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Neuer Sonderforschungsbereich an der Universität Stuttgart gibt Orientierung für digitale Welten

13.12.2002


Am 1. Januar 2003 startet an der Universität Stuttgart der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte Sonderforschungsbereich (SFB) "Umgebungsmodelle für mobile kontextbezogene Systeme" (Nexus). Der zunächst für vier Jahre bewilligte SFB integriert neben einem starken Informatikschwerpunkt auch Forscher aus anderen Disziplinen, wie der Photogrammetrie, Technikphilosophie, Elektrotechnik und Fertigungstechnik. Mit einem Fördervolumen von rund sechs Millionen Euro in der ersten Periode stellt er einen europaweit einzigartigen Schwerpunkt in den Zukunftstechnologien "Pervasive" und "Ubiquitous Computing" dar, vergleichbar nur mit fünf großen Leitprojekten in den USA. Sprecher des SFBs ist Prof. Dr. Kurt Rothermel vom Institut für Parallele und Verteilte Systeme.



Der mit den heutigen Informationssystemen wie dem WWW assoziierte "Cyberspace" wird sich in der näheren Zukunft drastisch wandeln. Der Fortschritt in der Miniaturisierung von Computern und die rasante Entwicklung der Sensortechnologie wird dazu führen, dass zunehmend Alltagsgegenstände Informationen über ihren Zustand und die Umgebung erfassen. Benutzer werden sich nicht länger ausschließlich in der realen Welt bewegen, sondern in einer Symbiose aus realer Welt und den digitalen Informationsräumen. Der zukünftige "Cyberspace" wird zu einer neuen, durch reale und digitale Artefakte ergänzten, Wirklichkeit.

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Die Anwendungsfelder, die im SFB untersucht werden, sind weitgespannt: Existierende Technologien wie Navigationssysteme in Fahrzeugen oder Handys gehören ebenso dazu wie neue Entwicklungen, etwa Brillen mit eingeblendetem Bildschirm oder in die Kleidung integrierte Anzeigen. Produktionsprozesse werden möglich, in denen Werkstücke und Verbrauchsmaterialen sich in einer "Smart Factory" selbst organisieren und zu einem verbesserten Produktionsablauf führen. Navigationssysteme für sehbehinderte Menschen können aufgrund der Informationen des digitalen Weltmodells Hindernisse, den Zustand von Ampeln oder Gruppen anderer Menschen erkennen und Hinweise für die Wegwahl geben.

Das Ziel des neu eingerichteten SFBs besteht in der Erforschung von Konzepten und Methoden für die Erstellung, Nutzung, Aktualisierung und Ausgestaltung solcher digitalen Weltmodelle. Die technischen Aspekte werden ergänzt durch Fragestellungen zur Informationssicherheit und gesellschaftlichen Akzeptanz.

Der Sonderforschungsbereich geht aus einer Forschergruppe an der Universität Stuttgart hervor, die vom Institut für Photo-grammetrie (Prof. Fritsch), dem Institut für Kommunikationsnetze und Rechnersysteme (Prof. Kühn) und dem Institut für Parallele und Verteilte Systeme (Prof. Rothermel, Prof. Mitschang) gebildet wurde. In drei Jahren erfolgreicher Forschung stellte sich heraus, dass eine Ausweitung des Projekts auf weitere Bereiche notwendig ist, um das Forschungsgebiet im internationalen Vergleich adäquat zu besetzen. Die hierfür notwendige Größe hat zu der Bil-dung eines interdisziplinären Sonderforschungsbereichs geführt.

Die Forschergruppe hat bereits neben einer großen Zahl von Veröffentlichungen in internationalen Zeitschriften und Konferenzen auch einen Prototyp der "Nexus"-Plattform als Demonstrator entwickelt. Die Praxisrelevanz der erarbeiteten Ergebnisse wurde der Öffentlichkeit auf Messen wie der CeBIT und in Kurzberichten in Zeitschriften wie Bild der Wissenschaft oder Focus vorgestellt.


Kontakt
Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. Kurt Rothermel
Universität Stuttgart
IPVS, Breitwiesenstr. 20-22
D-70565 Stuttgart
e-mail: Kurt.Rothermel@informatik.uni-stuttgart.de


Dr. Ulrich Engler | idw
Weitere Informationen:
http://www.nexus.uni-stuttgart.de

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