Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Geisterwolken“ enttarnt

31.10.2006
Karlsruher Wissenschaftler nehmen Stellung zu viel diskutiertem Thema „Geisterwolken über Deutschland“ – so lautete die Schlagzeile, die im Juli 2005 durch die Medien ging.

Damals war über Norddeutschland ein Phänomen aufgetreten, dass sehr viel Aufregung verursachte: Am 19. Juli hatten Radargeräte Echos gemeldet, die offensichtlich nicht von Wolken oder Niederschlag kommen konnten. Ein Bericht in den Mitteilungen der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft hatte daraufhin von so genannten „unbekannten Flugobjekten im RADAR-Bild“ gesprochen. Der Autor Jörg Asmus vermutete, das Phänomen sei auf so genannte Düppel (englisch „Chaff“) zurückzuführen.

Dieses Material setzt das Militär ein, um gegnerische Radargeräte zu täuschen. Professor Dr. Klaus Dieter Beheng und Dr. Ulrich Blahak vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung der Universität Karlsruhe/Forschungszentrum Karlsruhe haben nun eine Stellungnahme zu diesem Thema in den Mitteilungen der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft veröffentlicht. „Wir möchten die Diskussion mit dieser Unversuchung versachlichen“, erklärt Beheng.

I n ihrer Untersuchung haben die Karlsruher Wissenschaftler Hypothesen geprüft und Literatur zu Erfahrungen mit Düppeln ausgewertet. Beheng: „Wir sind ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass nur Düppel diese Radarechos hervorgerufen haben können.“ Dies sei nicht ungewöhnlich, sondern komme gelegentlich vor. In Friedenszeiten verwendet das Militär dieses Material für Übungen. Dabei handelt es sich laut Beheng um unterschiedlich lange, metallummantelte Kunststofffasern von der Dicke eines Haares.

... mehr zu:
»Radargerät »Wolke

Deren Zweck: Trifft ein Radarstrahl eine solche Faser, sendet diese einen Teil der Strahlung sehr effektiv zurück, sofern ihre Wellenlänge ungefähr im Bereich der halben Wellenlänge der Radarstrahlung liegt. Somit empfängt das Radargerät ein „falsches“ Echo. Neben dem Militär verwenden auch Meteorologen Düppel – zum Beispiel, um die Strömungen im Innern von Wolken zu untersuchen.

Um die Vermutung, deutsche Militärflugzeuge hätten die Düppel abgeworfen, zu prüfen, fragte Beheng bei der Bundeswehr nach. „Die Auskunft war, dass zur fraglichen Zeit im betroffenen Bereich keine deutschen Luftwaffenübungen stattfanden.“ Da das Radarecho zunächst über dem Ärmelkanal sichtbar war und sich anschließend nach Osten ausdehnte, vermutet Beheng, dass es von ausländischen Militärflugzeugen verursacht wurde.

Außerdem haben die Karlsruher Wissenschaftler berechnet, welche Menge Düppel für das beobachtete Phänomen nötig war. „Wir gehen davon aus, dass maximal 270 Kilogramm Düppel freigesetzt wurden“, erklärt der Meteorologe. Dies sei keine ungewöhnliche Menge – in der Presse war 2005 hingegen über Mengen bis zu mehreren Tonnen Düppel spekuliert worden.

Ob Düppel gesundheitsschädlich sind, dazu sagt die Untersuchung von Professor Beheng nichts aus: „Dies ist Sache von Toxikologen.“ Ein Problem allerdings sieht der Wissenschaftler: Nicht nur militärische Radargeräte werden durch Düppel getäuscht, sondern auch Wetterradargeräte. Vermischt sich Düppel beispielsweise mit Wolken, könne man nicht mehr zwischen natürlichen und künstlichen Radarechos unterscheiden.

Einen umfassenden Bericht über die Arbeit von Professor Beheng und Dr. Blahak zum Phänomen „Geisterwolken“ finden Sie im Internet unter http://www.dmg-ev.de/gesellschaft/aktuelles/pdf/chaff_20050719_presse_final.pdf

Weitere Informationen:
Angelika Schukraft
Presse und Kommunikation
Universität Karlsruhe (TH)
Telefon: 0721/608-6212
Email: schukraft@verwaltung.uni-karlsruhe.de

Dr. Elisabeth Zuber-Knost | Universität Karlsruhe (TH)
Weitere Informationen:
http://www.uni-karlsruhe.de

Weitere Berichte zu: Radargerät Wolke

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Verbundprojekt erforscht die neurodegenerative Erkrankung Morbus Alzheimer
12.09.2017 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Damit sich Mensch und Maschine besser verstehen
04.09.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops