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Neuer Sonderforschungsbereich an der Universität Trier

06.12.2001


"Fremdheit und Armut. Formen der Inklusion und Exklusion von der Antike bis zur Gegenwart". Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt 2 Millionen: Trierer "SFB" ist einziger im Bereich der Kultur- und Geisteswissenschaften

"Fremdheit und Armut. Formen der Inklusion und Exklusion von der Antike bis zur Gegenwart" - das ist der Titel eines neuen Sonderforschungsbereichs, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft zum 1. Januar 2002 an der Universität Trier einrichten und mit etwa 2 Millionen DM jährlich unterstützen wird. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fächern Geschichte, Kunstgeschichte, Rechtsgeschichte und Soziologie werden sich während der nächsten drei Jahre in elf verschiedenen Projekten dieser aktuellen Thematik zuwenden. Bei Sonderforschungsbereichen ist eine mehrfache Verlängerung auf bis zu zwölf Jahren möglich.

Unter den 13 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft jetzt neu bewilligten Sonderforschungsbereichen ist der Trierer "SFB" der einzige aus dem Bereich der Kultur- und Geisteswissenschaften. Auch dies spricht für die Bedeutung und Qualität dieses neuen Sonderforschungsbereichs. Zugleich stellt die Bewilligung für Trier eine Anerkennung der international beachteten Arbeit des zu Ende gehenden SFB 235 "Zwischen Maas und Rhein" dar. Für die Universität Trier und die Kultur- und Geisteswissenschaften an dieser Universität ist die Neubewilligung eines Sonderforschungsbereichs ein großer Erfolg.

Der Trierer Sonderforschungsbereich greift eine aktuelle Thematik in weiter historischer Perspektive auf. Erhöhte Mobilität und Migration, Globalisierung und Kommunikationsrevolution haben heute den Umgang mit Fremden und die Frage der Solidarität mit den Armen zu einem zentralen Feld der öffentlichen Auseinandersetzung gemacht.
Arme und Fremde verbindet aber nicht erst in der Gegenwart, sondern über die Epochen hinweg eine sehr ambivalente Bewertung durch die Gesellschaft: Der Fremde ist zum Beispiel nicht nur der unwillkommene Eindringling von außen, er ist auch der Gast, der Informant über die Welt jenseits des eigenen Horizonts oder die wichtige Arbeitskraft.

Jede Gesellschaft steht vor dem Problem, gesellschaftliche Solidarität organisieren, ihr aber auch Grenzen setzen zu müssen. In den sozialen Auseinandersetzungen über die Chancen und die Teilhabe an dieser Solidarität wird unter anderem auf symbolischer Ebene darüber gestritten, wie die eigene gesellschaftliche Ordnung wahrgenommen wird und gedeutet werden sollte. Die Hilfe für Arme, Alte und Kranke, für Witwen und Waisen kann ins Zentrum des Selbstverständnisses von Gesellschaften als Solidargemeinschaften rücken oder - wie in der griechisch-römischen Antike - ganz aus dem Bereich öffentlicher Aufgaben ausgegrenzt bleiben. Am Beispiel des Wandels der Inklusions- und Exklusionsformen von Armen und Fremden geht es dem neuen Sonderforschungsbereich daher um Grundlagenforschung im Schnittpunkt einer Sozial- und Kulturgeschichte Europas. Der weite zeitliche und räumliche Horizont von der griechisch-römischen Antike bis zur Gegenwart legt dabei Brüche und Kontinuitäten im gesellschaftlichen Umgang mit Fremden und Armen frei. Der Vergleich vorchristlich-antiker und christlicher Gesellschaften eröffnet wichtige Dimensionen für das Verständnis unserer Gegenwart.

Sprecher: Prof. Dr. Andreas Gestrich, Fachbereich III, Neuere Geschichte, Tel.: 0651/2012188

Heidi Neyses | idw

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