Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tübinger Informatiker entwickeln sicheres Verfahren für Online-Banking mit dem Fotohandy

04.11.2008
Anmeldung als internationales Patent

Dr. Bernd Borchert und Dr. Klaus Reinhardt vom Lehrstuhl für Theoretische Informatik am Wilhelm-Schickard-Institut für Informatik der Universität Tübingen haben ein Verfahren entwickelt, das unter Nutzung eines Fotohandys durch den Bankkunden sicheres Online-Banking ermöglicht.

Das neue Verfahren wurde von der Universität Tübingen zur internationalen Patentierung angemeldet, und ein Software-Prototyp wurde von Informatik-Studenten bereits geschrieben. Der Trick des neuen Verfahrens besteht in einer besonderen Art von Kommunikation des Kunden mit der Bank mittels Fotohandy, die ein möglicher auf dem PC installierter Trojaner-Virus nicht verfolgen und fälschen kann.

Online-Banking ist auch mit den Sicherungsverfahren TAN und iTAN, d. h. der Verwendung von Passwörtern und Codezahlen, nicht wirklich sicher: Ein so genannter Trojaner-Virus, der sich auf dem Rechner des Benutzers eingenistet hat, kann durch einen heimlichen Angriff Zielkonto und Betrag eines Überweisungsauftrags fälschen, ohne dass Benutzer oder Bank davon etwas bemerken. Ein online getätigter Überweisungsauftrag wird dabei vom Trojaner-Virus abgefangen und manipuliert an die Bank geschickt.

Die Bank empfängt den gefälschten Auftrag und bittet um Bestätigung mit einer iTAN-Nummer. Diese Rückfrage wird wiederum vom Virus abgefangen und verfälscht auf dem Bildschirm dargestellt, so dass der ahnungslose Bankkunde die gefälschte Überweisung mit dem iTAN-Code bestätigt. Solche Trojaner-Viren sind nicht einfach zu schreiben, aber im Herbst 2007 gab es den ersten solchen Betrugsfall, der Name des Trojaner-Virus war sinnigerweise Silentbanker.

Einige Banken nutzen Verfahren, die solche Trojanerangriffe verhindern, z.B. das mobile-TAN Verfahren mit dem Handy. Das Fotohandy-PIN-Verfahren hat aber den Vorteil, dass keine Funk- bzw. SMS-Verbindung nötig ist und dass das Verfahren doppelt gesichert ist: es reicht nicht aus, in Besitz des Handys zu sein, für jede Überweisung braucht man auch die Kenntnis der Account-PIN.

Der Bankkunde benötigt für das neue Verfahren ein Fotohandy, auf das er das im Internet frei verfügbare Fotohandy-PIN-Programm herunterlädt. Ein geheimer kryptographischer Schlüssel wird von der Bank per Post als 2D-Code auf Papier an den Bankkunden geschickt und wird nun durch einfaches Abfotografieren in das Handy eingelesen.

Der Überweisungsvorgang läuft dann folgendermaßen ab: Nach Eingabe der Überweisungsdaten wird auf dem Bildschirm ein 2D-Code gezeigt, der vom Bankkunden mit dem Handy abfotografiert wird. Auf dem Handy werden ihm die Überweisungsdaten nun nochmals gezeigt. Zur Bestätigung erhält er auf dem Handy ein Nummernfeld mit vertauschten Ziffern, das nicht der üblichen Anordnung entspricht. Die Bestätigung mit der PIN-Nummer durch Mausklicks am Computer-Bildschirm kann der Trojaner nicht abhören: Er kann bestenfalls die Position von Mausklicks wahrnehmen, aber er weiß nicht, was die Klicks bedeuten, denn er "sieht" das Handy-Display nicht.

Nach der Fertigstellung des Prototyps im Sommer haben die Erfinder Kontakt mit Banken aufgenommen. Ein weiteres Einsatzgebiete des Verfahrens könnten Internet-Zugänge von Unternehmen sein, die den Mitarbeitern Online-Transaktionen (z.B. Bestellungen) erlauben.

Eine abgespeckte Version des Fotohandy-PIN Verfahrens garantiert, dass Trojaner-Viren keine Passwörter bzw. PINs abhören können. Das ließe sich auch bei E-Mail Accounts, E-Commerce Accounts (Ebay, Amazon, etc.) und Internet-Foren anwenden. Als Vorteil der Fotohandy-PIN könnte es sich dabei herausstellen, dass die Software auf dem Handy in der Lage ist, beliebig viele Online Accounts zu verwalten und sich dabei die Account-Namen zu merken, und sogar für jeden Account eine abgespeicherte Gedächtnishilfe (Beispiel: "altes Passwort") für die jeweilige PIN anzeigen kann.

Weitere Informationen:
Dr. Bernd Borchert
Wilhelm-Schickard-Institut für Informatik
Sand 13, 72076 Tübingen
Telefon: 07071/29-74036
E-Mail: borchert@informatik.uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/
http://www-fs.informatik.uni-tuebingen.de/~borchert/Troja/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht
18.01.2017 | Technische Universität Berlin

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise