es aber auch für die Internetnutzer in Deutschland bald einen besonderen Service durch das IWR, denn Professor Willi Jäger kann sich durchaus vorstellen, dass mit "Virtual Cloud 3D" in Zukunft auf einer speziellen Internetseite die aktuelle Wolkenlage dreidimensional dargestellt wird.

Stefan Zeeh

Rückfragen bitte an:
Prof. Willi Jäger
Interdisziplinäres Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 368, 69120 Heidelberg
Tel. 06221 548235
jaeger@iwr.uni-heidelberg.de
Allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse
Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de/
http://www.schuai.net/VirtualWave3D/Kyrill

Weitere Berichte zu: IWR Orkan Schlucht Wolke Wolkenwirbel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Speiseröhrenkrebs einfacher erkennen
06.03.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise