Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Tandem zur Interdisziplinarität

11.07.2001


Im Zeichen von Innovation und wissenschaftlichem Nachwuchs: VolkswagenStiftung richtet zwei neue Förderinitiativen ein

Die VolkswagenStiftung hat in der Vergangenheit immer wieder der Wissenschaft mit neuen Initiativen Impulse gegeben und gleichsam verkrustete Strukturen an den Hochschulen zu durchbrechen versucht - etwa mit ihrem erfolgreichen Programm zu den Nachwuchsgruppen an Universitäten (siehe auch Pressemitteilung vom 2. Juli 2001). In dieser Tradition stehen die beiden neuen Förderinitiativen, die das Kuratorium der Stiftung in seiner Sommersitzung beschlossen hat: das "Tandem-Programm zur Förderung der fachübergreifenden Zusammenarbeit von Postdoktoranden" und der Schwerpunkt "Innovationsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft".

Das Tandemprogramm trägt der Erkenntnis Rechnung, dass im deutschen Wissenschaftssystem derzeit der Reformbedarf in der Phase nach der Promotion am größten ist. Zu diesem Zeitpunkt werden die entscheidenden Weichen gestellt. "Strukturelle Fehlentwicklungen lassen sich ab dann nur noch schwer korrigieren", meint Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung. "Insbesondere ist es fatal, dass viele Nachwuchswissenschaftler nach der Promotion mangels entsprechender Chancen ins Ausland abwandern, ganz aus dem Wissenschaftsbetrieb aussteigen - oder in ungesicherter beruflicher Position versuchen, ihre wissenschaftliche
Karriere weiterzuverfolgen."

Mit dem Programm möchte die VolkswagenStiftung herausragenden Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern die Möglichkeit eröffnen, sich unmittelbar nach der Promotion einer interessanten, interdisziplinär ausgerichteten Aufgabe zu widmen. Dabei soll ein Team von zwei, gegebenenfalls auch drei Nachwuchsforschern - angesprochen sind alle Fachrichtungen - gemeinschaftlich an einem fachübergreifenden Projekt arbeiten. Gefördert wird die enge Zusammenarbeit zu Fragestellungen, denen bislang in etablierten fachübergreifenden Kooperationen nicht nachgegangen wird. Ziel des Programms ist es, jungen promovierten Wissenschaftlern auf diese Weise frühzeitig Gelegenheit zu geben, gemeinsame Erfahrungen in selbstständiger, disziplinenübergreifender Forschung zu sammeln. So könnten sie sich für Leitungsaufgaben in der Wissenschaft qualifizieren - etwa für die Übernahme einer Juniorprofessur oder einer Nachwuchsgruppe.

In der öffentlichen Debatte um die Zukunft moderner Gesellschaften spielt die Forderung nach Innovationsfähigkeit eine Schlüsselrolle. Dabei wird der Begriff "Innovation" ebenso häufig wie unbestimmt benutzt, um den Bedarf an technischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Neuerungen anzuzeigen oder auch nur zu erklären. Jene Neuerungen sollen es erlauben, mit den immer schneller voranschreitenden Veränderungen in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen Schritt zu halten. Sie sind zugleich selbst
Bestandteil und Motor umfassender Veränderungsprozesse. Unabhängig davon besteht Konsens, dass die Innovationsfähigkeit einer Gesellschaft davon abhängt, wie gut das Zusammenspiel staatlicher, gesellschaftlicher, unternehmerischer und wissenschaftlicher Akteure funktioniert. So wird
Innovationspolitik in steigendem Maße als eine zentrale politische Aufgabe angesehen und die Entwicklung der Innovationspolitik selbst als Entstehen eines Politikfeldes neuen Zuschnitts, in dem sich Initiativen in Forschung
und Entwicklung, Bildung und Wissenschaft sowie Aspekte der Wirtschafts-, Umwelt-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik verbinden.

Eine solche Entwicklungen und Prozesse begleitende Innovationsforschung als wissenschaftliche Disziplin im engeren Sinne existiert weder in Deutschland noch international. Die VolkswagenStiftung richtet den Schwerpunkt "Innovationsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft" vor dem Hintergrund ein, dass die gegenwärtig geführten politischen Debatten um die gesellschaftliche Zukunft(sfähigkeit) - Stichworte: Standortfrage, Informations- und Wissensgesellschaft, Globalisierung, um nur einige zu nennen - durchaus Bedarf an wissenschaftlich fundierten Analysen über die Formen, Voraussetzungen und Folgen von technischen und sozialen Innovationen erkennen lassen. Im Mittelpunkt der Forschungsanstrengungen soll dabei vor allem der Prozess stehen, der Innovationen hervorbringt. Dabei sind die technischen, sozialen, politischen und kulturellen Voraussetzungen eben dieser Innovationsprozesse genauso zu untersuchen wie die Folgen dieser Prozesse in Kultur, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft - einschließlich etwaiger nicht gewollter Nebenwirkungen.

"Mit dem Thema Innovationsforschung wird nunmehr ein in Deutschland zugleich defizitäres wie entwicklungsfähiges Forschungsfeld der interessierten Wissenschaft neu erschlossen", sagt Krull. Denn es zeige sich immer deutlicher, dass die Vernetzung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft als Rahmenbedingung für technische und soziale Innovationen zunehmend von Bedeutung sein werde. Krull: "Nicht mehr ein zuvor vielfach diagnostizierter linearer Prozess - von der Erfindung oder Entdeckung über die Entwicklung bis zur Durchsetzung am Markt - steht im Blickfeld, sondern das Zusammenspiel von Wissen unterschiedlicher Akteure auf unterschiedlichen Ebenen."

Vor dem Hintergrund der Komplexität der Zusammenhänge sieht die Stiftung ein großes Potenzial für Förderanträge zum Thema Innovationsforschung. - Und für wissenschaftliche Innovationen an den Grenzen der etablierten Disziplinen steht ja ab sofort das Tandemprogramm zur Abfahrt bereit.

Kontakte in der VolkswagenStiftung:

1) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Christian Jung
Tel.: 0511/8381-380; Mail: jung@volkswagenstiftung.de

2) Tandemprogramm: Dr. Marcus Beiner
Tel.: 0511/8381-289; Mail: beiner@volkswagenstiftung.de

3) Innovationsforschung: Dr. Alfred Schmidt
Tel.: 0511/8381-237; Mail: schmidt@volkswagenstiftung.de

Dipl.Biol. Christian Jung | idw

Weitere Berichte zu: Innovationsforschung Mail Promotion Prozess Tandemprogramm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Forschende der Uni Kiel entwickeln extrem empfindliches Sensorsystem für Magnetfelder
15.02.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Getarntes Virus für die Gentherapie von Krebs
31.01.2018 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics