Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinder stärken Ehen

29.08.2000


Ausgedehnte Partnersuche und Ehe auf Probe wirken wie Filter für unpassende Partnerschaften. Aber sie können nicht kompensieren, wie der Verzicht auf Kinder, fehlende religiöse Bindungen, weibliche Erwerbstätigkeit und nicht zuletzt voreheliche Mißerfolge die Ehe verändert. Kinder, die leiblich sind und nach der Eheschließung auf die Welt kommen, üben dagegen den stärksten Effekt auf die Stabilität der Ehe aus. Zu diesen Ergebnissen gelangt Dr. Jörg Otto Hellwig in einer Untersuchung, die er am Institut für Angewandte Sozialforschung der Universität zu Köln erstellt hat. Die Studie basiert auf der wiederholten Befragung von ca. 2.000 ehemaligen Gymnasiasten des Jahrgangs 1955 in den Jahren 1969, 1985 und 1997.

Immer häufiger wird die Ehe im gemeinsamen Haushalt ohne Trauschein geprobt. Passt die Verbindung, so wird die Ehe nachgeholt; scheitert die Partnerschaft endet sie in einer Trennung vor einer Eheschließung.

Von aufgelösten vorehelichen Partnerschaften können - so Dr. Hellwig - zwei widersprüchliche Wirkungen auf die Ehestabilität ausgehen. Einerseits werden voreheliche Partnerschaften zumindest teilweise für die Suche nach einem geeigneten Ehepartner genutzt. Die Erfahrung im Umgang mit solchen Partnerschaften wächst mit der Zahl vorehelicher Gemeinschaften und die Vorstellung von einem geeigneten Partner wird geschärft. Eigentlich sollte erwartet werden, daß durch solche vorehelichen Erfahrungen der Sucherfolg erhöht und dieser Vorteil vorehelicher Erfahrungen die Ehestabilität erhöhen sollte. Andererseits zeigt sich aber, daß die Barrieren einer Scheidung durch voreheliche Trennungserfahrungen gesenkt werden; denn die Auflösung einer Lebensgemeinschaft stellt einen Mißerfolg dar, da die Suche nach einem geeigneten Partner ergebnislos blieb. Demgegenüber bedeutet die Trennung von Partnerschaft ohne gemeinsamen Haushalt zwar eine Enttäuschung, sie werden aber nicht als Mißerfolg empfunden. Sie haben daher auch keinen starken negativen Effekt auf die Stabilität einer Ehe.

Religiöse Bindungen, Elternschaft und das Heiratsalter reduzieren das Scheidungsrisiko. Kinder steigern den Gewinn einer Ehe und erhöhen die Stabilität, weil der Gewinn nach einer Scheidung erheblich reduziert wird. Die Geburt von Kindern vor der Eheschließung erhöht allerdings das Scheidungsrisiko, weil die Partnersuche durch die Geburt unterbrochen wird. Voreheliche Kinder aus einer früheren Partnerschaft stellen häufig sogar eine Belastung für die aktuelle Partnerschaft dar.

Auch die Erwerbstätigkeit wirkt sich auf die Ehestabiltät aus. So erhöht die finanzielle Unabhängigkeit eines eigenen Erwerbs bei Frauen das Scheidungsrisiko. Sie ist das Indiz für einen Haushalt ohne Arbeitsteilung. Der Verzicht auf den Gewinn durch die Arbeitsteilung in der Ehe steigert das Scheidungsrisiko. Weiterhin ist zu beobachten, daß ein Hochschulabschluß die Neigung zur Scheidung bei den Männern reduziert, bei den Frauen dagegen anhebt. Die Studie zeigt weiterhin, daß Frauen, die den erreichten Lebenserfolg allein sich selbst zuschreiben, ein höheres Scheidungsrisiko aufweisen als Frauen, die den eigenen Erfolg auch anderen Menschen verdanken. Diese ’Ich-Zentrierung’ wirkt sich bei Frauen negativ und bei Männern dagegen nicht nachteilig auf die Ehestabilität aus. Dem Eheglück des Mannes steht eine egoistische Berufsorientierung weit weniger im Weg als den Frauen. Männer, die die Ellbogen im Beruf einsetzen, profitieren von diesen auch in der Partnerschaft; die weiblichen Ellbogen treffen demgegenüber im Beruf die Konkurrenz, aber im Privatleben die Frauen selbst. Diese Frauen haben es - so der Kölner Sozialforscher - dafür allerdings leichter, auf eigenen Füßen zu stehen und können eine Scheidung besser realisieren.

Die Zunahme der Scheidungsquote ist letztlich darauf zurückzuführen, daß Faktoren, wie die Kinderzahl oder religiöse Bindungen, die die Ehestabilität erhöhen, zunehmend schwinden und Faktoren, die die Ehestabilität reduzieren, wie die Kindergeburt vor der Ehe und die weibliche Erwerbsquote, dagegen an Bedeutung gewinnen. Was der Verzicht auf Kinder, fehlende religiöse Bindungen, weibliche Erwerbstätigkeit und nicht zuletzt voreheliche Mißerfolge - so Dr. Hellwig - in der Ehe ausgelöst haben, können von der ausgedehnten Partnersuche und der Ehe auf Probe nicht kompensiert werden.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Jörg Otto Hellwig unter der Telefonnummer 0221/470-6608, der Fax-Nummer 0221/470-5169 und der Email-Adresse hellwig@wiso.uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).

Für die Übersendung eines Belegexemplares wären wir Ihnen dankbar.

Gabriele Rutzen |

Weitere Berichte zu: Bindung Ehestabilität Scheidung Scheidungsrisiko

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Mit Nanopartikel-Tandems gegen den Herzinfarkt
01.12.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Virtuelle Realität für Bakterien
01.12.2017 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik