Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neun Einrichtungen gründen virtuelles Institut zur Stratosphärenforschung

26.01.2005

Warum steigt der Anteil des Wasserdampfs in der Stratosphäre langfristig, und welchen Einfluss hat dies auf das weltweite Klima und die Ozonschicht? Warum laufen die verantwortlichen Prozesse in verschiedenen Regionen und zu verschiedenen Jahreszeiten unterschiedlich ab? So einfach diese Fragen formuliert sind, so kompliziert ist die Materie. Kompliziert und wichtig genug für Umweltforscher in ganz Deutschland, von Bremerhaven über Jülich bis Karlsruhe. "Gemeinsam geht’s besser", dachten sich die Wissenschaftler aus insgesamt vier Helmholtz-Zentren und fünf Universitäten und gründeten ein virtuelles Zentrum Tropische Tropopausenregion, kurz: ZTT. Mit der geballten Expertise und einem breiten Spektrum von Geräten und Methoden wollen die Forscher eine internationale Spitzenstellung erreichen. Erstes gemeinsames Projekt: die in diesen Tagen beginnende TROCCINOX-Kampagne im Süden Brasiliens.

Für das virtuelle Institut ist kein neues Gebäude nötig, die Wissenschaftler müssen nicht umziehen und werden sich auch nicht täglich im Labor oder bei Feldexperimenten begegnen. Im virtuellen Institut bündeln die beteiligten Forschergruppen ihre unterschiedlichen Kompetenzen, um die verschiedenen Mess- und Modellstrategien im Rahmen einer längerfristigen Zusammenarbeit zu integrieren und die Fragen von verschiedenen Seiten her zu beleuchten. Dazu planen und bearbeiten sie die Forschungsarbeiten nun gemeinsam, sei es mit Feldmessungen, Laborexperimenten, Modellstudien, Messflügen und der Nutzung von Satellitendaten. Der Aufbau von virtuellen Instituten wird derzeit durch die Helmholtz-Gemeinschaft besonders gefördert.

Wissenschaftliches Ziel der vereinbarten Untersuchungen ist die Aufklärung verschiedener Umwandlungs- und Transportprozesse im Bereich der Tropopause, die bei mittleren Breiten bei etwa 10 km und am Äquator in 16 km Höhe liegt. Diese Grenzschicht zwischen Troposphäre und Stratosphäre spielt eine äußerst wichtige Rolle im Klimasystem. Wichtige Fragen erläutert Prof. Dr. Martin Riese, Direktor am Institut für Chemie und Dynamik der Geosphäre im Forschungszentrum Jülich: "Wie werden die Luftmassen von dort in die Stratosphäre bis in 40 Kilometer Höhe transportiert? Wie entstehen Zirren aus feinsten Eisteilchen bestehende Federwolken in höheren Luftschichten , und welchen Einfluss haben dabei sehr feine Schwebpartikel in der Luft, so genannte Aerosole?" Die zugrunde liegenden Mechanismen sind zum Teil noch unverstanden, erst recht, wenn organische Substanzen und anorganische Adsorbate, beispielsweise Salpetersäure (HNO3), im Spiel sind. Eine weitere Frage: Ist der Transport in die Stratosphäre in bestimmten Regionen der Tropen möglicherweise über Mikronesien besonders effektiv, oder ist dieser Austausch über allen tropischen Gebieten gleichmäßig?

Atmosphärenforschung braucht große fliegende Messeinrichtungen. Diese sind bei einigen der Partner vorhanden oder stehen über nahe stehende Organisationen zur Verfügung. Dazu gehören das russische Höhenforschungsflugzeug "Geophysica" sowie die "Falcon" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Messungen von Ballonen, Schiffen und vom Boden aus werden das Feldmessprogramm ergänzen. Eiswolken- und Luftprobensammler sind ebenso Elemente der gemeinsamen Aktivitäten wie die Auswertung von Daten des weltweit größten Umwelt-Satelliten ENVISAT durch die Forschungszentren Karlsruhe und Jülich und die Universitäten Bremen und Heidelberg. Sie werden ergänzt durch Laborexperimente in der Karlsruher Atmosphären-Simulationskammer AIDA. Eingebunden in die Aktivitäten des ZTT ist auch die in diesen Tagen beginnende TROCCINOX-Kampagne (Tropical Convection, Cirrus and Nitrogen Oxides Experiment), ein EU-Projekt, bei dem die Höhenflugzeuge "Geophysica M55" und "Falcon E-20" zu einer Messkampagne vom Süden Brasiliens aus starten. Die Wissenschaftler wollen umfangreiche Messungen in der Nähe von tropischen Gewittern durchführen und insbesondere die Menge an Stickoxiden bestimmen, die dabei entsteht. Der Jülicher Wissenschaftler Dr. Cornelius Schiller und seine Kollegen haben sich Anfang der Woche auf den Weg nach Brasilien gemacht. Die Flugzeuge sind schon am Montag in Recife eingetroffen.

Das gemeinsame virtuelle Zentrum wird durch Prof. Riese vom Forschungszentrum Jülich koordiniert. Ziele und Maßnahmen werden in regelmäßigen Abständen von einem Programm-Komitee festgelegt, dem je ein Vertreter der beteiligten Einrichtungen angehört. Für die Einbindung in europäische Messkampagnen sorgt Dr. Schiller, der bereits ein weiteres Messprojekt im tropischen Teil Australiens Ende des Jahres plant. Ebenfalls unter Jülicher Leitung steht der Teilbereich "Atmosphären-Modellierung".

Die Partner des Zentrums Tropische Tropopausenregion:

Forschungszentrum Jülich GmbH Stiftung Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. Forschungszentrum Karlsruhe Universität Bremen Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt Universität Heidelberg Johannes Gutenberg Universität Mainz Bergische Universität Wuppertal

Peter Schäfer | Forschungszentrum Jülich GmbH
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Berichte zu: Luft- und Raumfahrt Raumfahrt Stratosphäre TROCCINOX-Kampagne ZTT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Multidisziplinäre Studie regt neue Strategie zur Medikamentenentwicklung an
15.01.2018 | Heidelberger Institut für Theoretische Studien gGmbH

nachricht Interaktionen zwischen einfachen molekularen Mechanismen führen zu komplexen Infektionsdynamiken
09.01.2018 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
Weitere B2B-VideoLinks
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen