Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Strahlenschutzkommission empfiehlt verstärkte Forschung zu Elektrosmog-Risiken

17.09.2001


Die Strahlenschutzkommission (SSK) des Bundes hat sich für verstärkte Erforschung möglicher Gesundheitsgefährdungen durch elektromagnetische Felder ausgesprochen. Es sei notwendig, die Kenntnisse über gesundheitliche Beeinträchtigungen zu verbessern. Derzeit sieht die Kommission aus wissenschaftlicher Sicht jedoch keine Notwendigkeit, die geltenden Grenzwerte für elektromagnetische Felder zu verändern. Auch nach Bewertung der aktuellen wissenschaftlichen Literatur sei nicht nachweisbar, dass die gültigen Grenzwerte keinen ausreichenden Schutz der Bevölkerung vor Gesundheitsbeeinträchtigungen gewährleisten würden. Dies ist die Kernaussage der Empfehlung zu "Grenzwerten und Vorsorgemaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor elektromagnetischen Feldern", die die Kommission auf ihrer jüngsten Sitzung Ende vergangener Woche beschloss. Damit bestätigt die SSK, dass die geltenden Grenzwerte vor nachgewiesenen Gesundheitsgefahren ausreichend schützen. Bundesumweltminister Jürgen Trittin will jetzt prüfen, inwieweit sich aus den Empfehlungen der SSK Auswirkungen auf die geplante Novellierung der Elektrosmog-Verordnung ergeben.

... mehr zu:
»Feld »Grenzwert »SSK

In den Empfehlungen nimmt die SSK eine umfassende wissenschaftliche Bewertung der vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zu allen Arten von elektromagnetischen Feldern vor. Neben den hochfrequenten elektromagnetischen Feldern, wie sie beim Mobilfunk auftreten, sind dies die niederfrequenten Felder, die vor allem durch Hochspannungsleitungen erzeugt werden. Für beide Bereiche ging die SSK auch der Frage nach, ob ein wissenschaftlich begründeter Verdacht auf mögliche gesundheitliche Gefahren unterhalb der geltenden Grenzwerte besteht.

In Bezug auf die Mobilfunk-Strahlungen erkennt die Kommission in einzelnen Studien mögliche Hinweise auf Gesundheitsbeeinträchtigungen. Sie stellt dazu aber fest, dass sich "auch unter Berücksichtigung des Umfangs und des Ausmaßes der Verdachtsmomente ein zusätzliches Risiko über die bisher bekannten gesundheitlichen Beeinträchtigungen hinaus nicht angeben lässt". Sie plädiert deshalb für weitere Forschung. Bereits im Frühjahr hatte Bundesumweltminister Jürgen Trittin angekündigt, die entsprechenden Forschungsmittel drastisch aufzustocken. Für 2002 sieht der Umweltforschungsplan des BMU eine Verdopplung der Ausgaben auf 2,17 Mio. ? vor. Bis 2005 stehen mehr als 8,5 Mio. ? für diesen Zweck zur Verfügung.


Auch für den Bereich der niederfrequenten Felder bieten die gegenwärtig geltenden Grenzwerte nach Ansicht der SSK einen ausreichenden Schutz von Mensch und Umwelt vor nachgewiesenen Gesundheitsbeeinträchtigungen. Nach ihrer Auffassung enthalten nationale und internationale Studien allerdings Verdachtsmomente, wonach von diesen elektromagnetischen Feldern auch unterhalb der Grenzwerte möglicherweise eine Krebsgefahr ausgehen könnte. Es handelt sich dabei in allen vorliegenden Fällen um epidemiologische Studien, die lediglich statistisch Zusammenhänge feststellen können. Bislang ist allerdings kein Mechanismus bekannt, der einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Auftreten von Krebserkrankungen und elektromagnetischen Feldern erklären könnte, so die SSK.

Die vorgelegten Ergebnisse decken sich auch mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen des Internationalen Krebsforschungszentrums in Lyon, das ebenfalls bei hochfrequenten Feldern keine Verdachtsmomente für Krebs erkennen konnte, während Verdachtsmomente bei niederfrequenten Feldern gesehen werden. Bereits im vergangenen Jahr war ein umfassender wissenschaftlicher Bericht (Stewart Report), der von der britischen Regierung in Auftrag gegeben wurde, zu den gleichen Ergebnissen gelangt.

Die wissenschaftliche Bewertung der SSK wird durch konkrete Empfehlungen zum Ausbau des Gesundheitsschutzes im Rahmen der geltenden 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung (Elektrosmog-Verordnung) sowie zur Einbeziehung von Geräten in die Grenzwertregelungen ergänzt. Darüber hinaus werden generelle Empfehlungen zu Vorsorgemaßnahmen für nieder- und hochfrequente elektromagnetische Felder gegeben.

Die Zusammenfassung der SSK-Empfehlungen einschließlich des wissenschaftlichen Anhangs ist im Internet unter www.bmu.de/strahlenschutz abrufbar

Michael Schroeren | BMU Pressedienst

Weitere Berichte zu: Feld Grenzwert SSK

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Placebo-Effekt hilft nach Herzoperationen
11.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise