Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intraoperative Chemotherapie: Deutsche Krebshilfe fördert Peritonealkarzinose-Schwerpunkt am Tübinger Uniklinikum

18.02.2008
Besondere Therapie bei Metastasen im Bauchraum - Intraoperative Chemotherapie soll in Tübingen etabliert werden.

Krebszellen können sich vom Tumor lösen und im Körper ausbreiten. Als Metastasen machen sie eine bösartige Geschwulst zur lebensbedrohlichen Gefahr. Gelangen die Zellen in die Bauchhöhle, wird es besonders gefährlich. Denn zum einen können sich die bösartigen Zellen dort relativ lange vermehren, ohne Beschwerden auszulösen.

Zum anderen ist die klassische Chemotherapie hier nur begrenzt wirksam. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt am Universitätsklinikum Tübingen mit 20.000 Euro den Aufbau eines Netzwerks, um ein noch relativ junges Therapiekonzept zu etablieren: die intraoperative Chemotherapie. Bei diesem Verfahren wird eine aufwändige Operation mit einer lokalen Chemotherapie kombiniert, wobei die zellzerstörenden Medikamente während der Operation direkt in den Bauchraum gespült werden.

Bei zehn bis zwanzig Prozent aller Patienten mit einem Tumor der inneren Organe haben die Krebszellen bereits bei der Erstdiagnose in den Bauchraum und das die Bauchhöhle auskleidende Bauchfell - das Peritoneum - gestreut. Diese so genannte Peritonealkarzinose tritt insbesondere bei Tumoren des Magens, des Darms und der Eierstöcke auf. Die Heilungsaussichten sind dann meist sehr schlecht, denn die Chemotherapie ist häufig nicht ausreichend wirksam.

Der Grund: Die Medikamente werden in das Blutgefäßsystem verabreicht und gelangen so hauptsächlich in gut durchblutete Organe. In der Bauchhöhle hingegen ist die Konzentration der Chemotherapie zu gering. "Die Peritonealkarzinose ist ein noch weitgehend ungelöstes Problem in der Onkologie", erklärt Professor Dr. Jörg Thomas Hartmann, Oberarzt und Projektleiter an der Medizinischen Klinik II der Universität Tübingen (Ärztlicher Direktor Prof. Lothar Kanz).

Seit vier Jahren wird am Südwestdeutschen Tumorzentrum Tübingen die intraoperative Chemotherapie zur Behandlung von Metastasen im Bauchraum eingesetzt. Bei diesem Verfahren werden die Medikamente unmittelbar nach der operativen Entfernung des Tumors in einer 41-42 Grad Celsius warmen Flüssigkeit direkt in die Bauchhöhle gespült. Durch die Erwärmung (Hyperthermie) erhöht sich die Wirksamkeit der Zytostatika. "Mit diesem Verfahren können die Heilungschancen bei einer Reihe von Erkrankungen deutlich verbessert und die Lebensqualität der Betroffenen erhöht werden", so Hartmann.

Das interdisziplinäre Verfahren ist technisch und personell jedoch sehr aufwändig und erfordert die Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachgebiete. Grundlage ist die zeitaufwendige und technisch anspruchvolle Entfernung des Peritoneums und die Multiviszeralresektion: "Eine Operation, die nicht selten bis zu 10 Stunden in Anspruch nimmt", erklärt Professor Dr. Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor der Abdominalchirurgie und Sprecher des Peritonealkarzinose-Schwerpunktes. Daher wird es bislang nur an wenigen spezialisierten Kliniken in Deutschland eingesetzt. Neben Tübingen sind dies u.a. Regensburg, Berlin, und Hannover. "Am Südwestdeutschen Tumorzentrum Tübingen sind die Voraussetzungen für eine enge und kooperative Behandlung von Patienten mit Beteiligung aller erforderlicher Fachdisziplinen gegeben", so Priv-Doz. Dr. Björn Brücher, verantwortlich als Oberarzt für die Onkologische Chirurgie der Abdominalchirurgie. "Mit Hilfe der Förderung durch die Deutsche Krebshilfe soll das Verfahren jetzt weiter optimiert und etabliert werden", erklärt Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. Eine wesentliche Aufgabe ist es dabei, die Diagnostik und Therapie der Betroffenen zu standardisieren und ein bundesweit einheitliches Therapiekonzept zu entwickeln.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen

Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Prof. Dr. med. Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor (Foto anbei)
Tel. 07071/29-8 66 20, Fax 07071/29-55 88
Medizinische Klinik, Internistische Onkologie, Innere Medizin II
Prof. Dr. med. Jörg Thomas Hartmann (Foto anbei)
Tel. 0 70 71/29-8 21 27, Fax 0 70 71/29-56 89
Joerg.Hartmann@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

Weitere Berichte zu: Chemotherapie Krebshilfe Metastase

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie