Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leben mit dem "schwarzen Tod"

20.09.2000


Forschungsprojekt zur Seuchenbekämpfung im Mittelalter an der Universität Münster

Die Pest entvölkerte Mitte des 14. Jahrhunderts ganze Städte Europas und versetzte die Menschen in apokalyptische Angst. Da es gegen den Schwarzen Tod kein wirksames Mittel gab, suchten die Menschen seine Ursache in schlechten Ausdünstungen oder im Zorn Gottes über die menschliche Verderbtheit. Die Seuche prägte das Lebensgefühl der Menschen bis weit in die frühe Neuzeit hinein.

Dr. Kay Peter Jankrift und Prof. Dr. Richard Toellner vom Institut für Theorie und Geschichte der Medizin der Universität Münster haben in Verbindung mit dem Institut für vergleichende Städtegeschichte im Rahmen des Projektes "Formen, Strukturen und Entwicklungen mittelalterlicher Seuchenbekämpfung in regionalen Kontexten" schriftliche Quellen und archäologische Funde erforscht, die Aufschluss über die Bekämpfung der gefährlichen und ansteckenden Infektionskrankheiten des Mittelalters geben. Das Projekt, das sich auf Westfalen und das Rheinland konzentriert, wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Die beiden Wissenschaftler haben vor allem die Besonderheiten lokaler gesellschaftspolitischer Maßnahmen gegen Epidemien beschrieben. Sie zeigen die individuellen Eigenarten, das Wesen eines möglichen problembezogenen Erfahrungsaustauschs mit benachbarten Städten und die gegenseitige Beeinflussung in der Wahl der angewandten Maßnahmen zu Prophylaxe und Bekämpfung von Seuchen. Einige Faktoren allerdings, die die Verbreitung der Seuche beeinflussten, wie beispielsweise das Klima, unterscheiden sich nicht so grundsätzlich wie dies etwa bei einem Vergleich zwischen Venedig und Lübeck der Fall wäre.

Der Umgang mit der Pest scheint mit der Zeit nahezu ein Bestanteil städtischer Normalität geworden zu sein. Den Reaktionen auf den Schwarzen Tod liegt in allen untersuchten Städten ein ähnliches Handlungsmuster zu Grunde, das durch einige lokale Besonderheiten ergänzt wird. Allerorts finden sich immer wieder Hinweise auf die Flucht von Teilen der Bevölkerung sowie geistlicher und weltlicher Autoritäten. Besonders während des 16. Jahrhunderts häufen sich städtische Verordnungen, die das Verhalten in Seuchenzeiten regeln sollten. Bittprozessionen und -messen zur Abwendung des Unheils lasen sich in steter Regelmäßigkeit belegen. Unterschiede finden sich im medizinischen Umgang mit der Pest. Sie reichen von der gelegentlichen Beschäftigung eines städtischen Arztes in Soest bis zur Einrichtung von Häusern zur Aufnahme Pestkranker wie in Münster.

Maßnahmen zur Verbesserung der hygienischen Bedingungen in einer Stadt wie dem mittelalterlichen Dortmund sowie fortschrittliche Wasserversorgungssysteme in Aachen, Essen und Paderborn haben vermutlich die Häufigkeit des Auftretens von Seuchen beeinflusst. Die hygienischen Verhältnisse in den Städten waren höchst unterschiedlich und unterlagen immer wieder Veränderungen. Offensichtlich trugen auch Massenveranstaltungen wie Jahrmärkte, Messen und Wallfahrten, die viele Menschen anzogen, zur Verbreitung infektiöser Krankheiten bei.

Die Studie berücksichtigt außer der immer wieder neu ausbrechenden Pest auch Krankheiten wie die Lepra und das "Antoniusfeuer", von denen die erste nach der modernen medizinischen Definition eigentlich keine Seuche, die zweite keine Infektionskrankheit ist. Darüber hinaus untersuchten Jankrift und Toellner auch das erste Auftreten der Syphilis zum Ende des 15. Jahrhunderts sowie den "Englischen Schweiß" des Jahres 1529.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Brigitte Nussbaum |

Weitere Berichte zu: Infektionskrankheit Pest Seuche Verbreitung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie