Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kompakte Rechner für Raumfahrtmissionen

21.11.2001


Prof. Dr. Harald Michalik ist der erste Inhaber der Professur "Kompaktrechner für die Raumfahrt" an der Technischen Universität Braunschweig. Bei der Finanzierung seiner Professur geht die TU völlig neue Wege: Sie wird nämlich komplett aus eigenen Drittmitteln finanziert, die das Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze (an dem die Arbeitsgruppe angesiedelt ist) dafür aufbringen konnte.

Nicht minder außergewöhnlich ist das Forschungsgebiet von Prof. Michalik. Er befasst sich nämlich mit der Entwicklung von Computersystemen, die auf Weltraumsonden zum Einsatz kommen. Diese steuern komplexe wissenschaftliche Satelliteninstrumente, wie Kameras zur Erdbeobachtung oder zur Planetenerkundung. Der Einsatz im Weltraum stellt besondere Anforderungen an solche Rechner. Sie müssen klein und leicht sein und dürfen nur wenig Energie verbrauchen. Den im Weltraum herrschenden Bedingungen müssen sie standhalten: Für den Menschen tödliche Strahlungen dürfen ihnen daher ebenso wenig anhaben wie extreme Temperaturschwankungen. Zudem sollen sie sehr zuverlässig arbeiten. "Bei Weltraummissionen darf man sich einfach keine Fehler leisten", so Prof. Michalik, "ein Grund, warum man in der Raumfahrrtechnik bisher auf bewährte Technologien setzte: auf große, aufwendige Rechenanlagen. Wir wollen zeigen, dass wir auf der Basis von kommerziellen, kleinen Rechnern, wie sie beispielsweise in der Kommunikationselektronik eingesetzt werden, ebenso sicher und weitaus günstiger Spitzenleistungen bieten können."

Schon zu vielen Raumfahrtmissionen wie beispielsweise CASSINI/HUYGENS, MARS PATHFINDER und GIOTTO hat die Arbeitsgruppe, die Prof. Michalik jetzt übernommen hat, mit eigenen Entwicklungsprojekten seit 30 Jahren erfolgreiche Beiträge geliefert. So konnten bereits unter der Leitung von Dr. Fritz Gliem mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter aus Drittmitteln finanziert werden. Zurzeit sind Systeme zum Beispiel für die Mission ROSETTA der europäischen Weltraumbehörde ESA in Vorbereitung. Rechnertechnologie aus Braunschweig wird bei der acht Jahre dauernden Reise zum Komenten Wirtanen eine wichtige Rolle spielen. An Komponenten für weitere Missionen wird ebenfalls gearbeitet. "Mit der Einrichtung der Professur ist es der TU gelungen, diesen für den Luft- und Raumfahrtstandort Braunschweig maßgebenden Forschungsbereich noch mehr zu stärken", so Prof. Rolf Ernst, der Leiter des Instituts für Datentechnik und Kommunikationsnetze.

Zur Person:

Prof. Dr. Harald Michalik (Jahrgang 1957) war vor seinem Ruf an die TU Braunschweig 1993 bis 2001 Professor für Informationstechnik an der Hochschule Bremen. In dieser Zeit hat er die Gründung des fächerübergreifenden Institutes für Aerospace-Technologie mit initiiert und war auch dessen stellvertretender Leiter. Bei der OHB-System GmbH war er davor 1991 bis 1993 Projektingenieur im Bereich Raumfahrttechnologie mit den Schwerpunkten System- und Software-Engineering. Er leitete dort Projekte im Gebiet Satellitendatenverarbeitungsanlagen, ab 1993 war er Leiter der Abteilung Extraterrestrik.

Seine erste Anstellung erhielt Michalik 1982 nach dem Studium der Elektrotechnik an der TU Braunschweig am hiesigen Institut für Datenverarbeitungsanlagen als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Instrumentenrechner für Weltraumexperimente. 1991 promovierte er dort mit einer Dissertation zum Thema: "Bewegungskorrektur langzeitbelichteter Bilder bei satellitengestützten Kameras". Nun kehrt er als Leiter in eben diese Abteilung zurück. Prof. Michalik ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Prof. Michalik ist zu erreichen im Institut für Datentechnik und
Kommunikationsnetze der TU Braunschweig (Hans-Sommer-Str. 66, 13. OG.)
unter Tel.: 0531/391-3733.

Dr. Elisabeth Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.ida.ing.tu-bs.de/

Weitere Berichte zu: Datentechnik Raumfahrtmission Rechner

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Verbundprojekt erforscht die neurodegenerative Erkrankung Morbus Alzheimer
12.09.2017 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Damit sich Mensch und Maschine besser verstehen
04.09.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Granulare Materie blitzschnell im Bild

21.09.2017 | Verfahrenstechnologie

Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

21.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Überleben auf der Schneeball-Erde

21.09.2017 | Biowissenschaften Chemie