Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG legt MAK- und BAT-Werte-Liste 2003 vor

22.07.2003


Die Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die MAK- und BAT-Werte-Liste 2003 vorgelegt und dem Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit übergeben.



Sie enthält Vorschläge für MAK-Werte, das heißt die höchstzulässige Konzentration eines Arbeitsstoffes als Gas, Dampf oder Aerosol in der Luft am Arbeitsplatz, die nach gegenwärtigem Kenntnisstand auch bei langfristiger, täglich achtstündiger Exposition die Gesundheit der Beschäftigten nicht beeinträchtigt. Außerdem werden die Arbeitsstoffe entsprechend ihrer krebserzeugenden, keimzellmutagenen, fortpflanzungsgefährdenden, sensibilisierenden oder hautresorptiven Wirkung klassifiziert. Insgesamt ergaben sich gegenüber dem Vorjahresstand 61 Änderungen und Neuaufnahmen.



Besonders hervorzuheben sind in diesem Jahr die neuen Kriterien für die Bewertung von Kontaktallergenen und inhalativ wirksamen Allergenen. Diese neuen Kriterien orientieren sich an den unterschiedlichen Informationsquellen, für die eine abgestufte Bewertung ihres Evidenzgrades durchgeführt wurde. Damit wurde eine wesentliche Verbesserung bezüglich der Nachvollziehbarkeit und Einheitlichkeit der Bewertung von Allergenen erreicht. Die Kriterien haben den Charakter von Leitlinien, an denen sich die Bewertung der Datenlage in nachvollziehbarer Weise orientieren soll, von deren strikter Anwendung in besonderen Fällen aber abgewichen werden kann.

Außerdem liegt der Abschnitt über Aerosole in einer überarbeiteten Fassung vor; er wurde an die moderne Terminologie auf diesem Gebiet angepasst.

Beryllium und seine anorganischen Verbindungen sind auf der Basis von epidemiologischen Daten als krebserzeugend für den Menschen bewertet und damit in die Kanzerogenitätskategorie 1 eingruppiert. Das Mykotoxin Ochratoxin A hat sich als krebserzeugend im Tierversuch erwiesen und ist der Kanzerogenitätskategorie 2 zugeordnet.

Das Reizgas Stickstoffdioxid, der "bekannte" Umweltluftschadstoff, wurde als krebsverdächtiger Arbeitsstoff der Kanzerogenitätskategorie 3B zugeordnet und der bisherige MAK-Wert wegen der genotoxischen Wirksamkeit ausgesetzt. Für den Arbeitsschutz rät die Kommission zur Festlegung eines sehr viel niedrigeren Grenzwertes als dem bislang gültigen von 5 ppm.

Im Zuge der Überprüfung der krebsverdächtigen Stoffe der Kategorie 3 durch die Etablierung der neuen Kategorien 4 und 5 wurde das Lösemittel Tetrahydrofuran in die Kategorie 4 umgestuft, der bisherige MAK-Wert von 150 mg/m³ bleibt. Rhodium beziehungsweise anorganische Rhodiumverbindungen und Bromchlormethan - eine Verbindung mit ähnlicher chemischer Struktur wie das kürzlich neu bewertete Dichlormethan - wurden als krebsverdächtig in die Kategorie 3B eingestuft. Mit einer mutagenen Wirkung auf die Keimzellen beziehungsweise einem diesbezüglichen Verdacht muss sowohl für 4-Chlor-o-toluidin als auch für Ethylenimin bzw. Ochratoxin A und Epichlorhydrin gerechnet werden.

Der BAT-Wert von Blei für Frauen im gebärfähigen Alter wurde auf 100 µg Blei/l Blut abgesenkt. Dieser relativ niedrige Wert orientiert sich an der Hintergrundbelastung der Allgemeinbevölkerung.

Für fünf Stoffe ändern sich die MAK-Werte beziehungsweise werden neu vorgeschlagen, in zwei Fällen (Dimethoxymethan, Tetrahydrofuran) konnte der Wert nach eingehender Prüfung bestätigt werden. Für sieben Stoffe (Alkylethercarbonsäuren, Dicyandiamid, Diphenylkresylphosphat, Nikotin, Propionsäure, Tellur und seine anorganischen Verbindungen, Triazintriyltriiminotrihexansäure) konnten aufgrund fehlender Daten keine MAK-Werte festgelegt werden. Die Reevaluierung älterer MAK-Werte wurde intensiv weiter bearbeitet, auch in enger Zusammenarbeit mit der europäischen (SCOEL) und der US-amerikanischen (TLV) Kommission. Für fünf Stoffe (Bromchlormethan, Stickstoffdioxid, Nikotin, Propionsäure, Tellur und seine Verbindungen) wurde im Rahmen dieser Überprüfung entschieden, den MAK-Wert wegen des Verdachts auf eine krebserzeugende Wirksamkeit oder wegen der aus heutiger Sicht unzureichenden Datenlage für eine gesundheitliche Beurteilung zu streichen.

Sieben Arbeitsstoffe wurden darüber hinaus auf besondere Gefährdung in der Schwangerschaft hin überprüft. Der Methyl- und der Butylester der Chlorameisensäure sowie Cyclohexylamin und das Pestizid Cyfluthrin kommen in die Gruppe C, in der diejenigen Stoffe zusammengefasst sind, bei denen bei Einhaltung des MAK-Wertes kein Risiko der Fruchtschädigung zu befürchten ist. Dimethoxymethan dagegen kommt in Schwangerschaftsgruppe D; ein Risiko der Fruchtschädigung ist bei Einhaltung des MAK-Wertes derzeit eher unwahrscheinlich, kann aber nicht ausreichend sicher ausgeschlossen werden. Für Oxalsäuredinitril konnte mangels Daten keine Zuordnung zu einer der Gruppen A - D vorgenommen werden, und es muss in der Liste IIc aufgeführt werden.

Bei den krebserzeugenden Arbeitsstoffen gibt es zwölf Überprüfungen beziehungsweise Neuerungen. In die Kategorie 1, das heißt erwiesenermaßen krebserzeugend für den Menschen, wurde Beryllium neu eingestuft. In die Kategorie 2, das heißt als krebserzeugend für den Menschen anzusehen, wurde in diesem Jahr Ochratoxin A eingestuft. Der Verdachtskategorie 3B wurden Bromchlormethan, Rhodium und seine anorganischen Verbindungen sowie Stickstoffdioxid und der Formaldehydabspalter N,N’,N’’-Triethylhexahydro-1,3,5-triazin neu zugeordnet. Tetrahydrofuran wurde in die Kategorie 4 umgestuft, mit einem MAK-Wert von 150 mg/m³. Für die Kategorie 5 konnten auch in diesem Jahr keine geeigneten Kandidaten gefunden werden.

Auf ihre atemwegssensibilisierenden und hautsensibilisierenden Eigenschaften wurden in diesem Jahr 14 Arbeitsstoffe überprüft. Neue Markierungen erhielten 14 Chemikalien, darunter die als Duftstoffe verwendeten Verbindungen Zimtaldehyd, Zimtalkohol, Eugenol und Isoeugenol.

14 Stoffe, darunter die krebserzeugenden Verbindungen Auramin, lösliche Cadmiumverbindungen, Epichlorhydrin oder Ethylcarbamat, erhielten neu den Warnhinweis "H", das bedeutet, dass die Resorption durch die Haut neben der Inhalation wesentlich zur Toxizität am Arbeitsplatz beitragen kann. Für fünf weitere Arbeitsstoffe wurde dieser Warnhinweis überprüft und bestätigt, beispielsweise für Nikotin und Tetrahydrofuran.

Im Teil "BAT-Werte, BLW und EKA" gibt es fünf Neuaufnahmen beziehungsweise Änderungen. Neben der Absenkung des BAT-Werts für Blei für Frauen unter 45 Jahren wurde der BAT-Wert für Tetrachlormethan auf 3,5 µg/l Blut herabgesetzt. Für 1,4-Dichlorbenzol, Ethylbenzol und Phenol entfallen die BAT-Werte wegen der (möglicherweise) kanzerogenen Eigenschaften dieser Stoffe. Für Phenol sowie Kresole werden so genannte Biologische Leitwerte (BLW) vorgeschlagen.

Für jede der Neuaufnahmen und Änderungen in der MAK- und BAT-Werte-Liste 2003 wurden von der Senatskommission ausführliche wissenschaftliche Begründungen erarbeitet. Sie werden beim Verlag WILEY-VCH, Weinheim, veröffentlicht, seit 2002 auch online. Wie in jedem Jahr wird außerdem in den so genannten "Gelben Seiten" der MAK- und BAT-Werte-Liste die Überprüfung beziehungsweise Neuaufnahme von MAK-Werten oder Einstufungen für zahlreiche Stoffe angekündigt.

Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/aktuelles_presse/reden_stellungnahmen/download/mak2003.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Speiseröhrenkrebs einfacher erkennen
06.03.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit