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Neues Forschungsprojekt an der TU Dresden: Posttraumatische Belastungsstörungen

19.02.2001


"Seit dem Überfall bin ich ein völlig anderer Mensch geworden. Abends liege ich im Bett und dann kommen diese Gedanken und Bilder, und dann liege ich ewig wach. Ich habe jetzt einen Punkt erreicht, wo man merkt, es
geht einfach nicht mehr weiter. Wenn ich irgendwo bin und es gibt ein plötzliches Geräusch, da zucke ich zusammen. Da ist es wieder. Man kann’s nicht abstellen. Man muss sich das mal vorstellen: Das ist wie ein elektrischer Schlag. Und der geht sofort nach oben und löst bei mir einen Schweißausbruch aus. Ich bin nervlich völlig am Ende...." (Bericht eines 60jährigen Opfers eines kriminellen Überfalls).

Im Jahr 1999 wurden laut Statistik des Bundeskriminalamtes über 650 000 Personen Opfer krimineller Gewalt. Unter der Bezeichnung "kriminelle Gewalt" werden versuchte und vollzogene Taten wie Mord und Totschlag, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und die persönliche Freiheit, Raub und Körperverletzung zusammengefasst. Die Dunkelziffer solcher Taten ist jedoch weitaus höher.

Lebensbedrohliche Situationen, wie kriminelle Überfälle, bezeichnet man als Trauma. Personen, die Opfer eines Traumas wurden, sind oft körperlich und seelisch schwer verletzt. Während die körperlichen Folgen meist sofort behandelt werden, bleiben die psychischen Folgen oft unbeachtet. Dies liegt zum einen daran, dass die Opfer selbst versuchen, alles, was sie an das Trauma erinnert zu vermeiden, andererseits sind die psychischen Folgen meist sehr allgemein, weswegen sie häufig von professionellen Helfern nicht als direkte Folge der Belastung erkannt werden. Obwohl die Reaktionen auf die unterschiedlichsten traumatischen Ereignisse individuell verscheiden sind, berichten viele Betroffene von einer großen Anzahl ähnlicher Symptome: Sie erleben ständig wiederkehrende, ungewollte Bilder, "Filme" oder Alpträume des Ereignisses und sind seelisch erschüttert, wenn sie Situationen erleben, die sie an das traumatische Erlebnis erinnern. Zum Schutz vor den Belastungen, die von solchen Erinnerungen ausgehen, versuchen die Betroffenen, Gedanken oder Situationen, die sie an das Erlebnis erinnern bewusst oder unbewusst zu vermeiden: Sie ziehen sich zurück und geben Hobbys oder Aktivitäten auf, an denen ihnen vor dem Erlebnis viel lag. Häufig können sie keine intensiven Gefühle mehr erleben, sondern fühlen sich wie abgestumpft.

Die starke psychische Belastung die von dem gedanklichen und gefühlsmäßigen Wiedererinnern ausgeht, beeinflusst sowohl Körperreaktionen als auch das Verhalten: Traumatisierte Personen leiden oft unter massiven Schlafstörungen und sind häufig extrem schreckhaft. Sie können besonders reizbar sein und zu Wutausbrüchen neigen. Alle diese Reaktionen sind direkt nach einem traumatischen Erlebnis normal. Bleibt die psychische Belastung jedoch länger als drei Monate bestehen, dann muss von einer chronischen Posttraumatischen Belastungsstörung ausgegangen werden, die in vielen Fällen über Jahre hinweg bestehen bleibt. Eine solche Posttraumatische Belastungsstörung kann auch bei zuvor völlig gesunden Menschen auftreten.

Jedoch leiden nicht alle Opfer traumatischer Erlebnis unter Posttraumatischen Belastungsstörungen. Einige Menschen können solche Ereignisse psychisch unbeschadet bewältigen. Sie berichten sogar, durch die Erfahrung persönlich gereift zu sein und neue Stärke entwickelt zu haben. Die Beantwortung der Frage, warum manche Menschen durch die Erfahrungen stark belastet sind und was anderen Personen hilft, ähnliche Erfahrungen gut zu bewältigen, ist zu einer frühzeitigen und angemessenen Unterstützung der Opfer traumatischer Erlebnisse sehr wichtig. Aus diesem Grund findet an der Technischen Universität (TU) Dresden eine Studie zur Bewältigung traumatischer Erfahrungen statt.

In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojekt des Traumafolgenexperten PD Dr. Dr. Andreas Maercker sollen im Frühling 2001 bundesweit 150 Kriminalitätsopfer zu den Folgen der auf sie verübten Tat befragt werden. Neben persönlichen Aspekten der Bewältigung solcher Erfahrungen sollen erstmalig auch gesellschaftliche und kulturelle Prozesse, wie zum Beispiel die Wertschätzung als Opfer, untersucht werden. Die anonyme Befragung findet mittels Fragebogen statt. Falls Sie weitere Fragen haben oder Interesse, an der Untersuchung teilzunehmen, wenden Sie sich bitte telefonisch an die (03 51) 4 63- 69 80.

Dipl.-Psych. Julia Mueller, TU Dresden, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Telefon (03 51) 4 63-69 80
E-Mail: Julia.Mueller@mailbox.tu-dresden.de

Birgit Berg | idw

Weitere Berichte zu: Belastungsstörung Mueller@mailbox Posttraumatische Trauma

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