Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik der Uni Bremen entwickelt 51 Zoll Bildschirm mit Full-HD Auflösung

04.05.2009
"Wir haben den besten Multitouch-Table"

Architekten stehen um einen besonderen Tisch. Gemeinsam können sie auf die digital eingespielten Pläne und Skizzen per Fingerdruck zugreifen und diese in der Interaktion verändern. Auch die realen Modelle auf dem Tisch können als begreifbare Objekte in diesen kreativen Prozess mit eingebunden werden.

Eine von vielen denkbaren Einsatzmöglichkeiten des im Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen entwickelten Mixed Reality Tables. Multitouch ist das Zauberwort für interaktive Bedienoberflächen, auf denen die Nutzer direkt und intuitiv mit den Fingern agieren können. Microsoft hat bereits mit dem "Surface" Computer und Couchtisch miteinander verschmolzen.

Mehrere Nutzer können hier gleichzeitig und mit beiden Händen auf dem 30 Zoll Bildschirm agieren. Das TZI geht in Sachen Qualität noch weiter. "Einen Bildschirm mit 51 Zoll bei Full-HD Auflösung gibt es derzeit nicht auf dem Markt", sagt Rainer Malaka, Professor für Digitale Medien. "Wir haben den besten Tisch."

Die Darstellung ist dank eines aufwändigen Spiegelsystems bei voller Auflösung verzerrungsfrei. Auf eine gute Fingererkennung wurde konstruktiv besonderer Wert gelegt. Sie ist sehr robust gegenüber Fehlerkennungen und erlaubt sogar das Erkennen von Handgesten ohne Berührung der Oberfläche. Im Tischgehäuse ist alles zum Betrieb Notwendige integriert: ein PC, die optische Fingererkennung und allerlei multimediale Schnittstellen. "Und der Musiksound hat schon die Qualität eines kleinen Konzertsaals", sagt Mitarbeiter Jens Teichert, verantwortlich für Planung und Ausführung der Hardware.

Zwanzig langsam drehende Ventilatoren sorgen dafür, dass der High-Tech Tisch selbst nicht zu hören ist. Einen eigenen Tisch wollten die Bremer Wissenschaftler zunächst gar nicht bauen. "Wir hatten für unsere Interaktionsforschung erst bei Microsoft angefragt. Doch als die uns kein Exemplar überlassen wollten, haben wir selbst losgelegt", berichtet Malaka. Und die Resonanz ist groß. "Wenn wir den Tisch auf Messen präsentieren oder den Unternehmen bei uns im Institut vorstellen, wollen viele gleich wissen: Wo kann ich den kaufen?", sagt Malaka. Für die Vermarktung sucht das TZI jetzt Partner aus der Industrie, die den Tisch nachbauen. Die Kosten für einen fertigen Tisch schätzt Malaka auf rund 20.000 Euro.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Der Multitouch Technologie gehört die Zukunft. "Wir betrachten das Ganze als eine Multi-Milliarden-Dollar-Kategorie und stellen uns eine Zeit vor, in der Oberflächen-Computertechnik überall sein wird, in Tischen genauso wie in Spiegeln an der Wand", zitiert der Stern Microsoft-Chef Steve Ballmer. Neben Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung sieht Malaka dort Einsatzmöglichkeiten, wo diese transparente neue Form von Kommunikation Kunden Nutzen bringt. Etwa in Autohäusern, wo Berater und Kunde gemeinsam am Bildschirm das Traumauto in Modell, Farbe und Ausstattung zusammensetzen. Oder auch in Banken, wo am Mixed Reality Tisch vielfältige Informationen nebeneinander aufgerufen werden können, damit Kunden komplexe Produkte wie ein Riester-Vertrag besser beurteilen können. "Vorstellbar ist auch, dass gemeinsam Musikstücke digital komponiert werden. Mit unserem Tisch können die Nutzer mehrere Parameter gleichzeitig bearbeiten", berichtet Malaka. Das gilt auch für Zeichentrick oder 3D-Animationen in der Werbung. "Vorher konnte mit der Maus immer nur ein Körperteil bewegt werden. Mit unserer Technik können jetzt etwa beide Beine gleichzeitig animiert werden", so der Professor. Zu sehen ist der Mixed Reality Table des TZI vom 11. bis 14. Mai auf der Bremer Messe Oceans. Dort wird das Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) der Universität Bremen zum Beispiel seine faszinierenden Unterwasserfilme auf dem hochauflösenden Bildschirm zeigen.

Eberhard Scholz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bremen.de
http://medien.informatik.uni-bremen.de/de/research/hci/mrt/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise