Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Interdisziplinäre Wissenschaftlergruppe nahm Arbeit im Bio-Chip-Labor der Uni Essen auf

16.11.2000


Wesentliche Fortschritte in der Prävention, Diagnostik und Nachsorge von Tumorpatienten versprechen sich Wissenschaftler des Essener Universitätsklinikums von den Arbeiten an einer Anlage zur Messung
sogenannter DNA-Microarrays oder Bio-Chips. Das sind mit natürlichem Material bestückte Chips: auf einem fingernagelgroßen Glasscheibchen sind mehrere tausend Erbgut -Schnipsel", Gene also, aufgetragen. Die Aktivität von Tausenden dieser Gene kann mit der jetzt in Betrieb genommenen Anlage im Institut für Zellbiologie (IFZ) des Klinikums in einem Arbeitsgang gemessen werden. Wie das die Tumorforschung befruchten kann, erläuterten gestern (Donnerstag, 16. November) in einem Pressegespräch Mitglieder des Konsortiums, dessen Initiative die Einrichtung des Bio-Chip-Labors zu verdanken ist.

Unter Federführung von Professor Dr. Tarik Möröy war dem Konsortium, zu dem neben dem durch Möröy vertretenen Institut für Zellbiologie die Institute für Humangenetik, für Pharmakologie, für Virologie sowie für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie gehören, die Einwerbung von Fördermitteln aus der Bio-Chip-Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen gelungen. NRW Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium fördern die Arbeit im Labor in den nächsten drei Jahren mit 703 000 Mark. Eine Anschubfinanzierung von mehr als 337 000 Mark brachte die Essener Medizinische Fakultät darüber hinaus selbst aus ihrem Forschungsförderungs-Programm IFORES auf. Die Anlage der Firma Af-fymetrix, die die Messung der Gen-Aktivitäten erlaubt, ist im August dieses Jahres installiert worden; inzwischen haben die ersten experimentellen Messreihen begonnen. Nach einer Anlaufphase soll das Labor für Kooperationen mit allen Instituten der Medizinischen Fakultät und anderen Universitäts-Instituten sowie mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen geöffnet werden und für breite Anwendungen in klinischen Studien und in der Grundlagenforschung zur Verfügung stehen.

Die Bio- und Gentechnologie gewinnt, das ist in den letzten Jahren deutlich geworden, für viele Lebensbereiche sehr rasch an Bedeutung. Die medizinische Grundlagenforschung baut in großen Bereichen auf dieser Technologie auf; dadurch erschließen sich ganz neue Möglichkeiten für Therapie und Diagnostik. Innerhalb dieser neuen bio- und gentechnischen Verfahren repräsentieren "Bio-Chips" oder auch DNA-Chips eine der innovativsten neuen Technologien, deren Weiterentwicklung sehr rasch sowohl in der bio-medizinischen Grundlagenforschung als auch in der Diagnostik Anwendung finden wird. Man kann heute die synthetisch hergestellten Gen -Schnipsel" auf den Bio-Chips so anordnen, dass auf der fingernagelgroßen Fläche fast das gesamte menschliche Genom enthalten ist. Mit den Chips kann die Aktivität des gesamten Genoms in bestimmten Geweben gemessen und mit speziellen Mikroskopen per Computer ausgewertet werden. Eine Genomanalyse von Krebs kann so um ein Vielfaches beschleunigt werden. Vor allen Dingen entsteht mit der Bio-Chip-Technologie die Möglichkeit, fast alle genetisch gesteuerten Prozesse einer Zelle gleichzeitig zu analysieren, während dies bisher nur für einzelne Gene möglich war.

Die Anwendungen der Bio-Chips sind vielfältig. Vereinfacht gesagt wird man in der Lage sein, das genetische Programm von gesunden und kranken Zellen miteinander zu vergleichen. Man wird in Zukunft für Krebserkrankungen genetische Profile erstellen können, mit denen eine bestimmte, nur für diese Krebserkrankung effiziente Therapie verbunden ist. Bio-Chips sollten die Forscher auch in die Lage versetzen, neue diagnostische Methoden zu entwickeln, die eine verbesserte Prognose einer Krebserkrankung erlauben. Aber auch für andere Krankheiten können mit Hilfe von Bio-Chips aberrante molekulare Prozesse identifiziert werden und so neue Zielstrukturen für eine medikamentöse Intervention aufgedeckt werden.


Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83 - 20 85
Weitere Informationen: Professor Dr. Tarik Möröy, Telefon (02 01) 7 23-33 80
Dr. Uwe Kirstein, Telefon (02 01) 7 23-33 81

Monika Roegge | idw

Weitere Berichte zu: Bio-Chip-Labor Bio-Chips Gen Grundlagenforschung Möröy

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt
25.05.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Nanopartikel aus Kläranlagen - vorläufige Entwarnung
02.05.2018 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics